Stolz und Vorurteil & Zombies

Kinoplakat Stolz und Vorurteil und Zombies

Der bekannte Stoff von Jane Austen neu interpretiert und mit einer Zombie-Apokalypse unterlegt. Frei nach dem Motto: Liebe mich, solange du noch kannst. Und statt roter Rosen bringt man ein Schwert zur Verabredung mit, denn Zombies sind auch nur Menschen.

Wir schreiben das Jahr 1811. Das Leben in Großbritannien geht seinen gewohnten Gang nach festen Regeln. Dazu zählt, dass man nicht unter Stand heiratet. Sehr zum Verdruss von Mrs. Bennet (Sally Phillips), die fünf Töchter unter die Haube bringen muss und dabei nur auf die Reize der jungen Frauen zählen kann, denn eine Mitgift haben sie nicht vorzuweisen. Und auch an Etikette mangelt es etwas, denn Mr. Bennet (Charles Dance) war es wichtiger, dass die Töchter in China in der Kampfkunst der Shaolin ausgebildet wurden als in gepflegter Konversation. Diese Entscheidung ist so praktisch wie überlebensnotwendig, weil das Land von einer Zombieplage heimgesucht wird. Der Adel setzt auf Verteidigung und Selbstverteidigung, während das einfache Volk den Zombies schutzlos ausgeliefert ist.

Kritik

Die Idee, den Stoff von Jane Austen zu entstauben, gefällt mir. Die Verfilmung des Romans von Seth Grahame-Smith jedoch nicht. Die zwei großen Kritikpunkte bestehen darin, dass die Vermischung der Genres misslingt und dass die Darsteller nicht mitreißen. Es steht die Frage im Raum, ob Fans von Zombiefilmen und Romantiker auf ihre Kosten kommen? Apropos: Eine Parodie ist das Ganze nicht.

"Stolz und Vorurteil & Zombies" bietet Romantik in den Zeiten einer Zombieplage und geht dabei zu wenig auf die veränderte Situation ein. Anfangs lautet diese sinngemäß so: Die Oberschicht hat in London eine letzte Zuflucht gefunden und die Stadt zur Festung umfunktioniert. Nun zieht der Adel zurück aufs Land und er verbarrikadiert seine Landsitze. Mit Ausnahme der Bennets. Ihr Besitz ist nicht gesichert - obwohl die Zombies bis in den nahe gelegenen Wald vorgedrungen sind. Dann tauchen die Heiratskandidaten auf und die Zombieplage wird mit den Querelen der Paarfindung verquickt.
Interessant an der modifizierten Lage ist, dass für sehr kurze Zeit die Möglichkeit im Raum steht, die Zombies neben den Menschen als Bewohner Großbritanniens zu etablieren, inklusive einer eigenen Aristokratie, nebst der Gefahr eines Bürgerkriegs. Diese Möglichkeit flammt auf und verlöscht sogleich wieder. Zombies hin oder her - man wandelt auf bekannten Pfaden.
Wodurch auch die weiblichen Hauptrollen verlieren. Die Ausbildung in asiatischer Kampfkunst hat ihnen Selbstbewusstsein gegeben. Was nicht jedem Mann gefällt. Dennoch beginnen die jungen Frauen nicht die Rollenbilder zu hinterfragen. Was schade ist, denn gerade das wäre interessant.
Leider ist es sogar so, dass die Handlung nicht versucht beiden Genres gerecht zu werden, sondern möglichst klassisch bleibt. Dadurch stellt sich der Film selbst ein Bein, indem er den Kern belässt und die Zombies anflickt.

