7500

Kinoplakat 7500

Kurz nach Abheben des Flugzeugs erreicht den Tower die Durchsage "7500". Das Codewort für eine Flugzeugentführung. Flugsicherheitsbegleiter sind keine an Bord und die Crew muss die Situation allein durchstehen.

Der Arbeitstag beginnt für die Crew des Flugs von Berlin nach Hannover mit Routine. Selbst die zwei verspäteten Fluggäste schaffen es in letzter Minute an Bord und dann rollt das Flugzeug auf die Startbahn. Kurz nach Erreichen der Flughöhe schießt der Adrenalinpegel hoch, weil Terroristen Geiseln nehmen. Ihr Ziel ist das Cockpit und tatsächlich gelingt es ihnen einzudringen und den Kapitän anzugreifen. Auch der erste Offizier ist verletzt, aber noch flugtauglich. Er kann die Angreifer zurückdrängen und die Cockpittür wieder schließen. Doch die Terroristen sind weiterhin an Bord und drohen damit die Situation eskalieren zu lassen.

Kritik

Der Film "7500" ist der Versuch, eine Flugzeugentführung aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu schildern, indem die Kamera das Cockpit nicht verlässt. In der Zuspitzung der Idee handelt der Copilot über lange Zeit allein. Das Experiment beginnt spannend. Ein erster Offizier, der mit seinen einunddreißig Jahren noch relativ jung ist, gerät in eine Extremsituation und muss eine Entscheidung treffen. Wenn er die Tür zum Cockpit öffnet, löst er damit Schlimmeres aus oder deeskaliert er die Situation? Vom Tower bekommt er keine echte Hilfe und der Pilot ist bewusstlos.

Die Ausgangslage ist geschaffen und es steht die Ausarbeitung an. In anderen Filmen zum Thema Flugzeug-Entführung oder –Katastrophe wechselt die Erzählung rasch in die Kabine, zum Tower oder zu Menschen am Boden. "7500" zeigt, warum das so ist. Bei ihm liegt die Konzentration auf einer Figur. Deren Blick reicht aus dem Fenster, was bei einem Nachtflug nicht viel hergibt und auf einen kleinen Monitor, der den Raum vor der Cockpittür zeigt. Den Blick auf die Kabine versperrt ein Vorhang. Eine Zeitlang gelingt es durch das ständige Hämmern gegen die Cockpittür und die Anspannung des ersten Offiziers die Nerven des Zuschauers zu kitzeln. Doch für eine Filmlänge ist das nicht ausreichend. Und die Handlung verliert wegen des eingeschränkten Blickwinkels.

Leider nicht das einzige Manko. Die Ausarbeitung könnte stimmiger sein. Es fällt auf, wie oft Joseph Gordon-Levitt Handlungen wiederholt; beispielsweise unmotiviert das Headset abnimmt und aufsetzt. Den Gesprächen fehlt es an der psychologischen Note. In Momenten, in denen die Nerven blank liegen, wird geschrien obwohl schweigen oder sehr leises nachdenkliches Sprechen stimmiger erschiene. Die Männer im Tower nehmen verbal wenig Anteil am Geschehen. Der Verhandlungsführer der Polizei ist anscheinend nicht für diese Situation geschult worden. Sätze, die mir beim Sehen einfielen, kommen im Film nicht vor. Etwa der Hinweis, dass nur der erste Offizier das Flugzeug fliegen kann. Und wer den als Angreifer tötet, tötet sich selbst. An Getränkeflaschen mit so dickem Glas kann ich mich nicht erinnern.
Die Handlung möchte Mitgefühl für einzelne Personen wecken. Doch mangels Darstellung der Charaktere bleiben es Fremde, mit denen mitzufühlen schwerfällt. Das späte Eingreifen der Passagiere (was nicht gezeigt wird) erfolgt so spät, weil es dem Spannungsbogen dienen soll – ist jedoch aufgesetzt.

Der Kritiker lehnt sich jetzt aus dem Fenster und vermutet, dass weniger die Experimentierfreude den Ausschlag für viele Entscheidungen gegeben hat als vielmehr das Budget. Das Fehlen von Spezialeffekten schmälert den Film nicht. Die Begrenzung auf den kleinen Raum mit fast nur einem Schauspieler ist eine unglückliche Entscheidung. Die im Zusammenspiel mit den Schwächen der Dramaturgie den Gesamteindruck drückt. Um es in der Sprache des Films zu sagen: Der Film kämpft mehrfach mit Strömungsabrissen und Turbulenzen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 92
Genre: DramaKrimiThriller
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 26.12.2019

Regie: Patrick Vollrath
Drehbuch: Patrick Vollrath • Senad Halilbasic

Schauspieler: Joseph Gordon-Levitt (Tobias Ellis) • Carlo Kitzlinger (Michael Lutzmann) • Max Schimmelpfennig (Student) • Murathan Muslu (Kenan) • Aylin Tezel (Gökce) • Denis Schmidt (Ramp Agent Mario) • Christian Skibinski (Passagier) • Paul Wollin (Daniel) • Aurélie Thépaut (Nathalie) • Omid Memar (Vedat) • Nino Porzio (Steward) • Anna Suk (Student) • Thuy-Van Truong (Passagier) • Hicham Sebiai (Hopper) • Passar Hariky (Kalkan) • Christoph Wielinger (Passagier) • Cornel Nussbaum (Peter) • Filippo Parisi (Passagier)

Produktion: Jonas Katzenstein • Maximilian Leo
Szenenbild: Thorsten Sabel
Kostümbild: Christine Zahn
Maskenbild: Samira Ghassabeh
Kamera: Sebastian Thaler
Ton: Erik Seifert
Schnitt: Hansjörg Weissbrich


Bild: Universum Film

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ausreichend
11.11.19
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vorgeschlagen

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