Grossstadtklein

Kinoplakat Grossstadtklein

Familie ist, womit man leben muss. Manchmal schön, manchmal ganz schön anstrengend. Und die heile Welt gibt es nur auf dem Land. Oder etwa doch nicht? Gar nicht so einfach, sich zu orientieren, wenn man plötzlich alle verrückt spielen. Doch so ist Familie nun einmal.

Ole (Jacob Matschenz) kommt vons Land. Irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern geboren und aufgewachsen. Die Lehre läuft momentan nicht so gut und Ole verbringt seine Tage mit den besten Kumpels (Kostja Ullmann, Pit Bukowski). Doch dann kommen Opa und Mama auf die Idee, dass Ole es mal in der Stadt versuchen soll. Mit einem Praktikumsplatz bei einem Kalenderverlag. Und wohnen kann Ole ja bei seinem Cousin Rokko (Klaas Heufer-Umlauf).
Das klingt in der Idee besser als in der Praxis. Rokko kann nicht so recht auf Ole und lässt ihn das deutlich spüren. Der eckt außerdem in der Firma an und verguckt sich in die gerissene Fritzi (Jytte-Merle Böhrnsen), die eine Nummer zu groß für ihn ist. Um das Maß vollzumachen, stirbt Opa und zwingt die zerstrittene Familie wieder zusammen. Und nun kocht ein alter Familienstreit der Väter wieder auf.

Kritik

Der Film "Grossstadtklein" ist der erste Langfilm von Tobias Wiemann, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb. Bei seinem ersten Langfilm gleich die Positionen des Drehbuchautors und des Regisseurs zu übernehmen ist mutig - und leider nicht die beste Entscheidung, weil die Schwächen des Drehbuchs von der Regie nicht aufgewogen werden und umgekehrt. Das soll jetzt nicht heißen, dass der Film misslungen ist. Insgesamt ist er stimmig und gefällt mir und hat dabei deutliche Schwächen.
Das beginnt bei der Besetzung. Die Jugendlichen und Heranwachsenden sind im Film geschätzt zwischen 16 und 20 Jahren alt. Werden von Darstellern gespielt, die Ende 20 sind - und damit für die Rollen zu sind und auch zu alt aussehen. Hinzu kommen dramaturgische Schwächen des Drehbuchs. So vergisst der Film zu erzählen, weshalb aus der Begegnung der Cousins eine Freundschaft wird. Gestern noch Streithähne, heute Freunde. Ebenso reißt er Rokkos Geschichte nur an ohne sie zu erzählen. Später verliert der Film Fokus und Schwerpunkt. Zu Anfang ist eine Geschichte über Stadtleben und Landleben. Dann wird daraus die Geschichte der ersten Liebe, die in die Erzählung eines Familienstreits mündet und anschließend die Schwierigkeiten von Nähe und Distanz in einer Beziehung zum Thema macht. So recht weiß ich dann nicht mehr, was der Film eigentlich erzählen möchte? Außerdem werden die einzelnen Charaktere nur angerissen und nicht vertieft.

Das ist eine Menge Kritik. Nun zu den Stärken des Films, die bei der Auswahl der sympathischen Darsteller beginnen. Auch wenn sie zu alt für die Rollen sind, schaue ich ihnen gerne beim Spielen zu. Weiterhin gefällt mir der (teils absurde) Humor. Im Gedächtnis geblieben ist mir die Szene, in der einem fiesen Jungen der Geburtstag vermasselt wird. Diese Szene ist aufgrund des politisch unkorrekten Humors sehr witzig. Und auch auf die Möglichkeit Städter oder Landeier vorzuführen, wird verzichtet. Am Schluss gibt es auf beiden Seiten Für und Wider; der Film ergreift für keine Seite Partei. Und wenn ich über die genannten Schwächen hinwegsehe, ist der Film stimmig angelegt.

Fazit
An "Grossstadtklein" beweist sich das Sprichwort, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Tobias Wiemann ist mit dem Erstling nicht der ganz runde Film gelungen - aber das kann noch werden.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: Deutschland
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 97
Genre: Komödie
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 15.08.2013
Heimkino: 24.01.2014

Regie: Tobias Wiemann
Drehbuch: Tobias Wiemann

Schauspieler: Jacob Matschenz (Ole) • Jytte-Merle Böhrnsen (Fritzi) • Klaas Heufer-Umlauf (Rokko) • Kostja Ullmann (Ronny) • Pit Bukowski (Marcel) • Tobias Moretti (Onkel Manni) • Ulrike Krumbiegel (Susanne) • Markus Hering (Heinz) • Dorothea Walda (Oma Lotte) • Heinz W. Krückeberg (Opa Karl) • Karl Kranzkowski (Herr Traumbach) • Peter Weiss (Frank Traumbach) • Andreas Guenther (Fritzis Typ) • Niels-Bruno Schmidt (Pfarrer) • Hasan Ali Mete (Polizeibeamter) • Tim Wilde (Autobesitzer) • Gode Benedix (Tierarzt) • Kordula Kohlschmitt (Eby) • Juri Winkler (Elvis ) • Alexandra Pinzke (Kassiererin)

Produktion: Til Schweiger • Tom Zickler
Szenenbild: Karin Betzler
Kostümbild: Polly Matthies
Maskenbild: Charlotte Chang
Kamera: Martin Schlecht
Ton: Michael Junge • Ben Krüger
Musik: Dirk Reichardt • David Jürgens
Schnitt: Olivia Retzer


Bilder: Warner Bros.

1 customer review

befriedigend
15.08.13
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