Beim ersten Mal

Kinoplakat Beim ersten Mal

Ben ist übergewichtig, eher einfach gestrickt, und lebt, ständig kiffend, mit seinen WG-Freunden in den Tag hinein. Alison ist höchst attraktiv, hat einen guten Job bei einem Kabelsender, ist als Moderatorin im Gespräch, und weiß genau was sie will. In einer Bar lernen die beiden sich kennen, betrinken sich gemeinsam, verbringen im Suff die Nacht gemeinsam – und nach 2 Monaten beginnt das Ergebnis in Alisons Bauch zu reifen.

Der Film "Beim ersten Mal" ist die neue gelungene Komödie von Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Judd Apatow, der schon mit "Jungfrau (40), männlich, sucht." sein Talent für witzige Filme bewiesen hat. Ben Stone (saukomisch: Produzent und Drehbuchautor Seth Rogen, bekannt aus "Jungfrau (40), männlich, sucht.") ist zwar kein Teenie mehr, benimmt sich aber wie ein solcher. Mit seinen Freunden lebt er fröhlich und ziellos in den Tag hinein, kifft, was die Pfeife hergibt, widmet sich albernen Dingen, wie Trampolin Hüpfen und Ulk-Boxen, und hofft, dass irgendwann das Glück auch bei ihm an die Tür klopft, ohne dass er was dafür tun muss. Diese Gesellschaft antriebsschwacher und eher lethargischer Loser kommt in der heruntergekommenen Wohngemeinschaft mehr schlecht als recht über die Runden und hofft mit einer pseudo-pornografischen Internet-Seite irgendwann ans große Geld zu kommen. Falls die Seite jemals fertig wird, auf der Film-Fans später nachschauen können, wann und wo ihre Lieblinge mehr oder besser: weniger bekleidet in ihren Filmen aufgetreten sind: "Meg Ryan in "In The Cut", da sieht man fast ständig ihre Möpse. Und einmal hat sie auch gar nichts an, aber da sieht sie aber eher wie Harry als wie Sally aus!"

Alison Scott (reizend: Katherine Heigl, bekannt aus "Schrei, wenn du kannst") ist das genaue Gegenteil. Die bezaubernde Blondine mit der Superfigur ist Regieassistentin bei einem Kabelsender. Mit Engelsgeduld beruhigt sie hysterische Moderatoren und exzentrische Stars. Alison liebt ihren nervigen Beruf, fühlt sich aber zu Höherem berufen. Umso erfreuter ist sie, als ihr die Moderation einer Sendung angeboten wird. Endlich ist sie auf dem Weg nach ganz oben! Auch wenn ihr vom Chef und seiner neidischen Assistentin empfohlen wird, künftig öfter ins Fitnessstudio zu gehen, um ihren ohnehin schon straffen Körper noch mehr zu straffen. Abnehmen muss sie natürlich nicht, aber so ein paar Pfündchen, so ungefähr 20 (!), weniger wären nicht schlecht. Alison ist natürlich mit allem einverstanden! Voller Euphorie will sie diesen Erfolg feiern. Mit ihrer Schwester Debbie (köstliches Muttertier: Leslie Mann, bekannt aus "Jungfrau (40), männlich, sucht") – älter als Alison, aber genauso attraktiv, verheiratet, zwei reizende Kinder – will sie um die Häuser ziehen. Debbies Mann Pete (gelassener Ehemann: Paul Rudd, bekannt aus "Nachts im Museum") muss dabei auf die Kinder aufpassen.

In einer Bar lernt Alison beim Bierholen an der Theke Ben kennen. Der übergewichtige junge Mann mit dem strubbeligen Lockenkopf und der ungepflegten Kleidung ist zwar nicht unbedingt ihr Typ, aber er ist nett und amüsant. Man kommt ins Gespräch, man trinkt zusammen, und Bens Freund kümmert sich um Debbie. Bis die von ihrem Mann per Handy heimgerufen wird, weil die Kinder Ausschlag haben und er sich nicht sicher ist, ob das Windpocken, Masern, Röteln oder was ganz anderes ist. Ben und Alison trinken zusammen weiter, taumeln zusammen aus der Bar, taumeln zusammen in ihr Apartment und sinken zusammen ins Bett. Alison hat ihre fünf Sinne noch soweit beisammen, dass sie Ben ermahnt, ein Kondom überzuziehen. Der bemüht sich auch brav, stellt sich aber extrem ungeschickt an, Alison wird extrem ungeduldig, und als sie zu ihm sagt: "Jetzt komm endlich!" fasst er das als Aufforderung auf und wirft die Tüte für seinen Lümmel einfach beiseite.

