Stage Beauty

Kinoplakat Stage Beauty

Ende des 17. Jahrhunderts verkörpern in England Schauspieler auf der Bühne ganz selbstverständlich auch die Frauenrollen. Bis der gefeierte Frauen-Imitator Edward Kynaston den Zorn des Adels auf sich zieht und ungewollt Frauen den Weg auf die Bretter ebnet. Dem jähen Ende seiner Karriere folgen dennoch weitere Triumphe, die er der Liebe seiner Garderobiere verdankt.

Edward Kynaston ist (Billy Crudrup) ein beliebter Bühnenstar. Insbesondere seine Verkörperung der Desdemona hat es dem Publikum angetan. Somit scheint es nur recht und billig, dass er seine Verehrerinnen ebenfalls als Frau empfängt. Seine Männlichkeit stellt er bei einer anschließenden Kutschfahrt dann dennoch unter Beweis. In seiner Abwesenheit hat sich seine treue Garderobiere Maria (Claire Danes) Kostüm und Perücke des Meisters geliehen und gibt in einer Spelunke eine ebenfalls gefeierte Darbietung der Desdemona. Das ist zwar verboten, weil nur Männer im Theater auftreten dürfen, aber die Untergrundszene erfreut sich einer gewissen Beliebtheit, was ein Chronist notiert.

Der überhebliche Edward bringt sich um Kopf und Kragen, als er es sich mit der Mätresse des Königs verscherzt. Das zieht ein neues Gesetz nach sich, laut dem Frauen ab sofort Theaterspielen dürfen. Der ausschließlich auf Frauenrollen abonnierte Edward ist von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Schlimmer noch, an seine Stelle tritt Maria, deren adeligen Gönner sich Edward ebenfalls zum Feind machte.
Nur Marias Liebe ist es zu verdanken, dass er noch eine letzte Chance erhält. Doch das Vorsprechen, dass der König höchstpersönlich abnimmt, gerät zur Farce. Da der Mime von Kindesbeinen an darauf getrimmt ist, Frauenrollen zu spielen, blamiert er sich bei dem Versuch, auf der Bühne einen Mann zu verkörpern. Er weiß nun auch privat nicht mehr, wo er eigentlich steht. Selbst Marias Nachhilfe-Unterricht beim Sex schlägt fehl. Erst als der ehemalige Star der Newcomerin Schauspielunterricht gibt, erkennt er selbst, bislang nicht gespielt, sondern nur Posen vorgebracht zu haben, die Maria nachahmte. Nach dieser Erkenntnis sind beide in der Lage, wirklich zu schauspielern und ihr erster gemeinsamer Auftritt wird ein Triumph.

Kritik

Die Idee neuzeitliche Probleme als altes Kostümdrama zu präsentieren funktioniert nur bedingt und bringt Sand ins Getriebe. Im Vordergrund der Handlung steht die Identitätssuche des Hauptdarstellers, der nicht weiß, ob er Mann oder Frau beziehungsweise hetero-, homo- oder bisexuell ist. Weshalb die Festlegung der Sexualität ein Problem sein soll, bleibt unklar, denn er wird im Film von Frauen ebenso begehrt wie von Männern und bekommt vom Adel eindeutige Offerten von beiden Geschlechtern. Außer Edward schert sich kaum jemand um die Frage nach dem korrekten Sexpartner. Deshalb scheint das ganze Aufheben, das heutzutage um sexuelle Identitäten veranstaltet wird, irgendwie ins Drehbuch gerutscht zu sein und dementsprechend unstimmig. Hinzu kommt der Eindruck, dass Billy Cdurdup in seiner Hauptrolle mehr Facetten bieten könnte. Weiterhin fällt auf, dass in der englischen Fassung die Dialoge sehr derb ausfallen und Dinge offen beim Namen nennen.
Glaubwürdiger gelingt die Findung als Schauspieler. Dass hierbei ausgerechnet die Garderobiere dem angehimmelten Star hilft und die Zwei am Ende ein Liebespaar werden, ist ein beliebtes Klischee, aber letztlich nicht nachvollziehbar, denn es bleibt unklar, was die Zwei eigentlich aneinander finden.

Fazit
Im Ergebnis gelingt es der Handlung von "Stage Beauty" leider nicht, in entscheidenden Punkten wirklich mitzureißen. Nicht zuletzt bleibt Claire Danes als zweite Hauptrolle zu blass. Klar punkten kann der Film hinsichtlich Geschichtstreue, Ausstattung und Kostümen. Die Geschichte des Edward Kynaston fußt in den Eckdaten auf dem Bericht eines Zeitzeugen. Ebenfalls stimmig die Tatsache, dass Männer zur damaligen Zeit auch die Frauenrollen spielten. "Stage Beauty" ist Zuschauern zu empfehlen, die ein optisch schönes Kostümdrama schätzen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: DeutschlandGroßbritannien
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 110
Genre: DramaHistorieKostümLGBT
Verleih: Senator Film Verleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 29.09.2005
Heimkino: 29.01.2007

Regie: Richard Eyre
Drehbuch: Jeffrey Hatcher

Schauspieler: Billy Crudup (Ned Kynaston), Claire Danes (Maria), Rupert Everett (King Charles II), Tom Wilkinson (Betterton), Ben Chaplin (George Villiars), Hugh Bonneville (Samuel Pepys), Hoe Tapper (Nell Gwyn), Edward Fox (Hyde), Richard Griffiths (Sir Charles Sedley) Alice Eve (Miss Frayne) • Fenella Woolgar (Lady Meresvale)

Produktion: Robert De Niro • Hardy Justice • Jane Rosenthal
Szenenbild: Jim Clay
Kostümbild: Tim Hatley
Maskenbild: Beverley Binda • Jayne Buxton • Karen Cohen • Julie Dartnell • Helen Johnson
Kamera: Andrew Dunn
Musik: George Fenton
Schnitt: Tariq Anwar


Bild: Senator Film Verleih

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