Die Deutschen lieben Sauerkraut, Bratwurst und Vereine. Wäre doch gelacht, wenn man daraus nicht eine Komödie stricken könnte, die allen Kleingeistern, Vereinsmeiern und -Müllers den Spiegel vorhält. Stecken die Tücken im Detail?
Die Komödie eröffnet mit einem Match auf einem Tennisplatz, während dem Hape Kerkeling als Schiedsrichter die titelgebende Bratwurst vertilgt. Wer diese Einleitung nicht urkomisch findet, ist fehl am Platz, denn lustiger wird es nicht.
Die Handlung wechselt ins Vereinsheim und es startet Vereinsmeierei. Heribert (Kerkeling) ist der Präsident des Clubs und das ist gut so. Schlussfolgert er selbst und will es bleiben. Matthias (Friedrich Mücke) bildet die ewige Nummer Eins und wird es bleiben. Daran ändert auch seine herrische Mutter nichts, die ihren Sohn gerne als Vorsitzenden sähe. Relativ neu im Club sind Melanie und Torsten, die Zugereisten aus Berlin. Und ausgerechnet die Neue, also Melanie, stört die liebgewonnene Ordnung, weil sie es nicht akzeptieren will, dass der einzige Türke im Verein keine Sonderbehandlung bekommen soll. Plötzlich geht es nämlich um die Wurst. Also genauer gesagt darum, dass Erol kein Schweinefleisch isst und keine Wurst, die auf einem Grill gegrillt worden ist, auf dem auch Schweinefleisch bruzzelt. Erol hat kein Problem damit, Melanie hingegen schon, weil es ums Prinzip geht. Das kann sie so jedoch nicht äußern und die Diskussion ufert aus. Die Wurst steht plötzlich stellvertretend für Ausländerfeindlichkeit und politische Ansichten. Wenn der eifersüchtige Torsten widerspricht, dann, weil er Atheist ist. So wie seine Ehefrau Melanie, die trotzdem noch an etwas Höheres glaubt und ihren Glauben als Atheistin verletzt sieht. Zudem ist sie auch Esoterikerin.
Unvermittelt steht die Frage im Raum, wie man verfahren soll, sollte ein schwuler Vegetarier dem Verein beitreten. Doch im Ort gibt es keine Homos. Und Erol ist ein gut integrierter Türke. Aber er ist und bleibt ein Türke. Das ist das Problem, das keines sein darf. Die Handlung wiederholt sich und sie beginnt, darunter zu leiden. Wenn den Humoristen nichts mehr einfällt, dann schießt die Ballmaschine zum dritten Mal Tennisbälle ab, die Menschen treffen. Und als Höhepunkt des deutschen Humors landet die bärbeißige Mutter im Ententeich.
Problematisch ist weiterhin, dass die Gesellschaftskritik im Kern stimmig ist – aber von zu wenigen Personen vorgetragen wird. Es ist unglaubwürdig, dass sie von Thema zu Thema springen und in keiner Debatte auf den Punkt kommen. Insbesondere bei Melanie scheint das unstimmig. Sie ist beruflich eine Führungskraft und es fehlt ihr jegliche Klarheit?
Das Schauspiel reicht von nicht sehenswert bis interessant. Insgesamt leiden die Schauspielerin und die Schauspieler darunter, dass sie Sprechrollen haben, denn die Kamera verlässt das Vereinsheim praktisch nicht und die darin gefangenen Menschen reden unablässig. Schauspiel im Sinne von szenischer Darstellung wird nicht geboten, denn die Darstellung beschränkt sich auf Gänge (gehe vom Sicherungskasten zum Bierkasten). Die Ortstreue (also die Innenaufnahmen) sparte wahrscheinlich die Kosten für Außenaufnahmen, ein Kammerspiel wird aus dem Palaver leider nicht.
Fazit
Die Komödie "Extrawurst" kommt nicht auf den Punkt und der Humor damit zahnlos. Dass der Film gleich zwei Geheimwaffen des deutschen Humors aufbietet (Christoph Maria Herbst und Hape Kerkeling), wertet ihn nicht auf. Eine Kinoauswertung dieser Fernsehproduktion ist hochgegriffen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 98
Genre: Komödie
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren
Kinostart: 15.01.2026
Regie: Marcus H. Rosenmüller
Drehbuch: Dietmar Jacobs • Moritz Netenjakob
Schauspieler: Hape Kerkeling (Heribert Bräsemann) • Christoph Maria Herbst (Torsten Pfaff) • Fahri Yardim (Erol Oturan) • Anja Knauer (Melanie Pfaff) • Friedrich Mücke (Matthias Scholz) • Andreas Windhuis (Peter Lohr) • Rona Regjepi (Antonia Stortz) • Gaby Dohm (Elisabeth Scholz) • Katrin Röver (Anne Ackermeier) • Patrick Joswig (Heinz Grumberger) • Marlene Markt (Laura Zopf) • Malene Becker (Sabine Stortz) • Milan Peschel (Hans-Günther Schnippering) • Konstantin König (Vereinsmitglied)
Produktion: Robert Marciniak
Szenenbild: Michael Binzer
Kostümbild: Anke Winckler
Maskenbild: Christina Neuss • Nadia Homri
Kamera: Daniel Gottschalk
Ton: Michael Vetter
Musik: Gerd Baumann
Schnitt: Andrea Mertens
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Bild: Studiocanal
