Was man von hier aus sehen kann

Kinoplakat Was man von hier aus sehen kann

Die Kurzfassung des Langinhalts: viel versprochen und wenig gehalten. Die Biografie einer Dorfgemeinschaft spielt vor skurriler Fassade und ist im Detail betrachtet Alltag.

Luise lebt in einem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt und jeder ein Geheimnis hat. Die meisten sind keine echten, sondern offene Geheimnisse, wie eine unerfüllte Liebe. Nur eine Frau hat in diesem Dorf kein Geheimnis: Selma. Die eigenwillige Frau lebt geografisch etwas abseits der Dorfgemeinschaft und ist trotzdem ein Teil des Ganzen. Ihre Enkelin Luise hat als erwachsene, junge Frau ein ernstes Problem: Sie kann nicht lügen. Na ja. Sie kann schon lügen, aber dann fällt jedes Mal etwas zu Boden. Somit kann sie lügen, darf es aber nicht. Ihr bester Freund in Kindertagen war Martin. Den hätte Luise gerne geheiratet. Warum sie dann nicht den Martin heiratet, sondern ihr Herz an einen buddhistischen Mönch verliert, der stets einen Bärenhunger hat, erzählt der Film. Wie auch viele andere kleine Begebenheiten von schrulligen Menschen und eigenartigen Ereignissen.

Kritik

Die Handlung springt unablässig zwischen den Erlebnissen der Kindheit und Luise als junger Frau. Manchmal ist das wirklich lästig, weil die Szenen offen enden und erst später fortgesetzt werden. Trotz der vielen Schnitte, der skurrilen Figuren und dem Hickhack bleibt die Erzählung insgesamt überschaubar. Geradlinig erzählt ergäbe die Handlung nur einen Bruchteil der Laufzeit. Es ist nicht richtig und auch nicht falsch, dass die Handlung den eröffnenden Monolog in erster Linie ausschmückt.
Leider fehlt der Handlung der Schwerpunkt und die Erzählung ist unentschlossen, wessen Geschichte sie erzählen will. Abwechselnd stehen Enkelin und Großmutter im Mittelpunkt. Im Ergebnis ist es kein Porträt der starken Großmutter wie es "Antonias Welt" bietet (an den der Kritiker beim Schauen mehrfachen denken musste). Es ist eine Geschichte über eine junge Frau in einem Dorf, die den Punkt verpasst, ab dem die Komödie die Geschichte der skurrilen Figuren erzählen sollte. So bleibt es ein oberflächliches Springen, bei dem Bezüge und Konsequenzen fehlen. Ein Beispiel: Luise verliebt sich in einen buddhistischen Mönch, der stets Heißhunger hat. Beides charakterisiert den jungen Mann kaum und trägt streng genommen so gut wie nichts zum Film bei. Der Bengel könnte auch Pickel haben oder einen Irokesenschnitt. Würde die Großmutter sagen, dass die Christin Luise niemals einen Buddhisten heiraten kann, könnte daraus ein Konflikt entstehen, der fürs Publikum spannend ist. So jedoch bleibt es Fassade. Zudem fällt auf, dass nicht alle Personen gleichviel Raum bekommen. Manche bleiben Statisten wie der Eisverkäufer Alberto, der in Wahrheit ein Grieche ist. Zudem klingen manche Elemente bei der ersten Erwähnung spannend, wie die buddhistischen Mönche, und enttäuschen später, weil sie nicht Gegenstand der Handlung werden. Das Brimborium, das aus der Verbindung von Okapi und Hellsicht gesponnen wird, endet als Nebensache. Und die damit verbundene Briefkasten-Szene ist aufgesetzt. Das Genre ist sprunghaft. Manchmal ein Märchen, dann ein Drama, dann eine Tragikomödie. Durchgängig gefällig ist das eigenwillige Szenenbild. Die Schauspielerinnen und Schauspieler verkörpern ihre Rollen von annehmbar bis sehenswert.

Fazit
Was anfangs vielversprechend oder ungeheuer klingt, verpufft mit der Zeit, denn anstelle die skurrilen Szenarien mit Leben zu füllen, bleibt es bei angekratzten Biografien. Es macht den Eindruck, dass den Kreativen bewusst war, dass die Geschichte hinter der Fassade fehlt und sie versuchen, den Mangel an Inhalt durch die Schnitttechnik zu kaschieren.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: Deutschland
Jahr: 2022
Laufzeit ca.: 110
Genre: DramaKomödieTragikomödie
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 29.12.2022

Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Aron Lehmann
Literaturvorlage: Mariana Leky

Schauspieler: Luna Wedler (Luise) • Corinna Harfouch (Selma) • Karl Markovics (Optiker) • Rosalie Thomass (Marlies) • Benjamin Radjaipour (Frederik) • Peter Schneider (Palm) • Ava Petsch (Luise (Kind) • Jasin Challah (Alberto) • Heidi Ecks (Inge) • Golo Euler (Heinrich) • Ikko Masuda (Teitaro Rinponche) • Katja Studt (Astrid) • Hansi Jochmann (Elsbeth) • Cosmo Taut (Martin) • Isabell Pannagl (Elsbeth, jung) • Sophia Vogel (Selma) • Johannes Allmayer (Peter) • Nuriye Jendroßek (Arzthelferin Sabine) • Florian Kroop (Optiker, jung) • Thorsten Merten (Herr Rödder) • Florens Schmidt (Matthew) • Maya Haddad (Melissa)

Szenenbild: Eva-Maria Stiebler
Kostümbild: Nicole Pleuler
Maskenbild: Tatjana Krauskopf • Kerstin Wieseler
Kamera: Christian Rein
Ton: Petra Gregorzewski
Musik: Annette Gentz
Schnitt: Ana de Mier y Ortuno


Bild: Studiocanal

1 customer review

Befriedigend
27.12.22
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