Sophie Scholl - Die letzten Tage

Kinoplakat Sophie Scholl Die letzten Tage

Hans und Sophie Scholl gelten als Inbegriff für deutschen Widerstand im Dritten Reich. Der sehenswerte Film rollt die letzten Tage im Leben der jungen Frau auf.

Die Namen Hans und Sophie Scholl sind untrennbar verbunden mit der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Wegen des Auslegens von Flugblättern in der Münchner Universität wurden sie im Februar 1943 verhaftet und starben sechs Tage später unter dem Fallbeil.

Im Film legt Regisseur Marc Rothemund das Gewicht auf das Seelenleben der Protagonistin. Bravourös verkörpert Julia Jentsch die junge Frau, die zunächst gar nicht heldenhaft auftritt. Ihre Interessen sind mit verbotener Musik und Treffen im Freundeskreis nicht ungewöhnlich. Den Umschwung bringt die Verhaftung und das anschließende Verhör. Zunächst gelingt es ihr, dem Vernehmungsbeamten Robert Mohr (Alexander Held) für die belastenden Indizien plausible Erklärungen zu liefern. Doch dann geschieht das Unerwartete. Hans Scholl (Fabian Hinrichs) hat gestanden. Für Sophie zieht sich die Schlinge zu. Trotzdem schlägt sie eine goldene Brücke aus, die die Gestapo ihr baut. Eine derartig intelligente, starke Frau hätte man gerne in den eigenen Reihen, doch die zieht es vor, für ihre Überzeugung zu sterben.

Kritik

Der gewählte Ausschnitt behandelt nur wenige Tage und fällt dadurch sehr dicht aus. Insbesondere während der Verhöre treten die Schauspieler Julia Jentsch und Alexander Held sehr stark auf. Auf der einen Seite die überzeugte Kämpferin und ihr gegenüber ein Mann, der nur halbherzig mit dem System mitzieht. Dabei erbrachte die Darstellerin nicht nur in filmischer Hinsicht eine Leistung. Parallel zu den Dreharbeiten, die tagsüber stattfanden, trat sie abends in den Münchner Kammerspielen auf. Ähnliches leistete Fabian Hinrichs, der während der Dreharbeiten zwischen München und Berlin pendelte. Neben der sehr kraftvollen Julia Jentsch wirkt er als Hans Scholl etwas unscheinbar. Wirklich misslungen ist André Hennickes Auftritt als Blutrichter Roland Freisler. Sein Spiel stellt die Filmfigur an den Rand der Karikatur. Der Rest der Gerichtsszene verliert sich im Anspruch, das System bloßzustellen. Eigenartig auch der Auftritt der Eltern Scholl, die es für gutheißen, dass ihre Kinder für die Überzeugung sterben. Auf der Habenseite wiederum punktet der Film mit einer klaren Aussage und Stellungnahme.

Die Produktion setzt insgesamt weniger auf Kompatibilität als auf Anspruch, was ihren Erfolg aufs Programmkino beschränken kann. Ein gutes Omen sollte die Berlinale darstellen, die den Film mit zwei Silbernen Bären prämierte: Julia Jentsch als beste Schauspielerin und Marc Rothermund als bester Regisseur.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: Deutschland
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 116
Genre: BiografieDramaHistorie
Verleih: X Verleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 24.02.2005
Heimkino: 23.09.2005

Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Schauspieler: Julia Jentsch (Sophie Scholl) • Alexander Held (Robert Mohr) • Fabian Hinrichs (Hans Scholl) • Johanna Gastdorf (Else Gebel) • André Hennicke (Roland Freisler) • Florian Stetter (Christoph Probst) • Maximilian Brückner (Willi Graf) • Johannes Suhm (Alexander Schmorell) • Lilli Jung (Gisela Schertling) • Klaus Händl (Lohner) • Petra Kelling (Magdalena Scholl) • Jörg Hube (Robert Scholl) • Franz Staber (Werner Scholl)

Produktion: Fred Breinersdorfer • Sven Burgemeister • Marc Rothemund
Szenenbild: Jana Karen-Brey
Kostümbild: Natascha Curtius-Noss
Maskenbild: Gregor Eckstein
Kamera: Martin Langer
Musik: Reinhold Heil • Johnny Klimek
Schnitt: Hans Funck


Bild: X Verleih

1 customer review

gut
24.02.05
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.