Dame König As Spion

Kinoplakat Dame König As Spion

Spione, so hat uns das Kino gelehrt, sind Männer, die die Gefahr genauso lieben wie schöne Frauen. Ihre Welt ist die der Reichen und Schönen. Dem Feind sehen sie, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Auge und eine zünftige Prügelei wird nie verschmäht. Der Film "Dame, König, As, Spion" zeigt das Leben der Geheimdienstler aus der entgegengesetzten Perspektive: Graue Eminenzen spielen ein Schachspiel mit menschlichen Figuren.

Control (John Hurt) und George Smiley (Gary Oldman) wird die Schuld an einem verpatzten Einsatz in Ungarn angelastet und beide in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Doch bald darauf holt man Smiley zurück, denn mittlerweile ist es unübersehbar, dass es in den Kreisen des MI6 einen Maulwurf gibt. Einer von fünf Männern (Smiley inbegriffen) ist der Verräter. Der alte Hase beginnt zu ermitteln, wobei er nur wenig Unterstützung erfährt. Mit schier unendlicher Geduld trägt er Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen zusammen und überführt am Ende den Maulwurf.

Kritik

Der Film spielt in der Zeit des Kalten Krieges, während einer Zeit hochexplosiver Stimmung, in welcher der dritte Weltkrieg jederzeit hätte ausbrechen können. Eine politisch unkluge Handlung oder ein Patzer der Geheimdienste hätten ausgereicht. Der Film erwähnt diesen Umstand erstaunlich beiläufig. Auch sonst hat er die Ruhe weg. Selbst dramatische Szenen werden mit ruhigen Kameraeinstellungen und Kunstpausen in Szene gesetzt. Diese Art der Inszenierung entspricht der Art und Weise wie Filme in den 70. Jahren gedreht wurden. Doch im Jahr 2012 legt der Film ein geradezu quälendes Tempo an den Tag.

Dementsprechend haben die Darsteller nichts von den aufgeregten Spionen, die wir von der Leinwand kennen. Sie stellen zwar mal den Sekretärinnen nach, haben Sex oder langweilen sich auf Betriebsfeiern. Doch überwiegend erinnern sie mich an Buchhalter und manche Szene ist ähnlich spannend wie einem beim Rechnen über die Schulter zu schauen. Da wiederholen sich die Zwiegespräche in denen Tiefen ausgelotet werden. Es wird analysiert und recherchiert und in der Vergangenheit gestochert. Da deuten Blicke und Fotos an, was als Unaussprechlich gilt.

Auch von den exotischen Orten, die 007 stets bereist, fehlt jede Spur. Ein ungarisches Straßencafé steht hier für fremde Länder und verdeutlicht, dass es nicht um Effekte geht, sondern um das, was hinter den Kulissen spielt. Verbunden mit der Aufklärung des Falls sind betriebsinterne Intrigen und Meinungsverschiedenheiten. Damit begründet der Film die auffällig vielen Innenaufnahmen, die ihm einen Hauch Kammerspiel verleihen. Andererseits haben die wenigen Außenaufnahmen auch das Budget geschont. Ein weiteres Stilmittel ist die Farbverfälschung der Bilder: Über allem entweder eine bleigraue Schwere oder ein tabakbrauner Farbstich. Fast als hätte sich das Nikotin der kettenrauchenden Darsteller auf dem Filmnegativ abgesetzt.

Die Auflistung bekannter Namen macht sich auf dem Kinoplakat gut. Und auch im Film leistet sich niemand eine Schwäche. Garry Oldman etwa verkörpert den emotionsarmen Analytiker mit Bravour. Schade nur, dass sich außer Gary Oldman und Benedict Cumberbatch kaum ein Darsteller entfalten darf und Schauspieler wie John Hurt und Ciarán Hinds in ihren Nebenrollen verschwendet wirken.

Fazit
Ich will nicht abstreiten, dass dieser Film dem realen Leben von Spionen wahrscheinlich näher kommt, als "James Bond". Vom eigenwilligen Soundtrack, über technische Geräte und Autos bis hin zur Pfefferminzbonbonrolle macht alles einen stilsicheren Eindruck und die handwerklichen Aspekte sind ausgesprochen solide. Das Erzähltempo ist der Zeit der Handlung angepasst und es kostet Durchhaltevermögen, der Geschichte bis zum Ende zu folgen. Des Weiteren steht die Frage im Raum, ob der Film nicht besser in die Siebziger Jahre passte als ins Jahr 2012? Davon abgesehen schwingt sich "Dame König As Spion" nicht zu Kinogröße auf und wäre als TV-Zweiteiler vielleicht die glücklichere Wahl.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Tinker, Tailor, Soldier, Spy
Land: DeutschlandFrankreichGroßbritannien
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 127
Genre: DramaKrimi
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 02.02.2012
Heimkino: 09.08.2012

Regie: Tomas Alfredson
Drehbuch: Bridget O'Connor • Peter Straughan
Literaturvorlage: John le Carré

Schauspieler: Gary Oldman (George Smiley) • Colin Firth (Bill Haydon) • Tom Hardy (Ricki Tarr) • John Hurt (Control) • Toby Jones (Percy Alleline) • Mark Strong (Jim Prideaux) • Benedict Cumberbatch (Peter Guillam) • Ciarán Hinds (Roy Bland) • David Dencik (Toby Esterhase) • Philip Martin Brown (Tufty Thesinger) • Kathy Burke (Connie Sachs) • Laura Carmichael (Sal) • Oleg Dzhabrailov (Sergei) • Amanda Fairbank-Hynes (Belinda) • Stephen Graham (Jerry Westerby) • Konstantin Khabenskiy (Polyakov) • Svetlana Khodchenkova (Irina) • Jamie Thomas King (Kaspar) • Tomasz Kowalski (Boris) • Roger Lloyd Pack (Mendel) • Sarah Linda (Miss Robinson) • Simon McBurney (Oliver Lacon) • Christian McKay (Mackelvore) • Katrina Vasilieva (Ann Smiley)

Produktion: Tim Bevan • Eric Fellner • Robyn Slovo
Szenenbild: Maria Djurkovic
Kostümbild: Jacqueline Durran
Maskenbild: Donald McInnes
Kamera: Hoyte van Hoytema
Musik: Alberto Iglesias
Schnitt: Dino Jonsäter


Bilder: Studiocanal

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