X-Men: Erste Entscheidung

Kinoplakat X-Men: Erste Entscheidung

Launige Fortsetzung der Reihe: Als großen Rahmen bringt der Film Licht ins Dunkel bei bislang nicht erklärten Umständen. Wie kamen die ersten Mutanten zusammen? Wer erfand den Cerebro? Weshalb ist Charles Xavier querschnittgelähmt? Verkettet mit den persönlichen Schicksalen ist die Kubakrise.

Während des Kalten Krieges, der zwischen den USA und der UdSSR ausgetragen wurde, brachten die zwei Supermächte die Welt gefährlich nahe an einen dritten Weltkrieg, den man mit Atomwaffen auszutragen gedachte. In der Realität gelang es Politikern den Krieg abzuwenden, in "X-Men: Erste Entscheidung" sind es die Mutanten.

Sich als Teil der Gesellschaft wahrzunehmen und gleichzeitig nicht von ihr akzeptiert zu werden ist ein Gefühl, das viele von uns kennen. Manchmal sind es Äußerlichkeiten wie Kleidung oder der Haarschnitt die zum Ausschluss führen. Dann ist es die andere Gesinnung oder Nationalität. Die Mutanten in den X-Men-Filmen fühlen sich aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten als Außenseiter und werden als solche behandelt. Aufgrund solcher Erlebnisse kann es zusammenschweißen, wenn man erkennt, nicht der / die Einzige zu sein. So erklärt sich die Freundschaft zwischen Raven (Jennifer Lawrence), die sich später den Namen Mystique verleihen wird und Charles Xavier (James McAvoy). Sie lernen einander als Kinder kennen und wachsen gemeinsam auf. Später werden weitere Mutanten zu ihnen stoßen: Erik Lehnsheer (Michael Fassbender), den Cineasten bereits als Magneto kennen, hat eine harte Kindheit erlebt und trägt den Wunsch nach unabdingbarer Rache in sich. Der kann eine lange Zeit durch Charles in Zaum gehalten werden, doch die Freundschaft zerbricht bei einer Zerreißprobe, an deren Ende sich die Freunde trennen und Charles querschnittgelähmt bleibt.

Der Weg dorthin führt über den Kalten Krieg, in den die Guten gegen ihren Willen gezogen werden. Böse Mutanten haben sich entschlossen die Menschheit in einen dritten Weltkrieg zu stürzen, damit sie an dessen Ende die Herrschaft übernehmen können. Unter der Leitung von Sebastian Shaw (Kevin Bacon) spielen sie ein falsches Spiel, während die guten Mutanten unter der Führung von Charles Xavier mit dem FBI zusammenarbeiten. So weit, so gut, so weit nicht viel Neues (von den äußeren Umständen abgesehen). Neu an "X-Men: Erste Entscheidung" ist die Inszenierung, die an die Zeit angepasst ist, in der er spielt. Überwiegend strahlt er einen altmodischen Anstrich aus: Die scheußliche Mode der 1960er Jahre kommt ebenso zum Tragen wie die gruseligen Frisuren und abscheuliche Möblierungen. Etwas bedauerlich ist, dass einige Szenen aus dem Rahmen fallen und den 1990. Jahren entsprechen. Ich frage mich kurz, wo auf einmal der Zeitsprung herkommt? Bis ich begreife, dass der Film Stilbrüche hat.

Die Besetzung der Darsteller erfolgt nicht nach Äußerem. So hat James McAvoy wenig Ähnlichkeit mit Patrick Stewart, der Charles Xavier mehrmals spielte. Das tut der Sache keinen Abbruch, denn er spielt seine Rolle gut. Man nimmt ihm den Wandel vom jungen, noch ungestümen Wissenschaftler zum ernsten Mann ab. Auch Michael Fassbender bringt die innere Verletztheit seiner Figur gut rüber. Jennifer Lawrence kaufe ich ab, dass sie sich in ihrer eigenen Haut nicht wohlfühlt. Regisseur Matthew Vaughn leitete seine Darsteller gut und man hätte ihnen durchaus mehr entlocken dürfen. So wird die Liebesgeschichte zwischen Raven und Hank nur angerissen. Davon abgesehen kommt die Entwicklung der Charaktere insgesamt zu kurz. Ich möchte das am Beispiel von Erik aufzeigen.

