Anna

Kinoplakat Anna

Anna ist die perfekte Tarnung für das, was sie in Wahrheit ist. Nach außen hin das attraktive Model und in Wahrheit eine Killerin, die für den KGB tötet.

Die moderne Geschichte von Aschenputtel lautet etwa so. In Russland wird eine junge Frau von einem Talentsucher entdeckt und bekommt einen Job als Model in Frankreich. Dort startet sie eine Blitzkarriere und gerät ins Visier des FBI, weil ihr reicher Verehrer ermordet wird. Steckt hinter dem schönen Gesicht eine eiskalte Killerin? Selbstverständlich lautet die Antwort von Luc Besson. Der schickt seine Heldin in ein klassisches Agenten-Abenteuer, das wie ein Schachspiel funktionieren soll.

Kritik

Der Film "Anna" punktet als leicht konsumierbare Kost. Er bietet eine attraktive Hauptdarstellerin und eine annehmbare Story. Die Action ist um Lässigkeit bemüht und lässt die Gegner wie die Fliegen sterben. Die lesbische Liebe und der große sexuelle Appetit der Heldin sollen Männerfantasien ansprechen. Ins Detail geht die nachfolgende Kritik.

So elegant wie gedacht, ist die Handlung in der Umsetzung nicht. Der Auftakt, der Anna nach Frankreich begleitet und das erste Foto-Shooting erinnern an Fernsehwerbung, die Quirligkeit hat etwas Kopfloses. Das nachfolgende Spiel funktioniert zwar mit Taktieren und am Ende erfolgt das große Schachmatt, doch viel spannender als Menschen bei einer Partie Schach zuzusehen ist der Krimi nicht. Die als gewitzt gedachten Rückblenden, die mehrfach die Handlung unterbrechen, und verraten sollen, was der Zuschauer nicht wusste, erweisen sich als Bumerang, denn sie bremsen die Handlung aus, indem sie bereits Gesehenes wiederholen und lediglich erweitern. Weiterhin sind viele Szenen vorhersehbar und es fehlt der große Überraschungsmoment in diesem konventionellen Plot.

Schade ist, dass die Action wenig überzeugt. Heldin Sasha Luss sieht aus wie ein Model, agiert wie ein Model und es verwundert, wie sie es immer wieder schafft, Gegnergruppen niederzustrecken. Wenn ihr die Munition ausgeht, dann schaltet sie auf Prügeln um, weil sie keine Kampfkunst beherrscht. Die Überzeichnung ist nicht immer gelungen. Der extrem schlanken Frau dabei zuzusehen, wie sie mit einer Gabel einen Mann totsticht grenzt ans Lachhafte. Davon abgesehen sind die Actionszenen so inszeniert, dass sie wie Stellproben aussehen. Und es adelt den Film auch nicht, dass der Bodycount ausgesprochen hoch ist.

An der Logik hätte Luc Besson, der das Drehbuch geschrieben hat, mehr feilen können. Es tauchen bereits beim Sehen erste Fragen auf. Jemand versteckt in einem Hotelzimmer im Badezimmer eine Waffe. Warum wartet diese Person nicht auf das Opfer und erschießt es? Warum muss das Anna übernehmen? In einem Fall rechtfertigt das ihr Verhör. In einem anderen geht sie ohne Umschweife ins Bad und holt die Waffe. Leider geht das Drehbuch gerne den einfachsten Weg.

Stutzig machen mich die kleinen Handys im Jahr 1990. Ich kann mich noch daran erinnern, dass die ersten Mobiltelefone die Größe von Ziegelsteinen hatten. Aber vielleicht war der KGB der Zeit damals schon voraus. Laut Film verfügte er bereits über moderne Laptops. Das geht als dichterische Freiheit durch.
Seltsam mutet die Verwendung von Technik an. Es sind an vielen Orten Überwachungskameras des KGB installiert, selbst im Strandrestaurant. Im Hotelflur hängen welche und im Hotelzimmer wiederum nicht, weil das dem Plot zugutekommt und gleichzeitig ziemlich unlogisch ist.

Die Schauspieler bieten wenig auf. Hauptdarstellerin Sasha Luss mag ein gutes Model sein. Schade ist, dass ihr die Ausstrahlung von unterschwelliger Gefährlichkeit abgeht, weil sie die innere Anspannung nicht darstellt. Es fehlt ihr die Wachsamkeit, die sie von einer Sekunde zur nächsten loslegen lässt.
Helen Mirren ist damit unterfordert Kette rauchend auf Monitore zu starren und dummes Zeug zu reden. Das Englisch mit stark russischem Akzent, was die Darsteller überwiegend sprechen, klingt etwas albern und manche Satzbauten hätte ein Muttersprachler wohl nicht verwendet.

Fazit
Bei aller berechtigter Kritik ist Anna im Ansatz kein schlechter Film, sondern einer, der dadurch verliert sehr konventionell zu sein. Der Handlung schaden die Wiederholungen und die Lauflänge von mehr als zwei Stunden bekommt dem Film nicht. Nicht zuletzt fehlt dem Plot die Spannung.
Die Idee ein Schachspiel mit Matrjoschka-Puppen zu kombinieren funktioniert nicht, weil die Wendungen vorhersehbar sind und das, was Anna von sich preisgibt, mit dem Freilegen von psychologischen Ebenen wenig gemein hat. Die Action ist ungeschmeidig choreografiert, lässt das Töten zur Fließbandarbeit werden. Alles in allem ist der Film "Anna" akzeptabel.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: Frankreich
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 118
Genre: ActionThriller
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: -

Kinostart: 18.07.2019
Heimkino: 28.11.2019

Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson

Schauspieler: Sasha Luss (Anna) • Helen Mirren (Olga) • Luke Evans (Alex Tchenkov) • Cillian Murphy (Lenny Miller) • Lera Abova (Maud) • Alexander Petrov (Piotr) • Nikita Pavlenko (Vlad) • Anna Krippa (Nika) • Aleksey Maslodudov (Jimmy) • Eric Godon (Vassiliev) • Ivan Franek (Mossan) • Jean-Baptiste Puech (Samy)

Produktion: Marc Shmuger • Luc Besson
Szenenbild: Hugues Tissandier
Kostümbild: Olivier Bériot
Maskenbild: Thi Thanh Tu Nguyen
Kamera: Thierry Arbogast
Musik: Éric Serra
Schnitt: Julien Rey


Bild: Studiocanal

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