Der nächste Morgen ist ziemlich peinlich, da Alison einfach nicht mehr weiß, warum sie diesen ziemlich unattraktiven wabbeligen Knaben mitgenommen hat. Aber man geht noch einen Kaffee trinken, verabschiedet sich höflich, und versichert einander, dass man gelegentlich wieder anrufen wird. Und insgeheim weiß jeder, dass man das nie mehr machen wird. Zwei Monate später wird es Alison ständig schlecht. Sie muss sich sogar bei ihren Live-Interviews vor der Kamera übergeben. Der Produzent ihrer Sendung neckt sie, dass sie schon ganz schön schwanger aussehen würde. Alison erstarrt voller Entsetzen. Das kann und darf doch einfach nicht sein! Sie vertraut sich Debbie an und gemeinsam kaufen sie einen ganzen Einkaufswagen voller Schwangerschaft-Tests. Denn auf einen allein kann man sich ja bekanntlich nicht verlassen. Aber das Ergebnis ist bei allen ein und dasselbe: Alison ist schwanger! Und da ihre einzige Bettsache die mit dem dicken Ben war, bleibt ihr nur eines übrig: sie ruft ihn an und erzählt ihm die Geschichte.

Ben fällt aus allen Wolken. Er ist selber noch nicht erwachsen, weiß nicht, was Verantwortung bedeutet, kommt kaum mit dem Leben zurecht, ist ständig pleite - und jetzt soll er Vater werden! Die eine Hälfte seiner WG-Bewohner ist begeistert von dem Gedanken, die andere Hälfte empfiehlt eine Abtreibung. Ben begleitet Alison wunschgemäß zum Frauenarzt, in der Hoffnung, dass die Tests nicht stimmen. Aber der bestätigt die Schwangerschaft und zeigt den beiden gleich auf dem Bildschirm seines Ultraschallgerätes das winzige Etwas in Alisons Bauch, das einmal ein richtiger Mensch werden wird. Alison heult, Ben wird nervös. Was soll sie tun? Alison beschließt, allen Widrigkeiten zum Trotz, das Kind zu behalten und dem Sender möglichst lange nichts zu sagen. Ben beschließt, ein guter Vater und vielleicht auch Ehemann zu werden. Dazu konsultiert er seinen eigenen Vater, der aber kein so guter Ratgeber ist, weil er schon dreimal geschieden ist. Und so macht Ben seiner Alison einen Heiratsantrag - allerdings mit einem leeren Ring-Schächtelchen, weil er kein Geld dafür hat. Aber irgendwann, verspricht Ben, wird er dieses leere Schächtelchen mit dem schönsten Ring der Welt für Alison füllen. Irgendwann. Gemeinsam beginnen sie sich auf die Geburt vorzubereiten. Bücher übers Kinderkriegen werden gekauft, Strampelhöschen und Spielsachen angeschafft, Debbie stiftet ein Kinderbett – aber irgendwann schlagen bei Alison die Hormone durch. Sie findet, dass Ben sich viel zu wenig einbringt, und trennt sich von jetzt auf gleich von ihm. Aber sehr schnell stellen beide fest, dass sie ohne einander nicht können. Aber wie wollen sie wieder zusammenfinden?

Kritik

Zuerst dachte ich: "Wieder so eine Komödie übers Kinderkriegen." Aber nach ein paar Minuten war ich richtig gefangen von "Beim ersten Mal". Drehbuchautor und Regisseur Judd Apatow ist es – wie schon bei "Jungfrau (40), männlich, sucht ..." – auf Anhieb gelungen, eine derartig sympathische, lockere, humorvolle, skurrile, aber immer unglaublich unterhaltsame Komödie zu inszenieren, dass man aus dem Lachen kaum mehr herauskommt. Der Wortwitz ist einfach umwerfend, ein Gag jagt den nächsten, boshafte Seitenhiebe erzeugen Lachanfälle, und die immer gekonnte Situationskomik ist absolut perfekt platziert.