Kommen wir auf die Romantik zu sprechen. Ein romantischer Film lebt vom Mitfühlen des Zuschauers. Schade, dass ich mit den Darstellern nicht mitgehen kann. Mich interessieren sie weder als Persönlichkeit noch berühren mich ihre Belange. Ihr Zusammenspiel lässt keine Funken fliegen. Wenn hier jemand frisch verliebt ist, dann gelingt es ihr / ihm gut das zu verbergen. Womit der Unterhaltungswert sich in Grenzen hält.
Auch optisch kann mich "Stolz und Vorurteil & Zombies" nicht überzeugen. Die Kostüme sind nett und ohne Pracht. Die Frauen sind hübsch anzusehen, während bei den Männern ein richtig stattliches Mannsbild fehlt. Zudem sind mir Jack Huston, Sam Riley und Matt Smith zu alt für ihre Rollen. Sam Riley zeigt so gut wie gar keine Bandbreite und bei Matt Smith wird mir nicht klar, welches Interesse seine Rolle an Frauen hat?

Da es keine Parodie ist, müsste der Film einer logischen Betrachtung standhalten. Mitnichten. Die Bennet-Töchter tragen Korsetts und können derart eingeschnürt kämpfen? Es heißt, dass Zombies Appetit auf menschliches Hirn haben. Doch wenn Zombies ihren Opfern das Gehirn wegfressen, könnten bestenfalls noch hirnlose Zombies entstehen. Weshalb können dann so viele Zombies im Film sprechen und geplant handeln? Wie gelingt es Mr. Darcy mit bloßen Händen die Tür eines Eisenofens, in dem ein Feuer lodert, zuzudrücken? Wo es Leichen gibt, da gibt es Fliegen. Deshalb scheint die Idee mit den Test-Fliegen unwahrscheinlich.

Letztlich bleiben Fragen unbeantwortet. Etwa die, wie die Menschen die Zombies besiegen? Dazu heißt es im Film, dass eine Schwangerschaft neun Monate dauert und das Erreichen des kampffähigen Alters 16 Jahre beträgt, während Zombies innerhalb von Sekunden mutieren.

Fazit
Die Idee etwas Neues zu wagen ist zu loben. Doch "Stolz und Vorurteil & Zombies" kaufe ich die Ausgangslage nicht ab. Sind Stände wirklich wichtiger als Solidarität und das nackte Überleben? Der Mix aus Romantik, Zombies, Kostümen, Kampfkunst, Rache und Verrat bildet kein geschmeidiges Ganzes. Die Martial-Arts-Einlagen werfen die Frage auf, wo die Grazien ausgebildet wurden? In einem Kloster der Shaolin oder im Stall hinterm Haus?
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Pride and Prejudice and Zombies
Land: USA
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 108
Genre: ActionFantasyHistorieHorrorKatastrophenfilmKomödieKostümRomantik
Stichwort: Zombie
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 09.06.2016
Heimkino: 28.10.2016

Regie: Burr Steers
Drehbuch: Burr Steers
Literaturvorlage: Seth Grahame-Smith

Schauspieler: Lily James (Elizabeth Bennet) • Sam Riley (Mr. Darcy) • Bella Heathcote (Jane Bennet) • Ellie Bamber (Lydia Bennet) • Millie Brady (Mary Bennet) • Suki Waterhouse (Kitty Bennet) • Douglas Booth (Mr. Bingley) • Sally Phillips (Mrs. Bennet) • Charles Dance (Mr. Bennet) • Jack Huston (George Wickham) • Lena Headey (Lady Catherine de Bourgh) • Matt Smith (Parson Collins) • Emma Greenwell (Caroline Bingley) • Eva Bell (Louisa) • Aisling Loftus (Charlotte)

Produktion: Marc Butan • Sean McKittrick • Brian Oliver • Natalie Portman • Annette Savitch • Allison Shearmur • Tyler Thompson
Szenenbild: David Warren
Kostümbild: Julian Day
Maskenbild: Dana Kalder
Kamera: Remi Adefarasin
Musik: Fernando Velázquez
Schnitt: Padraic McKinley


Bilder: Universum Film

1 customer review

befriedigend
02.06.16
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