High Life

Kinoplakat High Life

Monte ist Teil eines Forschungsprojekts, das herausfinden will, ob die Reproduktion menschlichen Lebens im Weltall möglich ist. Zu diesem Zweck fliegt ein Raumschiff durchs All, das nur Verbrecher an Bord hat. Selbst die Reproduktions-Medizinerin Dr. Dibs ist eine Mörderin. An ihren Schützlingen testet sie, ob die Strahlung des Weltalls Föten tötet.

Als der Zuschauer Monte und seine Tochter Willow kennenlernt, ist der Rest der Besatzung bereits tot. Der Film erzählt in vielen Rückblenden die Geschichte der Mission und tätigt Einblicke in Montes Vergangenheit.

Kritik

Das Leben an Bord des kastenförmigen Raumschiffes entspricht in vielen Belangen den Vorstellungen des Kinos. Leichen etwa werden in weißen Säcken konserviert und ein Gärtchen liefert Nahrung. Auch weitere Bausteine des Films sind alte Bekannte. So trägt Juliette Binoche als Medizinerin einen kurzen weißen Kittel, der sie distanziert und wahrscheinlich eine Krankenschwester-Erotik verstrahlen soll.

Ihre Sexualität ist genauso verkorkst wie die der restlichen Besatzungsmitglieder. So viel der Film auch über die menschliche Fortpflanzung fabuliert, so abstrus bleibt die Darstellung. Da sammelt die Medizinerin regelmäßig Spermaproben ein oder es läuft ihr nach einem Samenraub die Beine hinab. In einer abstoßenden Szene reitet Juliette Binoche mehrere Minuten lang auf einem Dildo. Die Kamera zeigt zudem Szenen, bei denen das dargestellte schwarze Loch wie eine Eizelle scheint, um die Sterne wie Spermien kreisen. Wozu die Studien letzten Endes dienen könnten bleibt fraglich, weil die zur Erde gesandten Mitteilungen aufgrund der Distanz Jahre brauchen und bei ihrer Ankunft stark veraltet sind. Gleichfalls bleibt schleierhaft, warum das Ziel der Mission zunächst darin besteht die Fragen der Fortpflanzung zu klären und später soll die Crew herausfinden, ob es eine Möglichkeit gibt, die Rotationsenergie eines Schwarzen Loches zu nutzen. Wie die Energie zu transportieren wäre, dazu verrät der Film keine Idee und das ist nur eine von vielen Lücken.

Neben der löchrigen Logik fallen die ungenutzten Möglichkeiten auf. Die Menschen leben zwar auf engstem Raum zusammen, doch die Enge ergibt kein Kammerspiel. Vielmehr bleiben die Figuren erstaunlich charakterlos. Kaum jemand bekommt mehr Zeichnung als ein verurteilter Verbrecher zu sein. Warum eine nahe liegende Meuterei ausbleibt und die Besatzung nach der Pfeife der fiesen Medizinerin tanzt, verstehe ich nur bedingt. Ich sehe ein, sie hat den Zugang zum Computer, dem Bericht erstattet werden muss, damit die Lebenserhaltung eingeschaltet bleibt. Doch einen Finger mit einem Chip darin kann abgeschnitten werden und erfüllt seine Funktion weiterhin. Allianzen oder Freundschaften existieren nur ansatzweise. Trotz des jahrelangen Flugs und der räumlichen Enge macht hier jeder sein Ding.

Die Darsteller leisten wenig. Robert Pattinson in der Rolle des Monte lallt und nuschelt zu Film-Beginn ganz furchtbar in der englischen Fassung. Erst in den Rückblenden rafft er sich zu etwas mehr Artikulation auf. Mehr als einige wenige Gesichtsausdrücke wendet er nicht auf. Selbst der Orgasmus kann ihn nicht dazu bewegen eine Miene zu verziehen. Wenn er gehemmt an dem Brutkasten fingert, in dem seine Tochter liegt, wirft er die Frage auf, warum Menschen in experimentellen Filmen gerne mit gestörter Feinmotorik agieren? In diesem Fall passt es zu dem Anspruch nicht gelebtes Leben, sondern ein Panoptikum im Weltall zu bieten. Das mich jedoch nicht für sich einnimmt. Mir ist es gleichgültig, welche der Gestalten aus der Freakshow stirbt, weil ich sie nicht kennengelernt habe.

Fazit
Es gelingt mir nicht in dem Film "High Life" einen Unterhaltungswert zu erkennen. Es bleibt bei gedanklicher Selbstbefriedigung. Trotz des vielen Hantierens mit Sperma und der Darstellung von Muttermilch ist der Film eigenartig verklemmt. Das Gefühl, dass die Handlung im Weltall spielt, fehlt mir.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 20 %


Land: DeutschlandFrankreichGroßbritannienPolen
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 110
Genre: DramaScience-Fiction
Verleih: Pandora Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 30.05.2019

Regie: Claire Denis
Drehbuch: Claire Denis • Jean-Pol Fargeau • Geoff Cox

Schauspieler: Robert Pattinson (Monte) • Juliette Binoche (Dr. Dibs) • André Benjamin (Tcherny) • Mia Goth (Boyse) • Agata Buzek (Nansen) • Lars Eidinger (Chandra) • Claire Tran (Mink) • Ewan Mitchell (Ettore) • Gloria Obianyo (Elektra) • Jessie Ross (Willow) • Victor Banerjee (Professor) • Juliette Picollot (Journalistin)

Produktion: Laurence Clerc • Oliver Dungey • Christoph Friedel • D.J. Gugenheim • Andrew Lauren • Klaudia Smieja • Claudia Steffen • Olivier Thery
Szenenbild: François-Renaud Labarthe
Kostümbild: Judy Shrewsbury
Maskenbild: Marcin Rodak
Kamera: Yorick Le Saux • Tomasz Naumiuk
Musik: Stuart A. Staples
Schnitt: Guy Lecorne


Bild: Pandora Filmverleih

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