11:14

Kinoplakat 11:14

Als in Middletown die Uhr auf 11:14 Uhr nachts springt, stößt ein junger, angetrunkener Mann, der gerade mit seiner Freundin über Handy telefoniert, unter einer Brücke mit einem Mann zusammen. Einem Unbekannten, den er anschließend mit eingedrücktem Gesicht im Straßengraben findet. Das ist das Ende einer langen Reihe von schier unglaublichen Ereignissen, die bereits viel früher begonnen haben, und die alle irgendwie miteinander verwoben sind.

Middletown ist ein typischer amerikanischer Vorort: ruhig, verschlafen, langweilig. Der Film "11:14" beginnt um 11:14 nachts. Jack (ein erfreuliches Wiedersehen mit "E.T." Henry Thomas) fährt angetrunken auf dem Highway und telefoniert mit seiner Freundin, die er gerne besuchen möchte. Sein telefonisches Drängen wird urplötzlich unterbrochen, als genau um 11:14 ein Körper auf seinen Wagen kracht. Jack ist natürlich davon überzeugt, einen Menschen überfahren zu haben. Als er entsetzt bremst und voller Panik nach dem Verletzten sucht, entdeckt er im Straßengraben die Leiche eines Unbekannten mit eingeschlagenem Gesicht. Jack ist verzweifelt. Er hat keinen Führerschein mehr, er ist angetrunken, und vor ihm liegt eine Leiche, an deren Tod er offensichtlich schuld ist. Also versucht er kurz entschlossen, die Leiche in seinem Kofferraum zu stopfen. Da hält ein Polizeiwagen neben ihm. Außer Officer Hannagan (Clark Gregg) sitzen bereits zwei Verhaftete darin. Der Officer fragt, ob alles in Ordnung sei, kommt aber schnell dahinter, dass dem nicht so ist, und verhaftet Jack.

Damit haben Sie bereits einen Großteil der Beteiligten kennen gelernt, die mit ihren Handlungen im Laufe des Abends dafür gesorgt haben, dass "11:14" künftig eine wichtige Zeit-Markierung in der Geschichte von Middletown bedeutet. Da ist die Verkäuferin Buzzy (großartig wie immer: Hilary Swank), die die Spätschicht in einem Lebensmittelladen übernommen hat. Als ihr Kollege Duffy (sehr überzeugend: Shawn Hatosy) den Laden überfällt, erkennt sie ihn natürlich. Duffy braucht Geld für eine Abtreibung seiner Freundin, und es beginnt eine ausgesprochen amüsante Diskussion über Sinn und Unsinn der Tat, die damit endet, dass Duffy Buzzy eine Alibi-Schusswunde verpasst und sie dafür verhaftet wird.

Norma (toll: Barbara Hershey) und Frank (charaktervoll: Patrick Swayze) sind die Eltern von Cheri (profiliert: Rachel Leigh Cook), einem gelangweilten Teenager, dem alles auf die Nerven geht. Cheri wimmelt ihren Freund ab, um sich mit einem interessanteren Typen auf dem Friedhof zu treffen. Vater Frank folgt ihr, um sicher zu gehen, dass seiner geliebten Tochter nichts passiert. Als er eine Leiche findet, ist er davon überzeugt, dass Cheri dafür verantwortlich ist und sorgt für die "Entsorgung".

Die Freunde Mark (Colin Hanks), Eddie (Ben Foster) und Tim (Stark Sands) fahren mit ihrem Van ziellos durch die Nacht und ärgern andere Autofahrer, in dem sie Sachen aus dem fahrenden Auto werfen. Das hat ziemlich schreckliche Folgen, als einer der Drei gerade aus dem Seitenfenster pinkelt, während der andere ein Mädchen überfährt. Das Mädchen ist tot, der Penis abgerissen. Alle diese genial verwobenen Handlungsstränge laufen genau um 11:14 zusammen, und beginnen sich auf faszinierende, spannende, erschreckende, skurrile, morbide aber auch amüsante Weise zu entwirren.

Kritik

Filme, in denen verschiedene Ereignisse, die anfangs nicht erkennbar miteinander zu tun haben, schließlich doch zusammengehören und sich gegenseitig verursacht haben, gibt es ja einige. Siehe "Magnolia", siehe "Memento" oder auch "Butterfly Effect". Aber was dem erst 29jährigen Newcomer Greg Marcks hier mit dem Film "11:14" gelungen ist, ist schon etwas Besonderes. Mit unglaublicher Geschicklichkeit und Raffinesse verwebt Marcks, der sowohl für Buch als auch für Regie verantwortlich zeichnet, mit tiefschwarzem Humor Lebenslinien, die eigentlich nicht zusammenpassen, mit Schicksalen, die nur der Zufall zusammenführen kann. Schlag auf Schlag, so schnell, dass man kaum Atem holen kann, folgen die kaum voraussehbaren Wendungen und Umkehrungen der Story. Und wenn man mit erleichtertem Aufatmen davon überzeugt ist, aha, so war das also, weil … geht's schon wieder ganz und gar anders weiter. Ich habe mir den Film "11:14" schon zweimal angesehen, und bin immer noch fasziniert und begeistert, und werde ihn mir mit großem Vergnügen auch noch ein drittes Mal ansehen.

Fazit
"11:14" ist ein außergewöhnlicher Film, vor allen Dingen als Debüt. Hier wird Spannung pur geboten, gepaart mit einer überaus intelligenten und präzise durchdachten Story, mit schwarzem Humor, morbidem Amüsement, makabrer Brutalität, und einem exzellenten Darstellerteam. Nichts für schwache Nerven, aber ein Muss für alle anderen, die bei einem Thriller gerne selbst mitdenken und sich überraschen lassen.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 80 %


Land: KanadaUSA
Jahr: 2003
Laufzeit ca.: 85
Genre: MysteryThriller
Verleih: 3L Film
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 01.09.2005
Heimkino: 02.03.2006

Regie: Greg Marcks
Drehbuch: Greg Marcks

Schauspieler: Henry Thomas (Jack) • Blake Heron (Aaron) • Barbara Hershey (Norma) • Clark Gregg (Officer Hannagan) • Hilary Swank (Buzzy) • Shawn Hatosy (Duffy) • Stark Sands (Tim) • Colin Hanks (Mark) • Ben Foster (Eddie) • Patrick Swayze (Frank) • Rachael Leigh Cook (Cheri) • Jason Segel (Leon)

Produktion: Beau Flynn • John Morrissey
Szenenbild: Devorah Herbert
Kostümbild: Christopher Lawrence
Maskenbild: Dorothy Pearl
Kamera: Shane Hurlbut
Musik: Clint Mansell
Schnitt: Dan Lebental • Richard Nord


Bild: 3L Film

2 customer reviews

gut
01.09.05
Show more
gut
01.09.05
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.