Hui Buh - Das Schlossgespenst

Kinoplakat Hui Buh Das Schlossgespenst

Nach mehr als 20 Millionen verkauften Büchern und Tonträgern, war es nur eine Frage der Zeit, bis "Hui Buh" seinen Weg auf die Leinwand finden wird. Das Zugpferd des Films ist eindeutig Michael Herbig, der nur kurz als reale Person auftritt und dann dem animierten Gespenst eine Stimme leiht. Insgesamt eine solide Produktion, die vor allem Kinder ins Kino locken soll.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1399. In einer finsteren Nacht wird im noch finstereren Schloss Burgeck Karten gespielt. Offensichtlich ist der begriffsstutzige Ritter Balduin dabei den letzten Heller zu verlieren. Doch dann, als es um alles oder nichts geht, gewinnt er Schloss Burgeck. Dumm nur, dass er falsch spielt und seine Mitspieler mehr als sauer sind. Doch das Beste kommt erst noch. Als sich Balduin dumm herausreden will, trifft ihn zur Strafe der Blitz. Fortan muss er als "Hui Buh" durch das Schloss spuken.

500 Jahre später trifft auf Schloss Burgeck ein seltener Gast ein. Es ist König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst). Der will das alte Gemäuer nutzen, um seiner Verlobten der Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch) einen Heiratsantrag zu machen. Von einem Gespenst ahnt der Regent nichts und Hui Buh ist darüber ziemlich sauer. Deshalb sabotiert er den Empfang und stellt Julius vor seinen Gästen bloß. Doch es kommt noch schlimmer. Als der König seine Diener zahlen will, stellt er fest, dass die Schatzkammer bis auf das letzte Goldstück leergeräumt ist. Stehenden Fußes verlässt ihn die Dienerschaft, selbst der Adjutant Charles (Rick Kavanian) lässt ihn im Stich. In seiner Wut gibt Julius der 111. Hui Buh die Alleinschuld an dem Schlamassel und verbrennt dessen Spuklizenz. Sofort taucht daraufhin der fürchterliche Daalor auf. Er teilt Hui Buh mit, dass der innerhalb von zwei Tagen die Gespensterprüfung wiederholen muss. Sollte er die nicht bestehen, kommt er in die Seelensuppe. In seiner Not findet das Gespenst einen Freund. Ausgerechnet Julius will ihm helfen, die Gespensterprüfung zu bestehen, denn nur Hui Buh kann den sagenhaften Geisterschatz heben, der tief im Innern der Burg versteckt ist. Doch so einfach die Abmachung klingt ... Es tauchen ungeahnte Hindernisse auf und wieder spielt jemand falsch.

Kritik

Als Kinder liebten wir die Hörspiele von Hui Buh dem ungeschickten Gespenst und König Julius. Deshalb war ich sehr gespannt auf die Verfilmung. Kurz gesagt "Hui Buh - Das Schlossgespenst" ist nicht wirklich rund und nicht wirklich schlecht. Es sind viele Kleinigkeiten, die etwas besser sein könnten, oder nicht ganz zusammenpassen wollen. So scheint der Großteil des Budgets für die Animation des Gespenstes verbraucht worden zu sein, denn fast die gesamte Spielfilmlänge bestehen die restlichen Spezialeffekte darin, dass Gegenstände wie von Geisterhand von der Wand fallen, oder angeblich leere Ritterrüstungen herumlaufen und kämpfen. Im Jahr 2006 und angesichts der starken Konkurrenz aus Amerika, die in Kinder- und Familienfilme investiert, wirken diese Effekte schwach. Die Kostüme reichen nicht für einen Kostümfilm und wirken nicht wie aus einem Guss. Zum einen sind sie zu einfach gestaltet, zum anderen mischen sich Stile der Jahre 1899 bis heute. Der König trägt gerne mal eine moderne Lederjacke, während neben ihm die Zofe im geschnürten Leinengewand auftritt.
Unstimmig auch die zeitliche Einordnung der Personen. Christoph Maria Herbst und Heike Makatsch strahlen nichts Adeliges aus, sondern wirken wie Menschen des 21. Jahrhunderts in einer Burg. Während Ellenie Salvo Gonzalez als Zofe wiederum eine Erscheinung aus dem späten 19. Jahrhundert darstellt. So fragte ich mich, ob die Handlung eigentlich 1899 oder 2006 spielen soll? Eindeutig ist es in dem Moment, in dem Polizisten mit Pickelhauben auf dem Kopf auftreten.

