Der Spion und sein Bruder

Kinoplakat Der Spion und sein Bruder

Im Ansatz ein klassischer Agentenfilm: Der Topagent wird zum gefallenen Engel und muss beweisen, dass er nicht der Böse ist. Doch dabei kommt Sacha Baron Cohen ins Spiel; mit seiner Vorliebe für pubertierenden Humor und seiner Schwäche fürs Brachiale.

In einem Arbeiterviertel in Großbritannien aufzuwachsen scheint zwei Konsequenzen zu haben: Man ist verrückt nach Fußball und die Familie geht einem über alles. Da macht Nobby (Sacha Baron Cohen) keine Ausnahme. Der Familienvater ist unterbelichtet und eine treue Seele. Und deshalb trauert er seinem Bruder nach, von dem er als Kind getrennt wurde. Nicht wissend, dass Sebastian (Mark Strong) mittlerweile für den MI6 arbeitet. Und bei ihrem unvermittelten Zusammentreffen ist er eher erstaunt als erfreut, denn Nobby versaut ihm gehörig den Auftrag.
Nun muss Sebastian untertauchen und hat zudem Nobby am Hals. Gemeinsam schlittern die ungleichen Brüder in ein rasantes Abenteuer, bei dem sie nicht weniger retten müssen, als das Leben von Milliarden von Menschen.

Kritik

Der Film "Der Spion und sein Bruder" bietet das, was bei einem Film von Sacha Baron Cohen zu erwarten steht: grottigen Humor. Die Handlung spielt nur eine untergeordnete Rolle und leitet zwischen den Witzen über. Dabei gilt die Formel: Tief, tiefer, Baron Cohen. Der Humor versucht andere derbe Komödien zu übertrumpfen und bis auf Weiteres bildet er die Messlatte des schlechten Geschmacks.
Die Schwerpunkte liegen auf sexuellen beziehungsweise homosexuellen Witzen, Scherzen über Minderheiten, fette Frauen oder HIV. Baron Cohen legt zudem eine Begeisterung für Anales an den Tag. Und so wechseln fragwürdige Einlagen mit echten Geschmacklosigkeiten ab. Der Böller, den sich der Hauptdarsteller zu Filmbeginn in den Anus steckt, ist eine der harmlosen Darbietungen. Und nicht der Höhepunkt des analen Humors - der besteht in einer Art Feuerwerk des anal fixierten Humors. Natürlich fehlen auch Homo-Witze nicht. Etwa dann, wenn der eine Bruder an den Genitalien des anderen Bruders saugt. Der Gipfel der Entgleisung ist die Darbietung eines Elefantenkoitus.
Geschliffen ist an der Lustigkeit nichts. Obwohl ich bei der Zurschaustellung des Abschaums (im Englischen Scum) nicht hundertprozentig sagen kann, ob der Film die Arbeiterklasse nun vorführt oder mit ihr solidarisiert. So gesehen landet das Drehbuch einen Zufallstreffer.
Nun kann man einwenden, dass "Der Spion und sein Bruder" Dinge thematisiert, über die auch andere Filme sprechen. Der feine Unterschied liegt darin, dass andere derbe Komödie die Dinge andeuten, während es in diesem Film in Großaufnahme gezeigt wird.
Selbstverständlich sind Witze eine Geschmacksfrage. Während der Pressevorführung gab es Szenenapplaus für die Szene, in der Donald Trump mit HIV infiziert wird. Soviel dazu.

Die Handlung entbehrt dem Meisten, was eine Handlung ausmacht. Sie ist darauf reduziert den Rahmen für den genannten Humor zu bilden. Mit der Logik hat es das Drehbuch nicht so. Im Film vergehen 28 Jahre der Trennung. Gemessen am realen Alter der Darsteller und am geschätzten Alter der Jungdarsteller müssten zwischen Trennung und Wiedervereinigung 38 Jahre liegen. Zudem beträgt der Altersunterschied zwischen den erwachsenen Hauptdarstellern acht Jahre. Apropos Kinderdarsteller. Die machen ihre Sache, im Vergleich zu den Erwachsenen, richtig gut. Weiterhin ist noch zu erwähnen, dass der "Der Spion und sein Bruder" eine gute Portion Action bietet, die ist mit Blitzschnitten in Szene gesetzt ist und aufgrund ihrer Kameraperspektiven an Egoshooter erinnert. Aufwerten kann die mäßig inszenierte Action den Käse allerdings nicht.

Fazit
"Der Spion und sein Bruder" wirft Fragen auf. Etwa die, ob die Darbietung eine ernsthafte Auseinandersetzung wert ist? Sacha Baron Cohens Exhibitionismus und sein Heischen um Anerkennung sind fast schon mitleiderregend. Aber nur fast.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 10 %


Original Filmtitel: Grimsby
Land: USA
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 83
Genre: AbenteuerActionKomödieParodie
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.03.2016
Heimkino: 21.07.2016

Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Sacha Baron Cohen • Phil Johnston • Peter Baynham

Schauspieler: Sacha Baron Cohen (Nobby) • Rebel Wilson (Dawn Grobham) • Freddie Crowder (Tsunami) • Jon-Jon Lockwood (Jason) • Shaun Thomas (Skeletor) • Claudia Adshead (Britney) • Mark Strong (Sebastian Graves) • Lex Shrapnel (Steven Marber) • Isla Fisher (Jodie Figgis) • David James (Jordan Beder) • Rory Keenan (James Thurbeck) • Tamsin Egerton (Carla Barnes) • Penélope Cruz (Rhonda George)

Produktion: Peter Baynham • Ant Hines • Nira Park • Todd Schulman
Szenenbild: Kave Quinn
Kostümbild: Paco Delgado
Maskenbild: Felicity Bowring
Kamera: Oliver Wood
Musik: David Buckley • Erran Baron Cohen
Schnitt: Jonathan Amos • Evan Henke • Debra Neil-Fisher • James Thomas


Bild: Sony Pictures

1 customer review

ungenügend
10.03.16
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