21 Bridges

Kinoplakat 21 Bridges

Der Krimi setzt auf großspurige Action, einen hohen Bodycount und einen knallharten Cop. Der trägt seit der Kindheit ein Trauma in sich: Bereits mit zehn Jahren muss Andre vom Vater Abschied nehmen, der ehrenvoll im Dienst gestorben ist. Während der Beerdigung vergisst der Geistliche weder den Verstorbenen als Helden darzustellen, noch das Fegefeuer zu beschwören. Für Andre ist klar: Er wird Cop.

Nach einem Schnitt setzt die Handlung Jahrzehnte später ihre Erzählung fort. Zwei unbedeutende Drogenkuriere geraten in eine Falle. Anstelle der zu erwartenden dreißig Kilo Kokain warten geschätzte dreihundert Kilo auf sie. Die Männer versuchen mit fünfzig Kilo zu entkommen – doch ein dummer Zufall hat Cops herbeigeführt. Die sind schnell niedergemäht und auch die herbeigeeilte Verstärkung wird teils in den Autos durchsiebt noch ehe sie aussteigen kann. Für die zwei Kleinganoven beginnt eine Hetzjagd, denn wenn Cops sterben, dann kennt die Staatsgewalt kein Pardon und es ist die Rechtfertigung für eine überlange Verfolgungsjagd, die ein pathetisches Bild von modernen Helden zeichnet, die als Märtyrer für Recht und Ordnung sorgen, während sie von Politikern alleingelassen und von Normalsterblichen für ihre Arbeit beschimpft werden.

Kritik

Der Film "21 Bridges" ist pure Action und ordnet andere Belange unter. Wer gerne reine Action sieht, ist hier richtig. Die Hetzjagd durch das nächtliche Manhattan sorgt für durchgängiges Tempo. Egal ob im Auto, beim Dauerlauf oder Parkour, ständig ist jemand in Bewegung. Aufgelockert werden die Aufnahmen am Boden durch viele Luftaufnahmen mit dröhnenden Hubschraubern. In den gnadenlosen Schießereien sterben Menschen wie die Fliegen. Selbst die Wand eines Hauses wird durchschossen.

Die Spannung erreicht gute Fernsehqualität. Was auch darin begründet liegt, dass die zu erwartende Ermittlungsarbeit ausfällt. Die Dummheit der Verbrecher spielt den Cops das Foto einer Radarfalle in die Hände und schon haben sie eine Spur. Jetzt gibt eins das andere. Wirkmächtig wird die Schließung der 21 Bridges, die Manhattan mit dem Festland verbinden, verkündet. Erstaunlich ist, dass die Sperrung im Verlauf der Handlung keine Rolle spielt, weil die Verbrecher nicht bis zu einer Brücke vordringen. Somit bleibt dieser Akt reine Show. Leider hat die Schließung auch keine andere Konsequenz. Niemand prangert die staatliche Willkür an und es kommt auch niemand zu schaden. Es gibt keine geplatzten Verträge oder Tote, weil der Krankentransport unmöglich war. Somit lässt sich sagen: Der Film tönt gerne groß.

Eine zweite Ebene ist das Persönliche. Die ist nett gedacht, bleibt aber in der Umsetzung eine Nebensache, weil die Umstände angerissen bleiben. Es nutzt dem Zuschauer wenig, zu erfahren, dass Hauptdarsteller Andre zuhause seine demente Mutter pflegt. Zumal es so gut wie nichts über den Mann aussagt. Er bleibt ein knüppelharter Cop, wie ihn das Kino in Filmen des Genres gerne zeigt. Gleiches gilt für die Erwähnung der Ehe des Captains. Mann und Frau sind Schichtarbeiter, die einander manchmal deshalb nicht sehen und von einem besseren Leben träumen. Die Ehe ist ansonsten nicht Gegenstand der Handlung und eine schlechte Begründung für die Taten des Captains. Selbst die Bösewichte bekommen einen tabellarischen Lebenslauf, der keine Begründung dafür ist auf die schiefe Bahn zu geraten. Alles in allem kann ich mit keiner Figur im Film mitgehen oder -fühlen.

Einige gesellschaftliche Aspekte poppen kurz auf. Ein schwarzer Cop, der an die Gesetze glaubt, die eine von Weißen dominierte Gesellschaft aufstellt. Ein Staat, der mit Überwachungskameras arbeitet und einen Stadtteil ohne Rücksicht zu nehmen abriegelt. Schade, dass diese interessanten Aspekte Randerscheinungen bleiben.

Fazit
"21 Bridges" haut mächtig auf den Putz. Die Soundkulisse ist überzogen. Die Story hat viel Pathos, will dem Drama eine persönliche Note verleihen. Die Action geht in Ordnung, der Rest ist ohne Tragweite.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 101
Genre: DramaKrimi
Verleih: Leonine
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 06.02.2020

Regie: Brian Kirk
Drehbuch: Adam Mervis • Adam Mervis • Matthew Michael Carnahan

Schauspieler: Sienna Miller • Jamie Neumann (Leigh) • Taylor KitschJ. K. SimmonsChadwick Boseman (Andre Davis) • Keith David • Gary Carr (Hawk) • Stephan James • Victoria Cartagena • Toby Hemingway • Louis Cancelmi (Bush) • Dale Pavinski (Tom Cheever)

Produktion: Chadwick Boseman • Logan Coles • Anthony Russo • Joe Russo
Szenenbild: Greg Berry
Kostümbild: David C. Robinson
Maskenbild: Pamela Peitzman
Kamera: Paul Cameron
Musik: Alex Belcher • Henry Jackman
Schnitt: Tim Murrell


Bild: Leonine

1 customer review

befriedigend
27.01.20
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.