Abgefahren

Kinoplakat Abgefahren

Für Jungs gibt es nichts Schöneres als die eigene Carrera-Bahn. Auch das Kino entdeckt die Autorennen wieder neu. Mit "Abgefahren" geht eine deutsche Produktion ins Rennen.

Mia (Felicitas Woll) träumt von der Karriere als Rallyefahrerin. Aktuell muss sie ihren Tempohunger drosseln: Das eigene Fahrrad und der VW-Käfer der Mutter sorgen nicht für den gewünschten Kick. Am Auto der Erziehungsberechtigten schraubt sie mit Hingabe, was das Neurosen-Bündel von Mutter überhaupt nicht schätzt.

Das Aufeinandertreffen mit Cosmo bringt eine Lawine ins Rollen. Der Mistkerl klaut Mias Kuriertasche und verschwindet zunächst auf Nimmerwiedersehen. Mehr Sympathiepunkte erntet Fahrlehrerin Sherin, die Mia bei einem Platten Hilfe anbietet. Sherin und ihre Freundinnen schrauben an ihrem eigenen Vehikel. Doch das ist nicht alles. Die lesbische Sherin startete auch gerne mal mit Mia durch; und anfangs ist Mia dem Flirt nicht abgeneigt. Doch vielleicht empfindet sie auch für Cosmo mehr als sie zugeben möchte? Der Angeber ist tagsüber ein Biedermann und lebt seine wahre Natur während der illegalen Autorennen. Bislang ist Cosmo dabei ungeschlagen. Aber die (weibliche) Konkurrenz schläft nicht.

Nachdem die ersten Eifersüchteleien innerhalb der Frauen-Crew geklärt sind, beschließt das Team Cosmo und seinen Freund beim Airport-Race auszustechen. Dazu sind Sherin auch unlautere Mittel recht. Leider geht Sherins Schuss geht nach hinten los. Sie treibt mit ihrer Aktion Mia in Cosmos Arme. Der ist zwar ein Maulheld - hinter der rauen Fassade insgeheim jedoch ein dufter Typ. Bis dann das Dreamteam "Mia und Cosmo" vollends Gas geben kann, legt ihnen das Schicksal noch einige Steine in den Weg.

Kritik

"Abgefahren" setzt im Gegensatz zu seinen Vorgängern auf Handlung statt auf Action. Es gibt fast keine Stunts. Am Ergebnis gemessen war es nur fast die richtige Wahl, denn die Qualität von Drehbuch, Darstellung und Regie ist stark schwankend.
In puncto Humor treffen Schenkelklopfer sowie frische Einfälle aufeinander. Bei der Rollenthematik werden die Konstellationen "beste Freundin", Zickenterror und Boxenluder vermischt. Eine Zeitlang ist Mias Bissigkeit nett anzusehen. Wobei der Zuschauer schon anfangs ahnt, dass sie dem ritterlichen Charme von Cosmo am Ende nicht widerstehen wird.
Weniger gut gelöst wurde die Geschichte von Sherins Clique. Die Anwesenheit der Grazien wirkt mitunter überflüssig. Eine aus dem Trio wird beispielsweise hauptsächlich durch Eifersüchteleien und wiederholtes Erbrechen charakterisiert. Wenn dann die Damen auf Motorhauben in der Sonne aalen, wirkt es wie gewollt und nicht gekonnt (wir bringen Sex in die Sache). Zudem fällt es schwer zu glauben, das durchgestylte Trio habe andere Interessen als Make-up und Jungs. Nina Tenge als lesbische Fahrlehrerin einzusetzen ist mutig, weil lesbische Liebe thematisiert wird. Im Endeffekt wagt der Film es nicht die Konventionen zu sprengen und es siegt die Heterosexualität.
Als Darstellerin trägt Tenge außer ihrem hübschen Gesicht nicht viel zum Film bei. Nicht besser schlägt sich auch Sissy Perlinger, die ihre übliche Rolle nur variiert. Felicitas Woll trägt den Film weitgehend. Ihr Spiel ist witzig und sie spielt gut mit Charmebolzen Sebastian Ströbel zusammen.

Fazit
"Abgefahren" lässt an amerikanische Vorbilder denken. Doch im Vergleich Deutschland gegen USA ist für uns der Zug bereits abgefahren.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: Deutschland
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 89
Genre: Komödie
Verleih: Concorde Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 01.04.2004
Heimkino: 24.11.2004

Regie: Jakob Schäuffelen
Drehbuch: Axel Melzener • Frank Weiss • Jörn Precht

Schauspieler: Felicitas Woll (Mia) • Sebastian Ströbel (Cosmo) • Rebecca Mosselmann (Liane) • Nina Tenge (Sherin) • Teresa Weißbach (Britt) • Florian Fischer (Schraube) • Sissy Perlinger (Mias Mutter) • Jürgen Tonkel (Obermaier) • Konstantin Moreth (Andi) • Heiko Lange (Matze) • Christian Sklous (Fahrschüler) • Alessandro Barone (Michele) • Peter Rappenglück (Polizist) • Julia von Juni (Polizistin) • Carsten Zoltan (Verkäufer) • Detlef Bothe (Matador)

Produktion: Herbert Kloiber • Rikolt von Gagern
Kamera: Sonja Rom
Musik: Christian Heyne • Zdenek Kotala
Schnitt: Sandy Saffeels


Bild: Concorde Filmverleih

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