Absolutely Fabulous - Der Film

Kinoplakat Absolutely Fabulous

Wenn Männer in die Jahre kommen, dann kaufen sie sich ein Motorrad oder versuchen junge Frauen zu erobern. Wenn Frauen in die Jahre kommen, dann ist der Katzenjammer groß.

Edina Monsoon (Jennifer Saunders) erwacht unsanft aus dem Traum der dauerhaften Party. Der letzte Champagner ist getrunken, die Kreditkarten sind gesperrt und das Buch, das ihr Leben finanzieren sollte, wird nicht gedruckt werden. Da kommt ihr die rettende Idee. Das Topmodell Kate Moss sucht eine neue PR-Frau. Doch der Versuch Kate kennenzulernen fällt ins Wasser. Besser gesagt fällt das Modell in die Themse und Edina wird von den Medien abgeurteilt und des Mordes bezichtigt. Also verlässt sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Patsy (Joanna Lumley) das Land und taucht in Cannes unter.

Kritik

Der Kinofilm des Jahres 2016 setzt die britische Fernsehserie fort, deren letzte Folgen 2011 entstanden. Mit Wissen zur Serie muss ich passen. Vielleicht deshalb verstehe ich den Film nur bedingt, denn der lässt es an einer klassischen Einführung fehlen. Vielmehr werde ich hineingeworfen.
Es beginnt kurz nach dem Sündenfall. Zwei Hauptdarstellerinnen im vorgerückten Alter werden mir als trinkfreudige Freundinnen vorgestellt. Was bisher geschah? Keine Ahnung. Edina lebte in Saus und Braus und ist jetzt pleite. Ihre Arbeit als PR-Agentin läuft unrund und es erstaunt, dass eine Person mit ihrem Auftreten so weit kommen konnte. Vielmehr verstehe ich gut, weshalb sie niemand leiden kann.

Dem holperigen Auftakt folgt eine Odyssee. Die ist zentriert um Themen, die Frauen im zweiten Frühling betreffen. Mit Mode hat das Ganze zwar immer wieder zu tun, aber trotzdem ist es kein Film über die Modewelt, sondern vielmehr eine Abfolge von Szenen, in denen zwei Frauen versuchen Humor herbeizureden. Die Hauptdarstellerinnen reden offen über alles Mögliche und so ist der eine oder andere Zufallstreffer drin. Den Modezirkus versucht man nur am Rande zu entlarven. Ähnlich verhält es sich mit der Gesellschaftskritik. Dankenswerterweise verschonen die Weiber den Zuschauer mit vulgärem und analem Humor. Alles in allem ist der Humor Geschmackssache. Mich spricht er nicht an.

Auch nicht gelungen ist die Überzeichnung der Figuren, die rasch abnutzt. Hier ist jeder, der mit der Branche in Beziehung steht, ein Paradiesvogel. Und weil es um Mode geht, sind die Männer fast alle schwul. Es gibt sogar einen relativ langen Besuch in einer Travestiebar. Dies sowie das später anklingende Transgender-Thema machen den Eindruck eines Köders fürs schwule Publikum. Zudem lassen Saunders und Lumley in ihrer Darstellung an schwule Männer in Frauenrollen denken.

Die Darstellung hat mehr mit Selbstdarstellung als mit Schauspiel zu tun. Jennifer Saunders, die auch das Drehbuch verantwortet, verwechselt etwas. Quatschen, rauchen und saufen füllen keinen Film. Der große Schwachpunkt ihres Drehbuchs besteht darin, dass die Handlung nicht verankert ist und anlasslos. Ihm fehlt es an Grundlagen und Erklärungen. So sind die Frauen aus ungeklärten Gründen beste Freundinnen. Es gibt eine dysfunktionale Familie, weil das lustig ist. Doch die Familienstrukturen werden nicht untersucht. Unterm Strich erreichen die Erlebnisse der zwei Naturgewalten in Dauer-Sektlaune nicht das Niveau einer gehobenen Fernsehserie. Als neutral stufe ich die Cameoauftritte bekannter und längst vergessener Prominenter ein. Der ausgesprochen starke britische Akzent der Darstellerinnen ist Geschmackssache.

Fazit
Komik ist in diesem Film Glückssache. Und Glück ist bekanntlich flüchtiger als Parfum.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %


Land: USA
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 91
Genre: Komödie
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 08.09.2016
Heimkino: 19.01.2017

Regie: Mandie Fletcher
Drehbuch: Jennifer Saunders

Schauspieler: Jennifer Saunders (Edina Monsoon) • Joanna Lumley (Patsy) • Julia Sawalha (Saffy) • Jane Horrocks (Bubble) • June Whitfield (Mutter) • Chris Colfer (Christopher) • Kate Moss • Lulu • Emma Bunton • Robert Webb (Nick) • Barry Humphries (Charles) • Indeyarna Donaldson-Holness (Lola) • Helen Lederer (Catriona) • Harriet Thorpe (Fleur) • Celia Imrie (Claudia Bing) • Gwendoline Christie • Mo Gaffney (Bo) • Christopher Ryan (Marshall) • Mark Gatiss (Joel ) • Graham Norton • Nick Mohammed (Casper) • Kathy Burke (Magda) • Rebel Wilson (Stewardess) • Jean-Paul Gaultier

Produktion: Damian Jones • Jon Plowman
Szenenbild: Harry Banks
Kostümbild: Rebecca Hale
Maskenbild: Christine Cant
Kamera: Chris Goodger
Musik: Sarah Bridge


Bild: 20th Century Fox

1 customer review

ausreichend
08.09.16
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