The Mule

Kinoplakat The Mule

Earl Stone ist ein Mann, der es geschafft hat und dabei vieles vermasselt. Als Blumenzüchter hat er Preise gewonnen und es weit bis nach oben geschafft. Seine Rolle als Ehemann und Vater hat er zugunsten der Lilien vernachlässigt. Und wie die Pflanzen so ist auch er ein Spätentwickler. Zwölf Jahre nach dem Auftauchen der ersten Internetshops, die er verächtlich abgelehnt hat, ist sein Betrieb pleite wegen der Konkurrenz aus dem Web.

In seiner Not taucht er bei seiner Enkelin auf, wird von ihr freudig begrüßt und vom Rest der Familie frei heraus abgelehnt. Einer der Anwesenden steckt ihm einen Zettel zu und rät ihm, es als Kurierfahrer zu versuchen. Bald darauf ist Earl als Fahrer für ein Drogenkartell tätig. Seine Unauffälligkeit und seine Beredtheit lassen ihn einige Zeit durch die Maschen der Drogenfahndung schlüpfen. Auf deren Seite arbeitet der ehrgeizige Colin Bates (Bradley Cooper), dessen erklärtes Ziel es ist, das Maultier (Mule) zu schnappen, das seine Auftraggeber Tata (Opa) nennen.

Kritik

Das Konzept zum Film "The Mule" ist nett gedacht. Clint Eastwood spielt einen typischen Vertreter seiner Generation. Ein Mann, der meint im Beruf viel erreicht zu haben und damit auch seiner Familie gedient zu haben. Erst als der Tod näher rückt, wird ihm bewusst, welche Chancen er verpasst hat und er beginnt mit der Aussöhnung: mit seiner Ex-Ehefrau, seiner Tochter, lesbischen Frauen und Afro-Amerikanern.

Die Grundlage bietet Stoff für ein Familiendrama. Doch darauf will "The Mule" nicht hinaus. Anstatt die Schauspieler die Konflikte spielen zu lassen, werden die meisten im Klartext ausgesprochen; oft in Nebensätzen. Zudem bekommen die Rollen unterschiedlich viel Gewicht. Clint Eastwood ist mit dem Löwenanteil gut bedient, tapert über weite Strecken mit einem Gesichtsausdruck, der aussagen soll, dass er die Welt nicht mehr versteht, durch die Gegend. Viele Szenen zeigen ihn am Steuer seines Pickups; manchmal singt er dabei.

Die Menschen, denen er begegnet, bekommen zu wenig Raum und Ausbau, um den Film interessant werden zu lassen. Seine Familie lehnt ihn ab, verweigert manchmal sogar das Gespräch. Das ist im Ansatz stimmig. Doch die Konflikte gehen nicht in die Tiefe und das nimmt dem Film die Chance Verhältnisse zu entwickeln. Die fehlenden Familienbande wiegen andere Beziehungen nicht auf. Zu einem der Auftraggeber entwickelt Earl ein fast väterliches Verhältnis und erteilt eines Abends ungefragten Rat. Mit seiner Ansicht liegt er richtig, doch wirklich lebenserfahren sind seine Worte nicht.

Das ist leider symptomatisch für die Handlung: Die Dialoge sagen nicht viel aus. Wenngleich Clint Eastwood einen alten Mann spielt, bleibt das, was er zu sagen hat, an der Oberfläche. Er bereut es, sich nicht früher gekümmert zu haben und versucht nun die ihm verbleibende Lebenszeit noch zu nutzen, indem er seine Familie mit Geld unterstützt. Damit setzt er sein Muster fort und erfährt nur eine kleine Weiterentwicklung. Noch weniger zeigen die restlichen Mitglieder seiner Familie. Die sind über weite Strecken fest stehende Charaktere. Nur Diane Wiest als Ex-Ehefrau darf auf dem Sterbebett ein wenig Bandbreite zeigen. Indem sie sagt, er sei ihre größte Liebe und ihr größter Schmerz gewesen. Bis dahin darf sie jedoch nur schmollen.

Die Drogenfahndung ist der zweite Handlungsstrang und läuft meist beiläufig mit. Zur Polizeiarbeit oder dem Verhältnis der Fahnder untereinander hat das Drehbuch keine rechte Idee. Vielmehr scheinen die meisten Vorkommnisse im Film wie ein Stelldichein beliebter Szenen. Ein klares Urteil darüber, dass Drogen abzulehnen sind, fällt die Handlung gegen Filmende, nur indirekt und erstaunlich spät.

Handwerklich ist der Film solide. Der Schnitt ist entweder nur in der ersten Filmhälfte sprunghaft oder er bleibt es und es fällt mir nicht mehr auf, Geschmeidigkeit fehlt bis zum Filmende. Angesichts des Alters von Clint Eastwood liegt die Idee nahe, die Handlung als Ausdruck persönlicher Umstände und Ansichten des Darstellers zu nehmen. Es kann sein, dass Eastwood Rückschau halten will und manche Momente persönlich meint. Ich will dazu kein Urteil fällen und zu bedenken geben, dass das Drehbuch nicht von ihm selbst stammt.

Fazit
Der Film "The Mule" gibt Clint Eastwood viel Raum zur Selbstdarstellung, die nicht immer einen Unterhaltungswert für den Zuschauer darstellt. Im Gegensatz zu Robert Redford, der in seinen letzten Filmen unterschwellig bewies, wie fit er noch ist, setzt Clint Eastwood nicht darauf sportliche Szenen zu zeigen. Er beweist noch potent zu sein, indem er gleich zwei Prostituierte ins Bett holt. Bedauerlich ist, dass der Film hinsichtlich des Tiefgangs eine Grenze hat und der Story die Überraschung fehlt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 116
Genre: KrimiSpielfilm
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 31.01.2019
Heimkino: 20.06.2019

Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Sam Dolnick • Nick Schenk

Schauspieler: Clint Eastwood (Earl Stone) • Bradley Cooper (Colin Bates) • Manny Montana (Axl) • Taissa Farmiga (Ginny) • Andy García (Laton) • Alison Eastwood (Iris) • Michael Peña (DEA Agent) • Jill Flint (Pam) • Laurence Fishburne (DEA Special Agent) • Clifton Collins Jr (.Gustavo) • Dianne Wiest (Mary) • Ignacio Serricchio (Julio) • Noel Gugliemi (Bald Rob) • Robert LaSardo (Emilio)

Produktion: Clint Eastwood • Dan Friedkin • Jessica Meier • Tim Moore • Kristina Rivera • Bradley Thomas
Kostümbild: Deborah Hopper
Kamera: Yves Bélanger
Musik: Arturo Sandoval
Schnitt: Joel Cox


Bild: Warner Bros.

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