Der Tag, an dem die Erde stillstand

Kinoplakat Der Tag an dem die Erde stillstand

Den Tag des Jüngsten Gerichts haben Christen wahrscheinlich anders vor Augen. Doch indirekt ist er gekommen und die Menschheit muss Rechenschaft ablegen.

Es beginnt ohne Vorwarnung. Eines Abends wird die Wissenschaftlerin Helen (Jennifer Connelly) von einem Empfangskomitee der besonderen Art überrumpelt. Männer in Anzügen bitten sie unmissverständlich ihnen zu folgen, ohne Gründe zu nennen. Man eskortiert Helen mit Blaulicht zu einem Flughafen. Von dort aus fliegen sie und weitere Wissenschaftler zu einem geheimen Stützpunkt. Erst dort erfahren sie, dass ein bislang nicht identifizierbares Flugobjekt auf New York zurast und in weniger als 90 Minuten im Stadtteil Manhattan einschlagen wird. Ein Abschuss ist unmöglich.
Die Todesängste schlagen in Erstaunen um, als das Flugobjekt seine Geschwindigkeit jäh ändert und zielgenau in einem Park landet. Aus der kugelförmigen Sphäre tritt eine außerirdische Lebensform, die von den anwesenden Soldaten angeschossen wird. Ihr folgt ein gigantischer Roboter, der nach wenigen Augenblicken zum Gegenangriff übergeht. Aber danach wieder stillsteht. Die Fronten scheinen zunächst geklärt - doch was soll das Ganze?

Während einer Notoperation schält sich aus dem Körper der außerirdischen Lebensform ein menschliches Wesen, das eine rasante Entwicklung an den Tag legt und nach einigen Stunden bereits zu sprechen beginnt. Es behauptet der Vertreter einer Allianz zu sein und verlangt, vor den Anführern der Menschen zu sprechen. Doch die sind, vertreten durch Madam Secretary (Kathy Bates), zu keinen Verhandlungen bereit. Klaatu, so der Name des Außerirdischen, soll verhört und der Roboter vernichtet werden. Aber die Rechnung geht nicht auf, denn beide sind unbezwingbar. Während die Regierung an dem Konfrontationskurs festhält, versucht Helen die Hintergründe aufzudecken. Und die sind so erschreckend wie einfach.

Kritik

Die Ausgangslage des Films ist spannend. Was würde geschehen, wenn eine fremde Macht über die Menschen richtet? Wer hätte das Recht dazu? Ein anderer als Gott? Wie wäre es zu beweisen, dass wir es verdienen weiterzuleben? Leider weiß der Film auf diese spannenden Fragen keine befriedigenden Antworten. Der Abgesandte Klaatu tauscht mit einem weiteren Außerirdischen, der seit 70 Jahren unter den Menschen lebt und sie beobachtet, einige Phrasen aus. Des Weiteren erfährt er, wie die Amerikaner auf ihn reagieren (mit Waffengewalt und noch mehr Waffengewalt) und beobachtet die Wissenschaftlerin Helen beziehungsweise das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Stiefsohn. Ein weiteres ausschlaggebendes Gespräch, das zwischen einem Wissenschaftler und ihm stattfindet, wird nach der Einführung ausgeblendet, und kann deshalb nicht beurteilt werden.
So bleibt dem Zuschauer hauptsächlich das, was die Wissenschaftlerin Helen bietet. Und das ist kaum dazu angetan die Menschheit zu retten. Helen müsste zwar Todesängste ausstehen, zwischen Muttergefühlen und Loyalität hin- und hergerissen sein, aber sie bleibt zu kühl für eine derartige Extremsituation.
Was im schwachen Drehbuch begründet liegt wie auch in der Verantwortung der Schauspielerin. Die zweite Hauptrolle ist mit Keanu Reeves ebenfalls nicht oscarreif besetzt. Es passt zwar zur Rolle, dass Reeves als Außerirdischer nur einen Gesichtsausdruck zeigt, aber für einen Film sind zwei schwache Hauptrollen abträglich. Zumal ihr Zusammenspiel wenig Spannung erzeugt und das Drehbuch auch Reeves Rolle unglaubwürdig anlegt. So ist die Wendung, in der er plötzlich seine Meinung über die Menschen ins Gegenteil verkehrt, nicht nachvollziehbar. Schwache Leistungen zeigen auch die Nebenrollen. So etwa Kathy Bates als Madame Secretary. Sie spielt eine Frau, die ihre eigenen Gefühle mit der Loyalität dem Präsidenten gegenüber vereinbaren muss und hätte viel mehr zeigen können. Kurz gesagt: Insgesamt fesselt die Handlung nicht. Seltsam daran ist weiterhin, dass einige Stellen statt emotional oder spannend zu sein albern sind.

Ärgerlich sind die verwendeten Klischees wie der schnauzbärtige Armeekommandant und der weise Asiate. Nervig ist die eingebaute Schleichwerbung. Wenn vor dem Hantieren auf dem Computertisch ein bekanntes Logo in Murmelform erscheint, das Treffen der Abgesandten in einem bekannten Schnellrestaurant stattfindet, dessen Logo unübersehbar ist und dessen Name ausgesprochen wird oder das Handy vor dem Wegstecken in Großaufnahme gezeigt wird, damit jeder Zuschauer die Marke erkennt.

Wer Effekte erwartet, die mindestens erstaunen lassen, der wird von dem lauen Lüftchen der Special Effects enttäuscht sein. Hubschrauberabstürze, Laserstrahlen und ein Insektenschwarm, der alles frisst, gehen nicht über den derzeitigen Kinofilm-Standard hinaus.

Fazit
"Der Tag, an dem die Erde stillstand" hätte ein Treffer zur richtigen Zeit werden können, denn momentan sind die Menschen für Themen wie Umweltschutz und Umweltzerstörung sensibilisiert. Einige Aspekte, etwa die Gesichtslosigkeit der amerikanischen Staatsmacht gefallen. Der verschanzte, amerikanische Präsident ist nie zu sehen und schickt seine Sekretärin vor. Vielleicht wollte man aber auch nur niemanden beim Namen nennen, denn der Präsident ist ein uneinsichtiger Kriegstreiber. Aber das ideenlose, politisch überkorrekte Drehbuch, spannungsarme Darsteller und das Aussparen von Effekten ergeben keinen Reißer.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: The Day the Earth stood still
Land: USA
Jahr: 2008
Laufzeit ca.: 103
Genre: DramaScience-Fiction
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 11.12.2008
Heimkino: 08.05.2009

Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: David Scarpa

Schauspieler: Keanu Reeves (Klaatu) • Jennifer Connelly (Helen Benson) • Kathy Bates (Regina Jackson) • Jaden Smith (Jacob Benson) • John Cleese (Professor Barnhardt) • Jon Hamm (Michael Granier) • Kyle Chandler (John Driscoll) • Robert Knepper (Colonel) • James Hong (Mr. Wu) • John Rothman (Dr. Myron) • Sunita Prasad (Rouhani) • Juan Riedinger (William Kwan)

Produktion: Paul Harris Boardman • Gregory Goodman • Erwin Stoff
Szenenbild: David Brisbin
Kostümbild: Tish Monaghan
Maskenbild: Norma Hill-Patton
Kamera: David Tattersall
Musik: Tyler Bates
Schnitt: Wayne Wahrman


Bild: 20th Century Fox

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ausreichend
11.12.08
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