Mein Leben ohne mich

Kinoplakat Mein Leben ohne mich

Ist es möglich Abschied zu nehmen ohne in Trauer und Selbstmitleid zu versinken? Es ist und Ann gibt ein Beispiel.

Ann (Sarah Polley) ist nicht unbedingt ein Glückspilz. Ihr Mann Don (Scott Speedman) ist häufig arbeitslos. Sie lebt mit ihm und den zwei Töchtern in einem Wohnwagen, der im Garten ihrer Mutter steht. Sie arbeitet nachts als Putzfrau, ihr Mann arbeitet dann tagsüber, wenn er Arbeit hat. Anns Mutter (Deborah Harry) ist notorisch unzufrieden. Das lässt sie ihre Tochter gerne spüren. Erst später wird die Mutter erkennen, dass sie selbst die Kraft zur Veränderung hat und sich selbst den Impuls geben muss. Bis dahin ist nicht mehr viel, denn Ann hat Unterleibskrebs. Zwei Monate gibt der Arzt ihr noch. Während er das sagt, kann er ihr nicht in die Augen schauen, aber immerhin hat er ein Bonbon für sie.

Ann beschließt ihren Mitmenschen nichts zu verraten. Weder ihrer Arbeitskollegin Laurie (Amanda Plummer), noch ihrer Familie. Laurie ist sehr hartnäckig und möchte unbedingt erfahren, welche Diät Ann gerade macht, denn Amanda hat Probleme mit Gewicht und Essen. Doch Ann hält eisern dicht. Ihrem Mann Don erzählt sie, sie leide unter Blutarmut.
Ganz bewusst plant Ann die letzten Wochen ihres Lebens. Die Wünsche, die sie sich noch erfüllen möchte sind einfach: Einmal künstliche Fingernägel tragen, eine neue Frisur und mit einem anderen Mann schlafen als mit Don, von dem sie mit 17 bereits ihr erstes Kind bekam. Ihren Vater im Gefängnis besuchen. Eine neue Frau für ihren Mann finden und damit für die Töchter eine neue Mutter.

Das Leben lässt sich nur bedingt planen. Ann trifft im Cafe und später im Waschsalon einen Mann (Mark Ruffalo). Der deckt sie zu als sie im Waschsalon einschläft und kümmert sich um ihre Wäsche. Lee ist ein eigenwilliger Typ. Er lebt in einer nahezu leeren Wohnung seitdem seine Freundin ihn verlassen hat und die Möbel mitnahm. Obwohl es gegen Anns Plan ist, verliebt sie sich in Lee und er sich in Ann. Sie gesteht ihm offen, dass sie verheiratet ist - doch nicht mehr. So kurios es klingt: Ann gibt Lee die Lust am Leben zurück. Sie bespricht für ihn eine Kassette, die er erst nach ihrem Tod erhält.
Eine neue Mutter für ihre Töchter zu finden ist gar nicht so einfach. Die erste Kandidatin, ihre Arbeitskollegin Laurie, fällt beim Test durch. Sie ist beim Abendessen einfach zu gierig. Die Friseurin kommt ebenfalls nicht infrage - vielleicht die neue Nachbarin? Einen dicken Punkt holt sie sich, als sie auf Anns Töchter aufpasst und die drei wunderbar harmonieren.

Für ihren Arzt ist Ann keine einfache Patientin. Doch für Ann besorgt er sich neue Bonbons und Ann akzeptiert im Gegenzug seine Schmerzmittel. Außerdem verspricht er, auf Anns Kassetten zu achten, die sie besprach, und ihren Töchtern jedes Jahr eine Kassette zum Geburtstag zu schenken. Ihrem Mann traut Ann das nicht zu. Er würde die Kassetten verlieren, das Überreichen vergessen oder alle auf einmal aushändigen. Auf keinen Fall jedoch will sich Ann ins Krankenhausbett legen und dahinsiechen. Sie wird in ihrem Zuhause sterben, denn bislang hat sie sich um ihre Familie gekümmert und jetzt ist ihre Familie an der Reihe.

Kritik

Gerade aufgrund der schwierigen Problematik ist "Mein Leben ohne mich" ein sehenswerter Film. Statt in Melancholie und Selbstmitleid zu versinken, strahlt Ann eine ungeheure Lebensfreude und Lebenslust aus. Sie vermittelt vielen Menschen ihrer Umgebung ein neues Lebensgefühl ohne sich dabei für andere zu opfern. Diese Einstellung, etwas aus seinem Leben zu machen färbt auch auf den Zuschauer ab.

Ann erzählt dem Zuschauer ihre Gedanken, Gefühle und vermittelt dadurch ein eindringlich, intimes Portrait. Stellenweise ist der Film etwas dialoglastig und rührt sehr in den Emotionen. Ohne auf einfältige Klischees hinaus zu wollen ist es ein Film, der deutlich die Handschrift weiblicher Regie trägt. Kaum ein Regisseur hätte diese Bildsprache benutzt, die Regisseurin Isabel Coixet einsetzt. Zuschauern, die ins Kino gehen, weil sie etwas mitnehmen möchten sei der Film ans Herz gelegt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: My Life Without Me
Land: KanadaSpanien
Jahr: 2003
Laufzeit ca.: 102
Genre: Spielfilm
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 04.09.2003
Heimkino: 20.09.2004

Regie: Isabel Coixet
Drehbuch: Isabel Coixet
Literaturvorlage: Nanci Kincaid

Schauspieler: Sarah Polley (Ann) • Scott Speedman (Don) • Mark Ruffalo (Lee) • Alfred Molina (Anns Vater) • Deborah Harry (Anns Mutter) • Leonor Watling (Nachbarin Ann) • Amanda Plummer (Laurie) • Julian Richings (Doktor Thompson) • Maria de Medeiros (die Friseurin) • Jessica Amlee (Penny) • Kenya Jo Kennedy (Patsy) • Sonja Bennett (Sarah)

Produktion: Esther García • Gordon McLennan
Szenenbild: Carol Lavallee
Kostümbild: Katia Stano
Maskenbild: Diana Davison
Kamera: Jean-Claude Larrieu
Musik: Alfonso de Vilallonga
Schnitt: Lisa Robison


Bild: Tobis

1 customer review

gut
04.09.03
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