Tanguy

Kinoplakat Tanguy

Der erste Eindruck ist charmant: Tanguy ist ein wohlerzogener junger Mann, der weiß, wo seine Vorteile liegen und stets die passende chinesische Weisheit auf den Lippen hat. Auf den zweiten Blick ist er ein Opportunist, der stets seinen eigenen Vorteil geschickt ausnutzt und Verantwortung an sich abprallen lässt durch das Absondern von Sprichwörtern.

28 Jahre ist er alt und wohnt immer noch zu Hause wie im Hotel. Er ist es gewohnt den Service zu nutzen, den seine Mutter ihm bietet. Seine Mutter hat nachts Träume, in denen sie Tanguy als Baby mit dem Kopf auf den Treppenstufen aufschlägt und ihn dann den Wölfen zum Fraß vorwirft. Die gesteht sie ihrem Therapeuten und der hält das für ganz normal.

Als der berühmte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt, beschließen Tanguys Eltern den Nesthocker zu vergraulen. Das beginnt relativ harmlos. Zunächst verschwindet das Lieblingshemd im Mülleimer, dann wird seine Wäsche zu heiß gewaschen, seine Mutter lässt einen Computer-Virus auf Tanguys PC einspielen; sie beginnt wieder mit der Bildhauerei und arbeitet mit einem Trennschleifer während Tanguy an seiner Doktorarbeit schreibt. Doch der ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen und genießt weiterhin in aller Seelenruhe den verbleibenden Rest an Komfort im Hotel Mama.

Da sich der Sohnemann als hartnäckig erweist, tun es ihm die Eltern gleich. Ihre Versuche Tanguys Freundes- und Bekanntenkreis zu vergraulen gelingt nur teilweise. Ab sofort artet der Rosenkrieg aus. Beim Tennisspiel schlägt der Vater seinem Sohn einen Ball in den Nacken und macht ihn um Haaresbreite zum Krüppel.

Kritik

Das idyllische Familienleben gerät aus den Fugen und Tanguys Eltern wagen das zu tun was andere Eltern vielleicht ebenfalls gerne täten - wenngleich der Film die Situation überspitzt. Er ist sehenswert inszeniert und die Schauspieler verleihen den Personen Glaubwürdigkeit. Wenn Sabine Azéma als Mutter beim Anblick ihres Sohnes stets sauer aufstößt, dann spielt sie das lebensecht. André Dussollier als Vater verlässt sich auf seine Autorität. Eine Reaktion die wohl die meisten Männer an den Tag legten. Seine militärische Strenge lässt den dreisten Sohn einfach kalt - selbst wenn der Vater ihn als Schamhaar beschimpft. Auch seine Schauspielkunst wirkt wie aus dem Leben gegriffen. Eric Berger als Tanguy verkörpert seine Rolle so, dass man ihm als Zuschauer den Hals umdrehen möchte. Gewürzt wird die Handlung mit den Kommentaren der Großmutter (Helen Duc) der als Einziger schon lange klar ist, dass der Herr Sohn so bald das Nest nicht verlassen wird. Die regelmäßigen Treffen mit ihrem Sohn nimmt sie gerne für ausgiebige Sticheleien zum Anlass.

Einen Haken gibt es bei aller Freude dann doch, denn die bitterböse Komödie legt zunächst ein gutes Tempo an den Tag, bis ihr die Luft ausgeht und sie Längen bekommt. Auch der Biss geht auf die Dauer leider verloren.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Alternativtitel: Tanguy - Der Nesthocker
Land: Frankreich
Jahr: 2001
Laufzeit ca.: 108
Genre: Komödie
Verleih: Prokino
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 30.05.2002

Regie: Étienne Chatiliez
Drehbuch: Étienne Chatiliez • Laurent Chouchan

Schauspieler: Sabine Azéma (Edith Guetz) • André Dussollier (Paul Guetz) • Éric Berger (Tanguy Guetz) • Hélène Duc (Odile Guetz) • Aurore Clément (Carole) • Jean-Paul Rouve (Bruno Lemoine) • André Wilms (Psychiater) • Richard Guedj (Patrick) • Roger Van Hool (Philippe) • Nathalie Krebs (Noëlle) • Delphine Sérina (Sophie)

Produktion: Charles Gassot
Szenenbild: Stéphane Makedonsky
Kostümbild: Elisabeth Tavernier • Khadija Zeggaï
Maskenbild: Françoise Andrejka
Kamera: Philippe Welt
Musik: Pascal Andreacchio
Schnitt: Catherine Renault


Bild: Prokino

1 customer review

befriedigend
30.05.02
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