Million Dollar Baby

Kinoplakat Million Dollar Baby

Gleich mehrere Oscars gab es für Clint Eastwoods Erzählung von der Boxerin, die spät aufsteigt und tief fällt. Eine klassische Geschichte, in ruhigen Bildern erzählt.

Frankie Dunn (Clint Eastwood) ist aus besonderem Holz geschnitzt. Während seines Lebens als Box-Trainer hat er die Höhen und Tiefen des Sports durchlebt. Einer seiner ehemaligen Schützlinge, Eddie Scrap-Iron Dupris (Morgan Freeman) ist auf einem Auge blind, wofür sich Frankie eine Mitschuld gibt. Er verdient sein Gnadenbrot als Mädchen für alles in Frankies Studio. Zwischen ihnen ist in den Jahren eine Männerfreundschaft gewachsen, bei der Blicke anstelle von Worten gewechselt werden.

Der Meister selbst setzt mittlerweile auf Nummer sicher und trainiert nur noch auf Klasse, nicht mehr auf Wettkampf, weshalb ihn sein jüngster Schüler verlässt. Der Platz im Ring ist frei, es gäbe eine Bewerberin, doch Frankie trainiert keine Frauen. Davon ist Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) nicht abzuschrecken. Sie fällt solange lästig, bis der alte Mann sie akzeptiert. Gemeinsam steigen sie an die Spitze auf. Im Siegesrausch passiert das Unvorstellbare: Eine falsch spielende Gegnerin beendet Maggies Karriere jäh.

Kritik

Vor der Oscarverleihung sah es so aus, als könnte "Million Dollar Baby" die Tatsache zum Verhängnis werden, dass er Sterbehilfe thematisiert. Dann gewann mit "Das Meer in mir" ein Film, dessen Hauptthema Euthanasie ist, den Oscar als bester nicht englischer Film und für "Million Dollar Baby" gab es gleich mehrere Auszeichnungen: Den Oscar als bester Film, beste Regie für Clint Eastwood, Hilary Swank beste Hauptdarstellerin und Morgan Freeman als bester unterstützender Schauspieler. Offensichtlich traf Eastwood mit seiner Mischung aus Heldentum und Drama genau den Nerv.

Nun kann über die Aussagekraft der Oscars viel diskutiert werden - in diesem Jahr gab es meiner Ansicht nach bessere Leistungen. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Film handwerklich sowie schauspielerisch sehr gut gemacht ist. Sorgfältig baut das Drehbuch die Beziehung zwischen den Personen auf, bietet eine klare Identifikationsfigur, die sich eine Traumkarriere erarbeitet. An der Spitze des Ruhms kommt der Fall unter den Nullpunkt, denn die Sportlerin ist plötzlich querschnittgelähmt. Schlimmer noch: Ihre Familie versucht sie ums Vermögen zu betrügen und der Coach verweigert ihr anfangs die Sterbehilfe. Derartig kippt der Film zum Sozialdrama. Zusätzlich beleuchtet die Kamera das Leben des alten Haudegens, der eine harte Zeit durchlebt. Seine eigene Tochter hat sich von ihm abgewandt und die Frau, die er an ihrer Stelle adoptierte, wünscht zu sterben.

Das klassische Thema setzt auf das Gegensatzpaar beziehungsweise die Annäherung alter Mann junge Frau. Bietet in ruhigen Bildern großes Erzählkino. Die gezeigte Welt ist hart. Einige Bilder sind geradezu ekelhaft. So richtet der Coach die gebrochene Nase seiner Boxerin im Ring (mit entsprechendem Knacken). Die Erzählweise ist männlich. Es gehen nicht gezeigte Gefühle, Ausweglosigkeit, Bitterkeit und Machotum Hand in Hand - ähnlich wie bei "Mystic River". Ich frage mich, weshalb Clint Eastwood derartige Filme dreht? Beziehungsweise, was er damit auslebt?

Die Darsteller überzeugen in ihren Rollen. Clint Eastwood spielt den verknöcherten, vom Leben enttäuschten alten Mann, der von einer jungen Frau aufgetaut wird; Gefühle hat, aber sie nie zeigt. Hilary Swank tritt als Sympathieträgerin auf, die relativ spät noch eine Karriere beginnt. Dabei bleibt sie die bescheidene Frau aus einfachen Verhältnissen, die vergeblich um die Liebe und Anerkennung ihrer verkorksten Familie kämpft. Morgan Freeman spielt den guten Geist, der mit viel Rücksicht (auf die Marotten seines Chefs) den Betrieb in Gang hält. Wenn es sein muss, greift er regulierend ein und verpasst einem Grünschnabel eine blutige Nase. Ja, handwerklich und schauspielerisch ausgesprochen solide. Mit dem Thema sowie der Erzählweise kann ich jedoch nicht warm werden.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %


Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 132
Genre: DramaSport
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 24.03.2005
Heimkino: 04.10.2005

Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Paul Haggis

Schauspieler: Clint Eastwood (Frankie Dunn) • Hilary Swank (Maggie Fitzgerald) • Morgan Freeman (Eddie Scrap-Iron Dupris) • Jay Baruchel (Danger Barch) • Mike Colter (Big Willie Little) • Lucia Ruker (Billie "The Blue Bear") • Brían F. O'Byrne (Father Horvak) • Anthony Mackie (Shawrelle Berry) • Margo Martindale (Earline Fitzgerald) • Riki Lindhome (Mardell Fitzgerald) • Michael Peña (Omar) • Benito Martinez (Billies Manager) • Bruce MacVittie (Mickey Mack)

Produktion: Clint Eastwood • Paul Haggis • Tom Rosenberg • Albert S. Ruddy
Szenenbild: Henry Bumstead
Kostümbild: Deborah Hopper
Maskenbild: Tania McComas
Kamera: Tom Stern
Musik: Clint Eastwood
Schnitt: Joel Cox


Bilder: Warner Bros.

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