Die Umstände seiner Kindheit können einem als Deutschen zwar sauer aufstoßen, aber das amerikanische Kino hat selten den Mut, das Böse im eigenen Lande zu sehen und darzustellen. So sind es halt nicht die Indianerkriege, die für das Böse stehen, sondern Nazis. Diesen Fakt schuf der erste X-Men-Film - aber unangenehm ist er für mich trotzdem. Jahre später ist Erik zum Mann herangewachsen und trifft auf seinem Rachefeldzug auf Charles Xavier. Der rettet ihm das Leben und ab hier sollte der Film aufzeigen, was die Zwei eigentlich verbindet. Doch statt die Freundschaft zu ergründen, erzählt er etwas, was bereits erzählt wurde: Weitere Mutanten werden gesucht und später muss die Auslöschung der Menschheit verhindert werden. Natürlich ist eine Comicverfilmung kein tiefenpsychologischer Film - doch X-Men: Erste Entscheidung lässt Chancen ungenutzt. Das geht soweit, dass für Charles' Querschnittlähmung keine elegante Begründung gefunden wird, sondern der Mann praktisch in letzter Minute unter sehr hin gedeichselten Umständen zum Behinderten wird.

Weiterhin unterbreitet der Film kleine Ärgerlichkeiten. So wird das Thema Sklaverei angeschnitten und der Bösewicht schaut dabei einen Afroamerikaner an. In einer anderen Szene soll Havok üben seine Kräfte zu kanalisieren. Er kann Kreise mit extrem heißer Energie aussenden, die Ziele in Brand setzen. Als Übungsobjekte dienen ihm nackte, weibliche Schaufensterpuppen. Das gibt der Szene etwas Frauenfeindliches. Davon abgesehen geizt der Film nicht mit echtem nacktem Fleisch. Frauen werden gerne in leichter Bekleidung vorgeführt. Das ist zwar mit der Nähe zu alten James-Bond-Filmen zu begründen, soll aber auch männliche Zuschauer ins Kino locken. Zudem gibt es zu viel Pathos. Es scheint: Kein Heldenepos kann ohne überzogene Darstellungen leben. In Bezug auf "X-Men: Erste Entscheidung" bedeutet es allerdings auch eine überzogene Lauflänge von 127 Minuten, die nicht zwangsläufig sein muss. Die Spezial-Effekte machen einen Gutteil des Gelingens aus. Mir ist eine Szene besonders im Gedächtnis geblieben: Ein U-Boot wird aus dem Meer gehoben und schwebt dann frei in der Luft, wobei sich die Schiffsschrauben noch drehen.

Fazit
Regisseur Matthew Vaughn bezeichnet den Film als "Charakterstudie mit fulminanten Actionszenen". Das stufe ich anders ein, denn womit ist Ravens (Mystiques) Entscheidung begründet an Magnetos Seite zu kämpfen? Und worin wurzelt Hanks Verzweiflung, die ihn zu Beast werden lässt? Hinsichtlich der Action hält der Film nicht ganz, was die Produzenten versprechen. Trotzdem fühle ich mich gut unterhalten. Die Handlung wird durch kleine Witze aufgelockert und die Darsteller machen ihre Sache gut.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: X-Men: First Class
Land: USA
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 127
Genre: AbenteuerActionComicFantasyHelden
Stichwort: X-Men
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 09.06.2011
Heimkino: 14.10.2011

Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Ashley Edward Miller • Zack Stentz • Jane Goldman • Matthew Vaughn • Sheldon Turner • Bryan Singer

Schauspieler: James McAvoy (Charles Xavier, jung) • Michael Fassbender (Erik Lensherr) • Kevin Bacon (Sebastian Shaw) • Rose Byrne (Moira MacTaggert) • Jennifer Lawrence (Raven / Mystique) • Beth Goddard (Mrs. Xavier) • Morgan Lily (Raven. jung) • Oliver Platt (Mann im Anzug) • Álex González (Janos Quested / Riptide) • Jason Flemyng (Azazel) • Zoë Kravitz (Angel Salvadore) • January Jones (Emma Frost) • Nicholas Hoult (Hank / Beast) • Caleb Landry Jones (Cassidy / Banshee) • Edi Gathegi (Darwin / Armando Muñoz) • Corey Johnson (Chief Warden) • Lucas Till (Alex Summers / Havok) • Demetri Goritsas (Levene)

Produktion: Lauren Shuler Donner • Bryan Singer • Simon Kinberg • Gregory • Goodman
Szenenbild: Chris Seagers
Kostümbild: Sammy Sheldon
Maskenbild: Jo Adams
Kamera: John Mathieson
Musik: Henry Jackman
Schnitt: Lee Smith • Eddie Hamilton


Bild: 20th Century Fox

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