Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft

Kinoplakat Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft

Die Idee zum Film gefällt. Eine fiese Lehrerin wird geschrumpft und muss nun ausgerechnet mit dem Schüler zusammenarbeiten, den sie am wenigsten leiden kann. Allerdings verliert sich der schöne Ansatz schnell in tumbem Humor, einem unausgegorenen Drehbuch und leidet unter der Regie.

Felix (Oskar Keymer) macht gerade eine schwierige Phase durch. Seine Mutter arbeitet vorübergehend in den USA, sein Vater hat aus dem Zuhause ein Chaos gemacht und zu allem Überfluss muss er auf eine neue Schule gehen. Das Otto Leonhard Gymnasium ist die letzte Schule, die er noch besuchen kann, denn von allen anderen ist er geflogen. Nach einer etwas unterkühlten Einführung durch die Direktorin Frau Schmitt-Gössenwein (Anja Kling) lernt er die restlichen Kinder seiner Klasse kennen. Und die neue Klassenlehrerin, die ausgerechnet Frau Schmitt-Gössenwein ist, die die Schüler respektlos Schmitti nennen.

Wie es scheint beruht die Abneigung auf Gegenseitigkeit und schon bald droht die Situation zu eskalieren. Da wünscht sich Felix Schmitti möge schrumpfen. Gedacht getan ist Frau Schmitt-Gössenwein nicht größer als ein Füllfederhalter. Damit ist Felix eine Sorge los, denn eine geschrumpfte Lehrerin kann ihn nicht mehr piesacken. Doch weit gefehlt, denn Felix und Schmitti stellen bald darauf fest, dass sie auf die Hilfe des Anderen angewiesen sind.

Kritik

Schade. An einer guten Ausgangslage und an Budget mangelt es "Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft" nicht. Leider jedoch am Handwerk. So ist die Dramaturgie teils fragwürdig. Zu Filmbeginn gibt es eine lange Phase, in der Felix und Schmitti miteinander agieren. Ich fände es für einen Jugendfilm jedoch interessanter, wenn die Kinder untereinander agieren würden. Doch das kommt erst in der zweiten Filmhälfte zum Tragen und ist bedauerlicherweise schlecht ausgearbeitet - wie der gesamte Film.
Das Drehbuch holpert und vergisst beispielsweise die Wendungen zu entwickeln. Veränderungen treten ein, sobald es die Handlung erfordert. Beispielsweise sind Schmitti und Felix plötzlich Freunde. Oder die eben noch verfeindeten Kinder arbeiten unvermittelt zusammen. Das macht den Film unorganisch.

Die Regie stapelt tief und bringt die Dinge auf den kleinsten Nenner. Damit ist sichergestellt, dass wirklich jeder den Film versteht. Und er trägt den Beigeschmack von Unterforderung. Gutes Handwerk sieht anders aus. Das Zusammenspiel der Personen ist unnatürlich und aufgesetzt. Die Szenen sind überwiegend nicht witzig. Einen traurigen Höhepunkt bildet der Kurzauftritt von Otto Walkes als Schulgründer. In einer anderen Szene muss Schmitti nach ihrer Schrumpfung auf die Toilette. Sie verrichtet ihre Notdurft dann hinter dem Bonsai von Felix' Vater. Der hält das Bäumchen (dann grundlos) vor die Webcam und der Urin läuft ihm auf den Schoss. Ja, selten so gelacht. Übernatürliches passt gut in einen Jugendfilm und wird geboten. Jedoch nur in homöopathischen Dosen; zwei lebende Türbeschläge und etwas Hokuspokus wirken so sparsam, dass man besser darauf verzichtet hätte.

Ein Motiv, das sich wohl viele Schüler wünschen, ist das der Umkehr der Machtposition. Doch nicht Felix, sondern sein Gegenspieler das reiche Kind, darf dies vorführen. Selbstredend sind die Besserverdienenden die Bösen und die Normalverdiener die Guten. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses abgenudelte Klischee die Kinder weniger schmerzt als den erwachsenen Zuschauer.

Fazit
Der Film "Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft" ist alles in allem eine lieblose Angelegenheit. Charme und Warmherzigkeit kommen überhaupt nicht vor. Die Dramaturgie holpert und die Wendungen stimmen nicht. Was relativ gut gelungen ist, sind die Tricks. Wirklich schade, wenn man sich überlegt, was man aus dem Stoff hätte machen können.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %

Nachtrag: Der Film findet seine Fortsetzung in: "Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft".


Original Filmtitel:
Land: DeutschlandÖsterreich
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 101
Genre: AbenteuerFamilieKomödie
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 17.12.2015
Heimkino: 09.06.2016

Regie: Sven Unterwaldt
Drehbuch: Gerrit Hermans
Literaturvorlage: Sabine Ludwig

Schauspieler: Anja Kling (Frau Dr. Schmitt-Gössenwein) • Oskar Keymer (Felix Vorndran) • Axel Stein (Peter Vorndran) • Justus von Dohnányi (Schulrat Henning) • Lina Hüesker (Ella Borsig) • Eloi Christ (Robert) • Georg Sulzer (Mario Henning) • Johannes Zeiler (Hausmeister Michalsky) • Maximilian Ehrenreich (Chris) • Michael Ostrowski (Herr Coldegol) • Daniela Preuß (Sandra Vorndran) • Alexandra Helmig (Frau Henning) • Otto Waalkes (Geist des Schulgründers Otto Leonhard) • Sabine Ludwig (Hulda Stechbarth) • Annika Becker (Tochter des Investors 1)

Produktion: Corinna Mehner • Hans Eddy Schreiber
Szenenbild: Alexandra Maringer
Kostümbild: Birgit Hutter
Maskenbild: Martine Flener
Kamera: Stephan Schuh
Ton: Max Vornehm
Musik: Klaus Badelt • Leland Cox
Schnitt: Stefan Essl


Bild: Sony Pictures

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