Desaster

Kinoplakat Desaster

Verbrecher, eine Verführerin und ein Schatz, den jeder haben will, sind klassische Zutaten für eine Gaunerkomödie. Noch eine Prise schwarzen Humor und fertig ist das Desaster. Doch halt. Ist der Titel als ernst gemeinte Warnung oder sarkastisch zu verstehen?

Im sonnigen Saint-Tropez steht das gut gesicherte Heim von Oberbösewicht Mischa (Milan Peschel). Da der Hausherr auf Geschäftsreise ist, hat seine strenge Mama (Angela Winkler) ein Auge auf das Anwesen und den Tresor. Zugang zum Geldschrank hätten auch gerne Mischas Ehefrau Lydia (Anna Loos), deren Lover (Maximilian Simonischeck) sowie zwei Profikiller (Justus von Dohnányi und Jan Josef Liefers), die das Leben des korrupten Staatsanwalts Dr. Würsch (Stefan Kurt) schützen sollen. Einer nach dem anderen sieht seine Chance gekommen, die anderen auszutricksen.

Kritik

Als Zuschauer kann man nur vermuten, was die Idee zum Film ist. Ein pfiffiger Abzählreim. Eine Parodie auf den Film noir? Ich kann die Frage nicht beantworten, denn das Konzept von "Desaster" erschließt sich mir nur bedingt. Der Film beginnt mit der Vorstellung der Figuren durch einen Erzähler. Der verstummt und hat bis Filmende nichts mehr zu sagen. Ich frage mich, ob die Macher es mir nicht zutrauen, selbst zu durchschauen wer wer ist?

Letztlich ist es die erste Auffälligkeit eines Drehbuchs, dessen Konzept darin besteht immer tiefer zu stapeln. Doch selbst auf dem Grund angekommen, findet es den Humor nicht. Die Komik besteht in weiten Teilen darin, dass ein Psychopath, ein Prolet und ein Spießbürger kooperieren müssen. Es kommt zu Rededuellen, die den Zuschauer schnell ermüden und zu Situationskomik, die mich fremdschämen lässt. Um die Lücken des Drehbuchs zu füllen, wird sogar Wilhelm Busch zitiert. Oder man greift auf olle Kamellen zurück. Da sagt Jan Josef Liefers sinngemäß "wir lassen nun die Arbeit ruh'n und freuen uns auf den After nun", während der schwule Polizist sie für ein schwules Paar hält. "Desaster" versucht es außerdem mit Witzen über triebgesteuerte Männer und einem Verbrecher mit Mutterkomplex.

Vom nicht gelungenen Humor abgesehen schreitet die Handlung voran und deckt auf, dass hier jeder jeden hintergeht. Spannend ist das Geschehen zu keiner Zeit (nie). Lustig ist es auch nicht, denn die Idee der betrogenen Betrüger entlarvt nicht die Figuren, sondern die Unzulänglichkeiten der Handlung. Beispielsweise sind die Umstände nicht geschmeidig, sondern hingedeichselt. Etwa der Umstand, dass ein Profikiller, der auf Waffen verzichtet, sich einen James-Bond-Kugelschreiber zugelegt hat. Den benötigt in erster Linie nicht die Figur, sondern das Drehbuch bastelt daraus einen Gag. Der dann so lustig ausfällt, wie selbst gebastelte Gags ausfallen. Zu den Leistungen der Darsteller habe ich keine Meinung. Die Kameraführung gefällt mir nicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 10 %


Land: Deutschland
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 90
Genre: Komödie
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 16.07.2015
Heimkino: 17.12.2015

Regie: Justus von Dohnányi
Drehbuch: Justus von Dohnányi

Schauspieler: Justus von Dohnányi (Ed) • Jan Josef Liefers (Mace) • Stefan Kurt (Doktor Jürg Würsch) • Anna Loos (Lydia) • Milan Peschel (Mischa) • Angela Winkler (Mischas Mutter) • Maximilian Simonischek (Johann) • Oscar Ortega Sánchez (Polizist)

Produktion: Marcos Kantis
Szenenbild: Johannes Fischer
Kostümbild: Katrin Aschendorf
Maskenbild: Peter Bour
Kamera: Ralf Noack
Ton: Claudia Mattai del Moro
Musik: Marco Dreckkötter • Jakob Klotz • Stefan Will
Schnitt: Olivia Retzer


Bild: Studiocanal

1 customer review

ungenügend
16.07.15
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