Auch der Erzählung fehlt die klare Richtung. Weder ist es eine reine "Bully"-Komödie geworden, noch eine reinrassige Spukgeschichte, oder Schatzsuche. Vielmehr werden viele bekannte und bewährte Situationen nachgespielt und neu zusammengefügt. Das Problem daran, der Spannungsbogen fällt mit Fortschreiten der Handlung zunehmend ab. Ähnliches gilt für die Schauspieler: Sie schlagen sich tapfer, ohne Glanzleistungen zu bieten. Hans Clarin spielte seine letzte Filmrolle und starb kurz nach Beendigung der Dreharbeiten. Heike Makatsch gibt das Luder ohne Tadel, doch auch ohne etwas Besonders zu bieten. Christoph Maria Herbst stellt einen sehr blassen, unscheinbaren König dar, der sich in Szenen mit Rick Kavanian glatt an die Wand spielen lässt. Schade, denn der König sollte eigentlich die imposanteste Figur des Ganzen sein. Am meisten stört mich, dass "Hui Buh" nicht aussieht wie ein klassisches Gespenst (wie ein Skelett oder Knochenmann), sondern wie ein Pausenclown mit albernem Haarschnitt und Knollennase. Doch das ist eine Geschmacksfrage.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2005
Laufzeit ca.: 96
Genre: AbenteuerAnimationKomödie
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 20.07.2006
Heimkino: 14.12.2006

Regie: Sebastian Niemann
Drehbuch: Sebastian Niemann • Dirk Ahner
Literaturvorlage: Eberhard Alexander-Burgh

Schauspieler: Michael Herbig (Hui Buh / Ritter Balduin) • Christoph Maria Herbst (König Julius der 111) • Heike Makatsch (Leonora Gräfin zu Etepetete) • Ellenie Salvo González (Konstanzia) • Nick Brimble (Daalor) • Hans Clarin (Kastellan) • Rick Kavanian (Charles) • Martin Kurz (Tommy) • Wolfgang Völz (Major Servatius Sebaldus) • Christoph Hagen Dittmann (Dicker Geisterjäger) • Michael Kessler (Dünner Geisterjäger) • Karel Dobrý (Ritter Ottokar) • Karel Vávrovec (Dekorateur) • Mojmír Maderic (Kutscher) • Nicholas Hohmann (Polizist-Geist) • Ulrich Schwarz (Wikingergeist) • Miroslav Táborský (Polizist-Geist) • Oliver Pocher (Fahrstuhlansager-Geist) • Mac Steinmeier (Frankenstein-Geist) • Franziska Schlattner (Frankensteins Braut-Geist) • Blanka Jarosova (Die weiße Frau) • Ivan Mares (Mumien-Geist / Piraten-Geist) • Julius Novák (Mr. Hyde-Geist) • Siegfried Effenberger (Arbeiter-Geist) • Zdenek Stadtherr (Polizist-Geist) • Michal Grün (Polizist-Geist) • Jan Vosmik (Polizist-Geist) • Jan Loukota (Pelzmonster-Geist) • Milan Slepicka (Voodoo-Geist) • Ivan Furak (Dekorateur) • Michal Rovnák (Knappe Balduin)

Produktion: Christian Becker • Simon Happ • Anita Schneider
Szenenbild: Matthias Müsse
Kostümbild: Janne Birck
Maskenbild: Niciy Axt • Ivana Chlostova • Bobo Sobotka • Verena Weißert
Kamera: Gerhard Schirlo
Musik: Egon Riedel
Schnitt: Moune Barius


Bilder: Constantin Film

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