Was dein Herz dir sagt

Kinoplakat Was dein Herz dir sagt

Wenn das Ende absehbar ist, dann heißt es aufräumen, was noch anliegt. Suze möchte vor ihrem Tod unbedingt noch ihren zur Adoption freigegebenen Sohn sehen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Behörden legen ihr einen Stein nach dem anderen in den Weg. Doch Suze ist zu allem entschlossen!

Suze Trappet sagt es ungefähr so: Ich bin eine Friseurin. Zu viel Haarspray und zu viele Dauerwellen bringen mich um. Sie leidet unter einer Auto-Immun-Erkrankung und es bleibt ihr nur noch wenig Lebenszeit. Darum will sie ihren Sohn wiedersehen, den sie vor zwei Jahrzehnten zur Adoption freigegeben hat. Auf dem Amt hat sie Pech. Großes Pech, denn im Nachbarbüro des Sachbearbeiters versucht der glücklose Sonderling Jean-Baptiste Cuchas Selbstmord zu begehen. Er schießt jedoch durch die Wand und Suzes Sachbearbeiter nieder. Suze erkennt die Gunst der Stunde und entführt den ohnmächtigen Jean-Baptiste.

Fortan stolpern sie zu zweit oder zu dritt durch die unlustige Handlung der Tragikomödie. Der Dritte im Bunde ist der blinde Archivar Serge Blin. Über den heißt es, wir haben einen Blinden eingestellt, damit wir kein Licht einschalten müssen. Auf diesem Niveau siedeln die Witze des Films. Später steht der Blinde neben einem geparkten Auto, auf das ein Sehender auffährt. Der Sehende steigt aus und fragt den Blinden: Wie können sie in ihrem Zustand Autofahren? Weitere Aspekte, die nicht funktionieren: Unattraktive Sonderlinge mit Brille sind zwangsläufig lustig. Die Wiederholungen fallen auf und viele Szenen sind vorhersehbar.

Abgesehen vom Humor ist das Grundgerüst unstimmig. So lautet die Frage, warum Suze ihren Sohn jetzt sucht? Warum schließt sie während der Suche Freundschaft mit dem Nerd Jean-Baptiste und warum wird daraus Liebe?

Dass der programmierende Sonderling mit einem Laptop in jedes Netzwerk eindringen kann, macht im Jahr 2022 einen seltsamen Eindruck. Der Mann knackt alles: egal ob die Türverriegelung eines Autos oder die Datenbank einer Behörde. Fehlt nur der Witz, dass er sagt, ich komme da rein, ich bin ja der Dietrich.

Leider ist an der Komödie nicht nur der Humor unausgegoren. Immer wieder ziehen überflüssige Handlungsstränge den Film in die Länge. So erwacht der demente alte Arzt aus dem Dämmerzustand, verlässt das Heim und fährt nach Hause zu seiner Frau. Es folgt ein romantisches Wiedersehen und das Paar beschließt Sex zu haben.

Schwer zu ertragen ist der Redefluss. Da werden Metaphern vorgetragen und der Zuschauer wird mit Tiraden überschüttet. Allerdings kommen die Dialoge zu oft nicht auf den Punkt und werden nicht lustig. Abträglich ist das Stilelement, dass Worte oder Satzteile wiederholt werden. Da ruft der wiedergefundene Sohn ungefähr ein halbes Dutzend Mal den Aufzugs-Notdienst, ehe er eine Antwort bekommt. Die Polizisten fordern unablässig dazu auf, die Waffe fallen zu lassen. Das lässt enttäuscht den Eindruck aufkommen, dass die Komödie versucht Witz herbeizureden, den es nicht gibt.

Fazit
Hätte der Kritiker vor dem Fernseher gesessen, hätte umgeschaltet. So ist er bis zum bei "Bonnie und Clyde" ausgeborgten Ende im Saal sitzen geblieben. Und er stellt sich Fragen. Wann war diese Art von Humor populär? Waren es die 1970-er Jahre? Warum heißt der Film im Original nur "Adieu les cons" (Adieu, ihr Idioten). Warum hat der deutsche Verleih daraus gedichtet "Was dein Herz dir sagt"? Fehlt dazu nicht jeder Bezug?
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Alternativtitel: Was dein Herz dir sagt – Adieu ihr Idioten! • Adieu le Cons • Bye Bye Marons
Land: Frankreich
Jahr: 2020
Laufzeit ca.: 87
Genre: AbenteuerDramaKomödie
Verleih: Happy Entertainment
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 20.10.2022

Regie: Albert Dupontel
Drehbuch: Albert Dupontel • Marcia Romano • Xavier Nemo

Schauspieler: Virginie Efira (Suze Trappet) • Albert Dupontel (Jean-Baptiste Cuchas) • Nicolas Marié (Serge Blin) • Jackie Berroyer (Dr Lint) • Philippe Uchan (M. Kurtzman) • Bastien Ughetto (Adrien) • Marilou Aussilloux (Clara) • Michel Vuillermoz (Psychiater) • Laurent Stocker (M. Tuttle) • Kyan Khojandi (Arzt von Dr Lint) • Grégoire Ludig (Angestellter) • David Marsais (Angestellter)

Produktion: Catherine Bozorgan
Szenenbild: Carlos Conti
Kostümbild: Mimi Lempicka
Maskenbild: Balthazar • Mathieu Gueracague
Kamera: Alexis Kavyrchine
Ton: Jean Minondo • Gurwal Coïc-Gallas • Cyril Holtz
Musik: Christophe Julien
Schnitt: Christophe Pinel


Bild: Happy Entertainment

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19.10.22
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