(T)Raumschiff Surprise Periode 1

Kinoplakat Traumschiff Surprise Periode 1

Nach dem "Schuh des Manitu" waren die Erwartungen an den neuen Film von Michael Herbig hoch. Tja, ein Höhepunkt deutschen Kinoschaffens ist "(T)Raumschiff Surprise Periode 1" nicht. Unterhaltung auf dem Niveau von TV-Comedy.

Im Jahr 2304 führen die Kinder gegen die Eltern Krieg. Die Marsianer, ehemals Erdlinge, greifen die Erde an, unter der Führung des unfassbar bösen Regulators (Hans Michael Rehberg). Die Verteidigung des blauen Planeten ist aufgerieben, die Invasion nur noch eine Frage von Stunden. Der letzte Hoffnungsschimmer ist eine Zeitreise, welche die Besiedelung des Mars' rückgängig machte. Mangels echter Hoffnungsträger wird die Crew der Surprise beauftragt. Deren schwule Führungsspitze übt gerade für die bevorstehende Wahl der Miss Waikiki, als der Ruf sie erreicht.

Die Zeitmaschine, ein hässliches Sofa im Stil Eiche rustikal, bringt Käpt'n Kork (Christian Tramitz), Mr. Spuck (Michael Bully Herbig), Königin Metapha (Anja Kling) und Taxifahrer Rock (Til Schweiger) zunächst ins Mittelalter. Dort muss Rock gegen den schwarzen Ritter antreten, während Königin Metapha der Lüsternheit des widerwärtigen Herzogs William dem Letzten (Sky du Mont) widersteht. Die Flucht bringt die Helden wider Willen in den Wilden Westen, wo unter anderem ein Wiedersehen mit Figuren aus "Dem Schuh des Manitu" anstehen. Die dritte Zeitreise endet erfolgreich in der Wüste Nevada, wo es ein Alien unschädlich zu machen gilt, dessen Wissen später die Besiedlung des Mars ermöglichte.

Kritik

Wie bei anderen Sience-Fiction-Parodien auch sind Ähnlichkeiten mit den Vorbildern gewollt. Leider fehlt "(T)Raumschiff Surprise Periode 1" die Konsequenz. Themen werden nur für wenige Augenblicke aufgegriffen. Ebenso erfolgt ihre Verulkung nur halbherzig. Der Regulator etwa ist ein Bösewicht mit einer Brille aus Glasbausteinen. Rick Kavanian als "Darth-Vader-Parodie versucht mit einer Kaninchen-Schnute, Asthma-Spray und Sachsen-Dialekt Komik zu verbreiten.
Die Zeichnung der restlichen Personen erfolgt ähnlich: Müde Klischees anstelle von Rollen oder Spitzfindigkeit. Die Charakterisierung der Führungsetage des Raumschiffs Surprise ist mit "schwul" abgeschlossen. Mr. Spuck und Käpt'n Kork zanken den gesamten Film über wie ein altes Ehepaar. Nur leider ist die daraus resultierende Komik nach wenigen Minuten erschöpft und der Verzicht auf die Entwicklung von Charakteren entpuppt sich als Fehler.

Ähnliches gilt für die Hintergrundgeschichte, die keinen Sinn ergibt und nur so weit existiert, dass sie eine Aneinanderreihung von Sketchen ermöglicht. Im Gegensatz zum "Schuh des Manitu" überträgt man Fernsehen 1:1 ins Kino. Das Autorenteam Bully Herbig, Alfons Biedermann und Rick Kavanian setzt auf Wortspiele und Situationskomik. Allerdings fallen die Dialoge weder geschliffen noch hintergründig oder geistreich aus. Königin Metapha fordert beispielsweise, den "Sand nicht in den Kopf zu stecken". Ein anderer lautet sinngemäß:
"Haben wir noch Kreuze?"
"Nein, wir nicht. Aber Andrea hat noch Kreuze."
"Na, dann nehmen wir doch Andreaskreuze!"
Humor dieser Couleur solltest du zum Brüllen komisch finden, alldieweil der gesamte Film nach diesem Strickmuster vollends auf Klamotte setzt. Das ist eine unglückliche Idee wie auch der Versuch, jede Kameraeinstellung auf Biegen und Brechen witzig werden zu lassen. Selbst das erhöhte Tempo kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film Magerkost ist.

Bei aller Kritik gibt es auch Lichtblicke. Schön gefällt die Realsatire, die Til Schweiger abspricht ein Schauspieler zu sein. Die Vernichtung des niedlichen Aliens ist zwar fies, aber wirklich köstlich. Kleine Details wie die Prilblume auf Käpt'n Korks Handtasche springen ins Auge. Nicht zuletzt können die Spezialeffekte der Weltraumschlachten mit anderen Produktionen aus Übersee durchaus mithalten.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 106
Genre: KomödieScience-Fiction
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 22.07.2004
Heimkino: 17.01.2005

Regie: Michael Herbig
Drehbuch: Michael Herbig • Alfons Biedermann • Rick Kavanian

Schauspieler: Michael Herbig (Spuck / Abahachi / H2O2 / Winnetouch) • Rick Kavanian (Jens Maul / Schrotty / Pulle) • Christian Tramitz (Käpt'n Kork) • Anja Kling (Königin Metapha) • Til Schweiger (Rock) • Sky du Mont (William der Letzte / Santa Maria) • Hans-Michael Rehberg (Regulator Rogul) • Hans Peter Hallwachs (Konsul Kanon) • Reiner Schöne (Senator Bean) • Christoph Maria Herbst (Berater von William) • Siegfried Terpoorten (Jim) • Tim Wilde (John)

Produktion: Michael Herbig
Szenenbild: Claus Kottmann
Kostümbild: Anke Winckler
Maskenbild: Georg Korpas
Kamera: Stephan Schuh
Musik: Ralf Wengenmayr
Schnitt: Alexander Dittner


Bild: Constantin Film

1 customer review

ausreichend
22.07.04
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