Der Geilste Tag

Kinoplakat Der Geilste Tag

Eine Kumpelkomödie mit zwei todkranken Freunden. Darf man das? Ja, wenn das Zusammenspiel so gut gelingt wie bei Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer. Nein, wenn man zum Thema so wenig zu sagen hat wie im geilsten Tag.

Freundschaften können an jedem Ort und zu jeder Zeit entstehen. Zwischen Andi (Matthias Schweighöfer) und Benno (Florian David Fitz) beginnt sie in einem Münchner Hospiz. Die zwei sind wie Tag und Nacht. Derweil Andi dem Tod so gefasst wie leidend ins Auge sieht, möchte Benno gerne noch etwas erleben. Nach wenigen Tagen Aufenthalt und einigen Reibereien entwickelt er einen Plan, bei dem Andi mitzieht. Für Benno ist er anfangs Mittel zum Zweck. Doch während ihrer gemeinsamen Abschiedsreise wird aus dem Zweckbündnis eine Freundschaft. Und selbst das Ende haben sie geplant. Medienwirksam wollen sie in ihrem Blog abtreten und so auf der Welt zumindest in den sozialen Medien einen Fußabdruck hinterlassen. Doch so einfach stirbt es sich nicht.

Kritik

Die deutsche Tragikomödie greift das schwierige Thema Sterben auf und verknüpft es mit Fragen nach dem Sinn des Lebens. Ein mutiges Unterfangen, das am Ende mittelprächtig gelingt. Das Zusammenspiel zwischen Fitz und Schweighöfer ist gefällig. Doch das Drehbuch ist nicht ganz ausgegoren. Eine seiner großen Schwächen besteht darin, dass Drehbuchautor Fitz (Jahrgang 1974) versucht über das Leben und seinen Sinn zu philosophieren und es bei Allgemeinplätzen belässt. Er legt viel Wert auf die Freundschaft, streut noch einige Werte ein wie soziales Engagement. Doch das ist nicht Film füllend. Und auch die Wendung, noch schnell eine Scharte auszuwetzen, ehe man stirbt, ist zu naheliegend. Dass der Autor keine weitergehenden Einsichten zu vermitteln weiß, ist ihm nicht zu verübeln; es bleibt jedoch der Eindruck, dass er sich am Thema verhebt.
Der dramaturgische Stil ist nicht durchgängig und schwankt zwischen schwarzem, sarkastischem und flachem Humor. In gelungenen Szenen entlarven die Hauptrollen gegenseitig ihre Mechanismen. In schwachen Momenten fliegt jemandem eine Fliege in den offenen Mund.

Eine Schwäche besteht im Verlaufen der Handlung. Während die zwei Todgeweihten ihre Abschiedsreise durch Afrika machen, kämpft der Film zunehmend mit Längen. Erst nach der Rückkehr nach München findet der Film wieder zu mehr Tempo zurück und endet mit einem schönen Abschiedsbild.
Die zwischengeschobene Reise ermöglicht auch optische Gegensätze, die der Kameramann nur bedingt ausschöpft. Nach der räumlichen Enge und den dunklen Tönen in Deutschland wäre es möglich gewesen Afrika als starken Kontrast herauszuarbeiten. Doch die Bilder unter der Sonne bleiben entweder hinter ihren Möglichkeiten zurück oder Afrika hat auch seine unspannenden Gegenden. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Kopie der Pressevorführung noch nicht "final" ist. Und ein weiterer Gedanke kommt auf. Was, wenn man die Hauptrollen tauscht? Matthias Schweighöfer als Draufgänger und Florian David Fitz als Angsthasen? Ergäbe das vielleicht den interessanteren Film?

Fazit
"Der geilste Tag" ist eine personenfixierte Komödie, die mit der Sympathie für die Darsteller steht und fällt. Der Titel ist gut provokant gewählt - lässt jedoch nicht zwangsläufig an eine Tragikomödie denken. Die Gewichtungen gelingen nicht gut.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: Deutschland
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 113
Genre: RoadmovieTragikomödie
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 25.02.2016
Heimkino: 25.08.2016

Regie: Florian David Fitz
Drehbuch: Florian David Fitz

Schauspieler: Matthias Schweighöfer (Andi) • Florian David Fitz (Benno) • Rainer Bock (Dr. Wüst) • Alexandra Maria Lara (Mona) • Nora Boeckler (Brautjungfer Sandra) • Henry Buchmann (Fischer) • Kabelo Bouga Chalatsane (Anführer) • Christiane Dollmann (Radiologieassistentin) • Lars Doppler (Pilot) • Andreas Dubois (Verkäufer) • Karl Friedrich (Schulze) • Jackie Hill (Kellnerin) • Dominika Jablonska • Amelie Elisa Klein (Leni) • Frederic Linkemann (Polizist)

Produktion: Dan Maag • Matthias Schweighöfer • Marco Beckmann
Szenenbild: Christian Eisele
Kostümbild: Metin Misdik
Maskenbild: Charlotte Chang (Bvm) • Hannah Chinnakam
Kamera: Bernhard Jasper
Ton: Manfred Banach
Musik: Egon Riedel • Siggi Mueller
Schnitt: Stefan Essl


Bilder: Warner Bros.

1 customer review

befriedigend
25.02.16
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