Kalte Füsse

Kinoplakat Kalte Füsse

In der Komödie bilden drei Menschen eine Zwangs-Gemeinschaft und sind dann aufeinander angewiesen, wenn sie die Tage im eingeschneiten Haus überstehen wollen. Freiwillig ist nur eine der drei Personen anwesend, die anderen zwei treibt etwas an. Und weil eine der drei Figuren ein Verbrecher ist, ist die Ausgangslage spannend.

Charlotte (Sonja Gerhardt) ist eine entschlossene junge Frau aus gutem Haus, die gerade eine Ausbildung zur Polizistin macht. Später will sie Jura studieren und damit in die Fußstapfen ihrer Mutter treten. Das ziemliche Gegenteil von ihr ist Denis (Emilio Sakraya). Er ist unzuverlässig, lebt von kleinen Gaunereien, ist momentan pleite und wohnungslos. Es bedarf eines riesigen Zufalls, damit Charlotte und Denis zusammentreffen. Und den leitet Charlottes Großvater Raimund ein, indem er einen Herzinfarkt erleidet. Während er im Krankenhaus ist, soll Denis in Raimunds Haus einbrechen, derweil Charlotte den ungeliebten Großvater für einige Tage pflegen soll.

Das Krankenhaus entlässt Raimund früher als geplant. Der ist zu Hause als Denis einbricht und dann von Charlotte überrascht wird. Sie hält Denis für den Krankenpfleger und der schlüpft schnell in die Rolle. Raimund kann den Irrtum nicht aufklären, weil er seit dem Schlaganfall nicht mehr sprechen kann. Ganz wehrlos ist er jedoch auch nicht und versucht Denis zu erschießen. Das schlägt fehl und die Nacht bricht herein. Am nächsten Morgen ist das Haus eingeschneit, das Trio sitzt fest und muss sich zusammenraufen.

Kritik

Der Film "Kalte Füsse" bietet eine interessante Ausgangslage. Drei unterschiedliche Charaktere werden in einem Haus eingeschlossen und müssen miteinander auskommen. Leider nutzt der Film jedoch viele Möglichkeiten nicht. Das beginnt damit, dass Heiner Lauterbach als Raimund nach dem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und nur noch knurren kann. Mit der Sprache entfällt auch die Möglichkeit die Läuterung des Menschenfeindes zu schildern. Ebenso wenig kommt es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem Misanthrop und dem Einbrecher Denis.

Bleibt also noch das Paar. Charlotte und Denis stammen aus gegensätzlichen sozialen Schichten was der Film ebenfalls nicht nutzt. Es gibt keinen Zusammenprall der Kulturen, denn der Umstand, dass eine angehende Polizistin auf einen Kleinganoven trifft, liegt brach. Wozu Charlotte eine Ausbildung zur Polizistin macht, anstatt direkt zu studieren bleibt fraglich. Es ist auch keine Zähmung der Widerspenstigen, weil Charlotte Denis' Charme einfach so erliegt. Denis wiederum zeigt keine nennenswerte Weiterentwicklung und findet erst gegen Film-Ende auf den rechten Weg zurück. Woran seine Mutter einen Anteil hat – doch die möglichen Konflikte zwischen Mutter und Sohn werden ebenso verschenkt wie sich bietender Humor. Zumal die Mutter Altenpflegerin ist, was Denis zunächst doof findet und dann diese Rolle spielt.

Von den drei Hauptdarstellern kommen nur zwei zum Zug. Sonja Gerhardt und Emilio Sakraya spielen ihre Rollen sympathisch. Der Film macht jedoch nicht den Eindruck von abgefilmten Leben, sondern gibt gespieltes Leben wieder. Das ist den Darstellern nicht anzukreiden. Auch die Wandlung hin zum Verlieben geschieht nicht organisch, sondern weil das Drehbuch es vorsieht. Abgesehen von den ungenutzten Möglichkeiten sind die grammatikalisch korrekten Dialoge ein Manko, weil sie so klingen, als spräche in freier Wildbahn niemand derart seltsam.

Der Humor zündet manchmal durch Zufall, meist jedoch stimmt der Zusammenhang nicht. Warum der Witz mit der Badewanne wiederholt werden muss, obwohl er schon beim ersten Mal nicht witzig ist, bleibt ein Geheimnis der Produktion. Witze, wie den, dass ein Penis am Fensterbrett festfriert, brauchte es nicht. Zumal der Film die derbe Ecke nicht konsequent bedient. Eher ist der Humor unbeholfen – was über den Film insgesamt gesagt werden kann.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Alternativtitel: Kalte Füße
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 97
Genre: Komödie
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.01.2019

Regie: Wolfgang Groos
Drehbuch: Christof Ritter

Schauspieler: Emilio Sakraya (Denis) • Sonja Gerhardt (Charlotte) • Heiner Lauterbach (Raimund) • Alex Czerwinski (Rene) • Gerti Drassl (Ingrid Metzler) • Jasmin Gerat (Sandra) • Jeanne Goursaud (Jasmin) • Adam Halajczyk (Sami) • Aleksandar Jovanovic (Adam) • Michael Ostrowski (Frank Peters) • Roman Schomburg (Sebastian Brandt)

Produktion: Jakob Claussen • Uli Putz
Szenenbild: Christoph Kanter
Kostümbild: Anke Winckler
Maskenbild: Gregor Eckstein • Jeanette-Nicole Latzelsberger
Kamera: Andreas Berger
Musik: Helmut Zerlett
Schnitt: Stefan Essl


Bild: Sony Pictures

1 customer review

befriedigend
03.01.19
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