Collateral

Kinoplakat Collateral

Tom Cruise ist böse. Als Profikiller bringt er die Zeugen eines Gerichts-Prozesses zum Schweigen. Schauplatz: Das nächtliche Los Angeles. Tatzeit eine Nacht zwischen 18:00 und 4:00 Uhr. Für Taxifahrer Max (Jamie Foxx) ist es eine ganz normale Nacht mit ungewöhnlichen Fahrgästen. Zunächst ist da Annie (Jada Pinkett Smith), die mit ihm wettet, die bessere Strecke zu kennen. Aus dem Geplänkel wird ein langes Gespräch, an dessen Ende Max ihre Visitenkarte erhält.

Der folgende Fahrgast ist weniger angenehm. Vincent (Tom Cruise), ein eisgrauer Gentleman im Anzug, macht Max ein verlockendes Angebot: Ihn gegen gutes Geld zu fünf Zielen zu chauffieren. Als beim ersten Stopp eine Leiche aufs Taxi kracht, muss Max nur noch 1 und 1 zusammenzählen, um zu wissen, was gespielt wird. Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Wie kann er dem Killer entkommen? Denn spätestens nach dem letzten Mord ist er nicht mehr als ein überflüssiger Augenzeuge.

Kritik

Nach der elegischen Einführung soll der Film zum Thriller kippen. Stattdessen schwankt die Schilderung zwischen Spannung und Los-Angeles-Drama. Tom Cruise als Vincent zu erleben ist für Fans sicherlich ein Erlebnis. Er bringt den Zynismus der Rolle gut rüber - allerdings fehlen ihm Härte und Dominanz, die man von einem Profikiller erwarten dürfte. Die eisgrauen Haare und der Anzug schinden Eindruck - doch weshalb sollte ein Mann wie er derartig viel Wert darauf legen aufzufallen? Müsste ein Killer nicht alles darum geben in einer Menschenmenge unterzugehen? Dies ist eine der Ungereimtheiten des Films, deren Summe den Gesamteindruck trüben. So stellt sich weiterhin die Frage, ob die Schauspieler nicht besser die Rollen getaucht hätten? Jamie Foxx als Max hat zwar die kleinere Rolle bekommen, dennoch ist er die eigentliche Hauptrolle. Mehr noch: In der Duellszene mit dem Drogenboss entfaltet er mehr Wirkung als Tom Cruise.

Regisseur Michael Mann hat ein Händchen für psychologische Momente. Leider fehlt ihm aber das rechte Gespür, diese Szenen in seinem Thriller Gewinn bringend zu integrieren. Nebenrollen beziehungsweise Nebenschauplätze bekommen derart viel Raum, dass der Thriller streckenweise zum Erliegen kommt; etwa wenn der Besitzer der Jazzbar sein Leben erzählt, oder Max' Mutter im Krankenhaus besucht wird. Fraglich auch die Schilderung der Querelen zwischen der Los Angeles Police und dem FBI. Wäre  es nicht die bessere Wahl gewesen die Geschichte der zwei Männer zu vertiefen?

Zu den Abschweifungen kommen seltsam konstruierte Szenen. So entkommt der Killer aus dem Nachtklub trotz Leibwächtern und Polizeiaufgebot. Oder Vincents letzter Auftrag. Es wirkt zwar spannend, dass er den Strom abschaltet und das Opfer im Dunkeln jagt - dennoch ist es schwer nachvollziehbar. Er betritt ein ihm fremdes, mehrstöckiges Bürohochhaus. Besitzt kein Nachtsichtgerät (hat also bei Dunkelheit keinen Vorteil) - muss sich jetzt nicht nur auf fremdem Terrain zurechtfinden, sondern auch gegen die Dunkelheit ankämpfen - während das Opfer die räumlichen Gegebenheiten kennt. Deshalb muss das Ungeschick des Opfers herhalten (Hinweis: Telefon) damit die zwei überhaupt zueinander finden.

Fazit
Der Film zeigt viele gute Ansätze und schweift zu sehr ab. Anstelle eines Los-Angeles-Dramas bleibt es undefiniert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 120
Genre: Krimi • Thriller
Verleih: United International Pictures
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 23.09.2004
Heimkino: 31.03.2005

Regie: Michael Mann
Drehbuch: Stuart Beattie

Schauspieler: Tom Cruise (Vincent) • Jamie Foxx (Max) • Jada Pinkett Smith (Annie) • Mark Ruffalo (Fanning) • Peter Berg (Richard Weidner) • Bruce McGill (Pedrosa) • Irma P. Hall (Ida) • Barry Shabaka Henley (Daniel) • Richard T. Jones (Polizist) • Klea Scott • Bodhi Elfman • Debi Mazar • Javier Bardem (Felix) • Emilio Rivera (Paco) • Jamie McBride (Polizist)

Produktion: Michael Mann • Julie Richardson
Szenenbild: David Wasco
Kostümbild: Jeffrey Kurland
Maskenbild: Jay Wejebe
Kamera: Dion Beebe • Paul Cameron
Musik: James Newton Howard
Schnitt: Jim Miller • Paul Rubell


Bilder: United International Pictures

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