Source Code

Kinoplakat Source Code

Eine Mischung aus menschlichem Verstand und Computerprogramm könnte die Verbrechensbekämpfung revolutionieren. Ungeklärt sind allerdings noch die ethischen und moralischen Fragen.

Am Anfang steht in Source Code die Verwirrung. Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) fährt in einem Zug, vor ihm eine unbekannte Frau, die ihn jedoch zu kennen scheint. Er versucht sich und Christina (Michelle Monaghan) die Situation zu erklären. Doch noch ehe er den Knoten entwirren kann, explodiert im Zug eine Bombe. Danach ist er allerdings nicht tot, sondern findet sich in einer Kapsel wieder. Was ist geschehen? Colter ist der Meinung als Kampfpilot für die US-Army zu arbeiten. Unvermittelt sitzt er erneut in dem Zug. Seine Aufgabe: Finde die Bombe und den Bombenleger.

Nur Stück für Stück begreift Colter die Zusammenhänge. Er ist teil eines neuartigen Computerprogramms - dem Source Code. Der ermöglicht es einem fremden Menschen die letzten acht Minuten aus dem Leben eines Verstorbenen in dessen Körper zu erleben. Wie in einer 3D-Simulation kann er sich frei bewegen und die Abläufe verändern. Nach den acht Minuten ist alles wieder auf Anfang. Nach Meinung der Wissenschaftler geht Colter in ein Paralleluniversum und nicht auf eine Zeitreise. Dass diese Annahme so nicht stimmt, beweist das Ende des Films.

Zurück zu Colter. Dessen einzige Ansprechpartnerin ist Colleen Goodwin (Vera Farmiga), deren Gesicht er auf einem Monitor sieht. Sie erteilt ihm harsche Befehle und der Soldat Colter gehorcht, kehrt immer wieder in den Zug zurück. Was er, und damit der Zuschauer, erst allmählich erfährt: In der Realität stehen die Regierung und die Verantwortlichen des Source Code unter Zeitdruck. Colter muss in der Simulation so schnell wie möglich den Täter finden, damit man ihn in der Realität verhaften kann und einen weiteren Anschlag verhindern.
Auf Colters Befindlichkeiten und Wünsche wird zunächst keine Rücksicht genommen. Doch mit Fortschreiten des Experimentes bekommt Goodwin zunehmend Gewissensbisse, denn Colter ist kein Freiwilliger. Man hat ihn ausgesucht, weil er ein geeigneter Kandidat ist. Als Colter das begreift, ist es für ihn ein harter Schlag.

Kritik

Der Film ist eine Kombination aus Zeitreise, Spannung, Action und moralischen Fragen. Seine Handlung gliedert sich in drei Abschnitte. Zunächst steht die Suche nach Puzzlestücken an. Dabei weiß der Zuschauer nur geringfügig mehr als der Held. Jede Rückkehr in den Zug trägt ein weiteres Mosaikstück bei und es entsteht ein Bild des Ganzen. In diesem Abschnitt nutzt der Film geschickt die privaten Belange eines Menschen mit Manipulation und Hinhaltetaktik.

Nach der Klärung der Umstände und der etwas ungelenken Offenlegung der Hintergründe erfolgt das Aufwerfen von Fragen. Ist es erlaubt, einen einzelnen Menschen wie ein Computerprogramm zu nutzen, wenn dadurch das Leben von Millionen Menschen gerettet werden kann? Und wie weit darf man dabei gehen? Ist es gestattet einen Menschen soweit zu reduzieren, wie es im Film geschieht? Die Abhandlung dieser Fragen erfolgt nicht ohne Klischees und Effekthascherei. Der leitende Wissenschaftler ist körperlich versehrt und geht mit einer Krücke. Und wenn man sieht, in welchem Zustand sich Colter in Wahrheit befindet, ist das dick aufgetragen. Moral, Gefühle und Gewissensbisse werden von einer Frau verkörpert. Vera Farmiga fängt dies allerdings gut auf und transportiert die Wandlung ihrer Figur glaubwürdig.

Der abschließende dritte Teil ist leider der schwächste des Films und verwässert den guten Eindruck. Statt den Film mit einem harten Schnitt (und dem finalen Kuss des Paares) zu beenden, gibt es ein unstimmiges Happy End. Das zu erklären ist nicht ganz einfach. Ich kann mit meinem Eindruck auch falsch liegen: Der Source Code, der zum ersten Mal angewendet wurde, funktioniert doch anders als angenommen. Es ist wider Erwarten möglich die Vergangenheit im Nachhinein zu ändern. Dadurch werden auch die moralischen Fragen abgeschwächt. Es stellt sich nicht mehr die Frage nach der Erlaubnis, sondern Colter nimmt freiwillig weiterhin am Programm teil. Einmal patriotischer Soldat, immer Patriot.

Fazit
Der Film Source Code ist eine insgesamt spannend erzählte Geschichte mit kleinen Schwächen. Seine Stärken liegen in den Themen und der Leistung von zwei Hauptdarstellern. Jake Gyllenhaal und Vera Farmiga machen ihre Sache gut. Michelle Monaghan fällt auf die Rolle der Stichwortgeberin zurück. Es scheint, dass auch Drehbuch und Regie nicht ganz klar war, ob Christina und Colter ein Paar sind oder nicht. In einer frühen Szene greift sie in seine Jacketttasche und holt die Zugfahrkarte heraus; was auf ein vertrautes, wenn nicht sogar enges Verhältnis deutet. Später macht sie den Eindruck, als habe sie schon lange auf seinen Kuss gewartet. Was die zwei distanziert.
Die Funktionsweise des alles bestimmenden Computerprogramms scheint ebenfalls nicht ganz durchdacht. Zunächst fällt die Erklärung dankenswerterweise knapp aus. Am Schluss drückt sich der Film um eine Darlegung weshalb das Programm anders funktioniert als eingangs beschrieben herum. Trotzdem: insgesamt betrachtet ein spannender Film.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: USA
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 93
Genre: KrimiMysteryRomantikScience-FictionThriller
Verleih: Kinowelt
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 02.06.2011
Heimkino: 03.11.2011

Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley

Schauspieler: Jake Gyllenhaal (Colter Stevens) • Michelle Monaghan (Christina Warren) • Vera Farmiga (Colleen Goodwin) • Jeffrey Wright (Dr. Rutledge) • Michael Arden (Derek Frost) • Cas Anvar (Hazmi) • Russell Peters (Max Denoff) • Brent Skagford (George Troxel) • Craig Thomas (Manager mit Golduhr) • Gordon Masten (Schaffner) • Susan Bain (Krankenschwester) • Paula Jean Hixson (Frau mit Kaffeebecher)

Produktion: Mark Gordon • Philippe Rousselet • Jordan Wynn
Szenenbild: Barry Chusid
Kostümbild: Renée April
Maskenbild: Diane Simard
Kamera: Don Burgess
Musik: Chris Bacon
Schnitt: Paul Hirsch


Bild: Kinowelt

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