Gespensterjäger

Kinoplakat Gespensterjäger

Eine Verfilmung des gleichnamigen Kinderbuches. Kinderfilmen mangelt es gerne an Budget oder der Ausführung. Mangelndes Budget kann man den Gespensterjägern nicht nachsagen. Das Drehbuch basiert auf einem erfolgreichen Kinderbuch und die erwachsenen Darsteller haben Rang und Namen. Und trotzdem überzeugen die Gespensterjäger nur bedingt. Dazu später mehr; zunächst einige Worte zur Handlung.

Es gibt Ängste, an die können sich die meisten von uns sich noch gut erinnern. Wer fand es als Kind nicht gruselig allein in den dunklen Keller gehen zu müssen? Auch wenn es dort nichts Schlimmeres anzutreffen gab als Spinnen. In den dunklen Ecken hätte in der kindlichen Fantasie wer weiß was lauern können! Nicht viel anders ergeht es Tom (Milo Parker), dem jungen Helden aus dem Film Gespensterjäger. Auch er hat Angst und die findet er an dem Tag bestätigt, an dem er ein echtes Gespenst trifft. Es ist der Schleimgeist Hugo, der sich nach der Ausräumung anfänglicher Missverständnisse als echter Freund herausstellt. Ähnliches gilt für die professionelle Gespensterjägerin Frau Kümmelsaft (Anke Engelke). Ihr zunächst abweisendes Auftreten weicht Freundschaft. Und zu dritt treten sie einer Bedrohung entgegen, die keiner von ihnen im Alleingang abwenden könnte.

Kritik

Die Voraussetzungen des Films Gespensterjäger klingen gut. Das Drehbuch basiert auf einem Kinderbuch von Cornelia Funke und Anke Engelke kann man sich gut in einer komischen Hauptrolle vorstellen. Und auch der Auftakt des Films ist nett gemacht. Die Handlung beginnt mit einem Erzähler, der in die Geschichte einführt. Doch der wird nach wenigen Minuten durch hektische Schnitte ersetzt. Was zu einem ersten Stirnrunzeln führt, denn wozu braucht ein Kinderfilm eine Einführung aus mehreren Perspektiven? Eine Antwort könnte lauten: Um eine möglichst große, internationale Produktion zu sein.
Und tatsächlich ist Größe etwas, dass sich Gespensterjäger ins Aufgabenheft geschrieben hat. So kann die Gespensterjäger-Zentrale fast mit einer amerikanischen Großproduktion mithalten. Und auch die Effekte, Action und Tricks kommen nicht zu kurz. An Budget mangelt es offensichtlich nicht. Es ist schön, wenn in einen Kinderfilm investiert wird. Und es ist bedauerlich, wenn der Blick fest auf Hollywood gerichtet ist und dabei das Herz der Erzählung vergessen wird.

Da ich das zugrunde liegende Buch nicht gelesen habe, kann ich nur sagen, dass aus meiner Sicht ein anderer Schwerpunkt dem Film angestanden hätte: Die Themen Freundschaft und die Überwindung von Ängsten. Diese Themen kommen vor, ohne vertieft zu werden. Leider bleibt auch die Ausarbeitung der Hintergründe sowie der Charaktere auf der Strecke. Schade, dass die Figuren so wenig einladen dem Geschehen zu folgen. Weiterhin vermisse ich Charme und Humor. Die dargebotenen Witze wie die Allergie der Chefin der Gespensterjäger und ihre Probleme mit einer (nur am Telefon vorkommenden) übermächtigen Mutter sind Hausmannskost. Unterm Strich fehlt es mir an auflockernden Witzen, beziehungsweise das, was lustig sein soll, überzeugt nur bedingt.

Zu den Leistungen der Darsteller gibt es leider wenig zu sagen. Sie bleiben durch die Bank blass. Anke Engelke mag eine geübte Komödiantin sein. Zum Charakterfach steigt sie in diesem Film nicht auf. Zudem frage ich mich, wer auf die Idee kam, ihr diese unpassende Zweithaarfrisur zu verpassen? Engelkes Zusammenspiel mit Milo Parker funktioniert mäßig. Wobei die Vorstellungskraft des Jungmimen entweder begrenzt ist oder er vom Regisseur zu wenig geführt ist. Christian Ulmen und Christian Tramitz könnten Erwachsene ins Kino locken. Doch sie bleiben auf Nebenrollen beschränkt. Bei Christian Ulmen kommt hinzu, dass die Witze, die er als Filmvater über die Sexualität seines Sohnes macht, peinlich berühren und in einem Kinderfilm befremdlich wirken. Bleibt noch Bastian Pastewka zu erwähnen, der als Stimme des Schleimgeists für Lacher sorgt.

Wie bereits erwähnt wird viel Wert auf den internationalen Markt gelegt. Deshalb muss der deutsche Zuschauer in Kauf nehmen, dass die deutschen Darsteller mit ihren gewohnten Stimmen sprechen, aber die Mundbewegungen nicht zur Artikulation passen, weil in Englisch gedreht wurde. Weniger tragisch ist, dass das Messgerät die Temperatur stets in Celsius und in Fahrenheit anzeigt. Die meisten gelesenen Texte, die der Zuschauer sehen kann, sind in Deutsch. Nur in der Bibliothek ist die Registerkarte plötzlich in Englisch. Weiterhin fehlt mir die Verortung. Die Handlung spielt erkennbar in irgendeiner westeuropäischen Stadt. Doch der Verzicht auf eine Festlegung wirkt gewollt.

Fazit
Die genannten Stärken und Schwächen machen Gespensterjäger weder zu großem Hollywoodkino noch zu einer kleinen, charmanten Produktion. Schade.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: DeutschlandIrlandÖsterreich
Jahr: 2014
Laufzeit ca.: 98
Genre: FamilieKomödie
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 02.04.2015
Heimkino: 15.10.2015

Regie: Tobi Baumann
Drehbuch: Tobi Baumann • Murmel Clausen • Martin Ritzenhoff • Christian Tramitz • Roland Slawik • Mike O'Leary
Literaturvorlage: Cornelia Funke

Schauspieler: Anke Engelke (Hedwig Kümmelsaft) • Milo Parker (Tom Tomsky) • Bastian Pastewka (Hugos Stimme) • Karoline Herfurth (Frau Hoffmann) • Christian Tramitz (Gregor Schmidt) • Christian Ulmen (Till Tomsky) • Julia Koschitz (Patrizia Tomsky) • Ruby O. Fee (Lola Tomsky) • Amy Huberman (Emily) • Bibiane Zeller (Frau Kubicheck) • Carolin Kebekus (Glenda) • Axel Stein (George) • Tamás Ferkay (Bibliothekar) • Nina Fog (CGI Hauptcomputer) • Helfried Hassfurther (Ölgen Fjörsen)

Produktion: Boris Ausserer • Oliver Schündler
Szenenbild: Christoph Kanter
Kostümbild: Annegret Stössel
Maskenbild: Friederike Mirus • Dunja Pflugfelder
Kamera: Thomas W. Kiennast
Musik: Ralf Wengenmayr
Schnitt: Alexander Dittner


Bild: Warner Bros.

1 customer review

befriedigend
02.04.15
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