Ben is Back

Kinoplakat Ben is Back

Der Überraschungs-Besuch des Sohnes stellt eine Familie auf eine Zerreißprobe, denn Ben ist drogensüchtig und seine Problematik überschattet das Miteinander. Als ihn die Vergangenheit einholt, eskaliert die Situation. Ein intensives Drama mit einer brillant aufspielenden Julia Roberts.

Für Holly Burns (Julia Roberts) ist es eine Überraschung, als kurz vor Weihnachten ihr Sohn Ben vor dem Haus steht. Sie ist der Meinung, dass er eine zweite Chance verdient hat und steht damit im Gegensatz zu ihren restlichen Kindern. Obwohl die vorzeitige Rückkehr aus dem Drogenentzug nicht abgesprochen ist, sucht sie nach einer Lösung und stellt strenge Regeln für den Besuch auf. Zunächst scheint alles glatt zu laufen und beide Seiten geben ihr Bestes. Doch Ben ist süchtig und hat seine Mechanismen nicht abgelegt. Und diejenigen, die er vor seinem Entzug betrogen hat, haben ihn nicht vergessen.

Kritik

Der Film "Ben is back" ist ein intensives Drama, das den Zuschauer regelrecht in die Zange nimmt. Bereits der Auftakt geschieht in bleiernen Bildern. Sobald das schwarze Schaf der Familie wieder zu Hause ist, nehmen die restlichen Familienmitglieder ihre Standpunkte ein. Bens große Schwester Ivy (Kathryn Newton) ist strikt gegen den Bruder eingestellt. Sie hat ihm nicht verziehen und gibt ihm keine Chance. Die jüngeren Geschwister sind noch zu klein, um zu begreifen, was vor sich geht. Bens Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) sieht die Dinge pragmatisch und möchte, dass Ben sofort in den Entzug zurückkehrt.
Das geschieht nicht und der Film nimmt am Heiligen Abend seine Zuspitzung. In Ben brechen die Schuldgefühle durch und er möchte einmal in seinem Leben etwas richtig machen. Das ist schwierig, weil seine Mutter versucht ihn zu kontrollieren und ihn keine Minute aus den Augen zu lassen, um zu verhindern, dass er an Drogen gelangt. Ben muss sie austricksen, um allein handeln zu können. Das Gelingen splittet die Handlung in zwei Erzähl-Stränge auf. Ben und Holly rasen durch die nächtliche Stadt, beide sind bemüht das Drama zum Guten zu wenden.

Damit geht eine Steigerung der Handlung einher, die nur bedingt überzeugt. Zum einen, weil der Film gleich sehr niederdrückend beginnt, dann gleichförmig verläuft und nur schwer zu steigern ist. Zudem beginnt die Handlung zu verlaufen, weil die Problematik abgearbeitet ist. Statt das Thema Sucht zu vertiefen, erfolgt ein Richtungswechsel, indem die Geschichte in eine Verfolgungsjagd mündet.
Das Benehmen der Personen während der zweiten Hälfte des Films fällt teils unglaubwürdig aus. So vollzieht Ivy eine 180-Grad-Wende. Erst kann sie dem Bruder nicht vergeben, später spielt sie fast verrückt aus Sorge um ihn. Der Grund dafür ist nicht ersichtlich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Handlung dem Zuschauer keine Verschnaufpause gönnt.

Außerdem steht die Frage an, inwiefern der Zuschauer von der Handlung profitiert? Was bietet ein Drama, in dem Julia Roberts wie eine Löwin für ihren Sohn kämpft, der sich selbst aufgibt? Zweifelsohne ist das Schauspiel von Julia Roberts und Lucas Hedges sehenswert. Beide drücken ihre Rollen gut aus. Auch ihr Zusammenspiel funktioniert gut, wie auch das Zusammenwirken mit den restlichen Rollen. Der Film ist wie abgefilmtes Leben. Die Szenenbilder sind stimmig und auch die Details im Hintergrund sind gut ausgearbeitet. Soviel zu den Pluspunkten.

Zu den Minuspunkten zählt, dass Themenwahl und Ausarbeitung nur bedingt gefallen. Die Suchtproblematik bildet den Ankerpunkt und bleibt angekratzt. In einem kurzen Moment kommt zur Sprache, dass der ehemalige Hausarzt der Familie Ben süchtig gemacht hat. Die Anschuldigung bleibt als solche im Raum stehen ohne behandelt zu werden. Weiterhin stellt die Handlung Eckpunkte dar wie den, dass Ben notorisch lügt und betrügt. Die Story setzt die Sucht in Bezug zu Familienstrukturen und -Problematiken. Und arbeitet das Thema weniger aus als es möglich wäre. So werden die große Schwester und der Ehemann vernachlässigt und Konflikte bleiben ungenutzt. Neal ist der zweite Ehemann und Ben nicht sein leiblicher Sohn. Daraus entwickelt die Handlung jedoch keinen Zündstoff. Die Geschichte ist aufgrund der gemischten Ehe politisch korrekt, weil Julia Roberts Film-Ehemann der afroamerikanische Schauspieler Courtney B. Vance ist. Und es schwingt der Eindruck mit, dass das Auftreten von Courtney B. Vance hautpsächlich aus diesem Grund geschieht. Was schade ist, denn ausbauen darf er seine Rolle nicht. Ein weiterer korrekter Moment besteht im Zeigen des siebenarmigen Leuchters, der auf der Polizeiwache zu sehen ist. So ist neben dem christlichen Glauben, auch der jüdische kurz im Bild.

Fazit
Der Film "Ben is back" ist ein gut gemeintes Drama über ein spezifisches Thema und spricht einen besonderen Personenkreis an. Der Fokus ist zu eng gefasst, um ein breites Publikum anzusprechen und die Zuspitzung der Thematik gelingt nicht gut. Sehenswert sind die Leistungen der zwei Hauptdarsteller. Julia Roberts beweist nach "Wunder", dass sie in Mutter-Rollen überzeugt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 103
Genre: Drama
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.01.2019
Heimkino: 07.06.2019

Regie: Peter Hedges
Drehbuch: Peter Hedges

Schauspieler: Julia Roberts (Holly Burns) • Lucas Hedges (Ben Burns) • Courtney B. Vance (Neal Beeby) • Kathryn Newton (Ivy Burns) • Rachel Bay Jones (Beth Conyers) • David Zaldivar (Spencer Webbs) • Alexandra Park (Cara K) • Michael Esper (Clayton) • Tim Guinee (Phil) • Myra Lucretia Taylor (Sally) • Kristin Griffith (Mrs. Crane) • Jack Davidson (Dr. Crane)

Produktion: Peter Hedges • Nina Jacobson • Teddy Schwarzman • Brad Simpson
Szenenbild: Ford Wheeler
Kostümbild: Melissa Toth
Maskenbild: Jon Carter
Kamera: Stuart Dryburgh
Musik: Dickon Hinchliffe
Schnitt: Ian Blume


Bild: Tobis

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