Ausschlaggebend dafür sind natürlich auch die entsprechenden Schauspieler und die sind einfach ganz große Klasse. Die groß gewachsene und mehr als nur attraktive Katherine Heigl spielt die Alison absolut hinreißend. Sie ist diese junge Frau, die ganz genau weiß, was sie will und was ihr Lebensziel ist, und die dann bei der Diagnose "schwanger" völlig hilflos dasteht. Sie will das Kind behalten, sie will den Job behalten, sie will alles behalten – na ja, vielleicht nicht unbedingt Ben – und weiß nicht, wie sie das alles unter einen Hut bringen soll. Und Seth Rogen als übergewichtiger und ziemlich unattraktiver Trampel Ben ist ebenfalls einfach Spitze. Zuerst hält man ihn für den tapsigen Klassenclown, der nur dann zufrieden ist, wenn er sich mit seiner Pfeife vollgedröhnt hat. Der Rest der Welt ist ihm eigentlich egal, Hauptsache die Drogen stimmen und er kann mit seinen Kumpels abhängen. Verantwortung? Was ist das? Erwachsenwerden? Warum? Einen Job finden, Geld verdienen, einen Platz in der Gesellschaft erobern? Ich? Wieso? Und dann kommt diese bildschöne junge Frau – von so was hat er sicher früher nicht einmal zu träumen getraut – und kriegt ein Kind von ihm und plötzlich geht das mit dem Erwachsenwerden ganz schnell. So schnell, dass Ben fast nicht mehr hinterherkommt. Und das kriegt Seth Rogen wirklich Klasse hin.
Leslie Mann, Apatows Ehefrau, ist einfach hinreißend als Oberglucke Debbie, die ständig an ihrem geduldigen Mann Pete herumerzieht. Paul Rudd gibt dem armen Pete, der alle möglichen Ausreden erfindet, um seiner ständig nörgelnden Debbie zu entfliehen, ein ebenso sympathisches wie verständnisvolles Gesicht. Bens Mitbewohner sind ebenso hervorragend besetzt, wie Debbies zwei Töchter, die auch im wirklichen Leben ihre Töchter sind. Und der Soundtrack ist auch wieder mehr als nur hörenswert geworden.

Fazit
Der Film "Beim ersten Mal" bietet 129 Minuten lang erstklassige Unterhaltung der unbeschwerten und lockeren Art. Das Thema "ungewollte Schwangerschaft" wird hier mal ohne triefende Sentimentalität, emotionale Peinlichkeit oder endlose Beziehungs-Diskussionen abgehandelt. Und trotzdem ist es immer so wie im richtigen Leben. Ich habe eine ganze Menge Parallelen bei mir und meinen Bekannten gefunden! Aber in erster Linie ist "Beim ersten Mal" eine hervorragend gemachte Komödie, die einfach Spaß macht.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: Knocked Up
Land: USA
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 129
Genre: DramaKomödieRomantik
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 23.08.2007
Heimkino: 27.12.2007

Regie: Judd Apatow
Drehbuch: Judd Apatow

Schauspieler: Seth Rogen (Ben Stone) • Katherine Heigl (Alison Scott) • Paul Rudd (Pete) • Leslie Mann (Debbie) • Jason Segel (Jason) • Jay Baruchel (Jay) • Jonah Hill (Jonah) • Martin Starr (Martin) • Charlyne Yi (Jodi) • Iris Apatow (Charlotte) • Maude Apatow (Sadie) • Joanna Kerns (Alisons Mutter) • Harold Ramis (Bens Dad) • Alan Tudyk (Jack) • Kristen Wiig (Jill) • Bill Hader (Brent)

Produktion: Judd Apatow • Shauna Robertson • Clayton Townsend
Szenenbild: Jefferson Sage
Kostümbild: Debra McGuire
Maskenbild: Ann Pala
Kamera: Eric Alan Edwards
Musik: Joe Henry • Loudon Wainwright III
Schnitt: Craig Alpert • Brent White


Bild: Universal Pictures International

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