Astrid

Kinoplakat Astrid

Astrid Lindgren ist bis heute eine viel gelesene Kinderbuchautorin. Ihre Bücher wurden aus dem Schwedischen in mehr als einhundert Sprachen übersetzt. Der Film geht der Frage nach, was für sie prägend war. Dazu greift er eine kurze Zeitspanne aus dem Leben der späteren Schriftstellerin heraus.

Zur Einstimmung feiert die alte Astrid Lindgren einen runden Geburtstag und öffnet Fanpost. Die Fragen der Kinder, die ihr geschrieben haben, lassen sie gedanklich zurückgehen.

Mit sechzehn Jahren lebt Astrid Ericsson (Alba August) auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Schweden. Der Alltag ist hart und einer der wenigen Abwechslungen ist das Tanzvergnügen, bei dem Astrid beweist ein echter Wildfang zu sein. Die nächste wichtige Station in ihrem Leben ist das Volontariat bei der lokalen Zeitung "Vimmerby Tidning". Dort arbeitet sie und verführt den Besitzer und Herausgeber des Blattes. Astrid wird schwanger und verlässt Vimmerby, um in Stockholm eine Ausbildung zur Sekretärin zu machen. So kann sie ihre Schwangerschaft verheimlichen und das Kind in Dänemark zur Welt bringen. Dort bleibt ihr Sohn Lasse zunächst bei einer Ziehmutter und Astrid kehrt nach Schweden zurück. Die eifersüchtige Ehefrau ihres Geliebten hat jedoch Wind von der Affäre bekommen und verklagt ihren Ehemann wegen Unzucht. Der Prozess verzögert den Moment, in dem Astrid ihren Sohn nach Schweden holen kann.
Als das Gerichtsverfahren endlich durchgestanden ist, kommt es zum Bruch des Paares und Lasse verbleibt in Dänemark. Erst als seine Ziehmutter erkrankt, holt Astrid ihren Sohn nach Schweden. Sie hat mittlerweile eine neue Stelle angetreten und lernt dort den Vorgesetzten Sture Lindgren kennen.

Kritik

Der Film "Astrid" ist ein zwiespältiges Werk mit einem eigenwilligen Konzept. Die behandelte Zeitspanne ist kurz und nur unscharf eingegrenzt. Die Verbindung zur späteren Karriere findet in Andeutungen statt. Der Zuschauer muss schlussfolgern, dass die Kindheit und die Erlebnisse mit Lasse prägend gewesen sind, für das spätere Schaffen. Einen Brückenschlag bietet der Film in Form der Kinderfragen.

Der gewählte Zeitraum vermittelt inhaltlich wenig, er verzichtet auf Szenen, in denen die spätere Astrid Lindgren Geschichten erzählt oder niederschreibt. Zeitliche Angaben, die bei der Orientierung helfen, gibt es nur am Rande. Von der Mutter wird Astrid vorgehalten, sie sei erst 16 Jahre alt. Nach einem Haarschnitt trägt sie dieselbe Frisur über Jahre hinweg. Auch ihr Gesichtsausdruck verändert sich kaum. So bleibt das Heranwachsen des Sohnes als Indiz. Zuletzt schätze ich ihn als etwa vierjährig ein. Meiner Vermutung nach endet der Film mit dem dreiundzwanzigsten Lebensjahr, in dem Astrid noch Ericsson mit Nachnamen heißt.

Die Dramaturgie lässt Konflikte zugunsten von Warmherzigkeit kurz kommen. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass Lindgren ihre Kindheit als glücklich darstellte. Dem Film ist es abträglich, weil er weichgespült ausfällt und ich möchte ihn nicht als Drama bezeichnen. Außerdem fällt auf, dass überwiegend Astrid die Probleme löst.
Leider kommen auch spannende Fakten wie eine Rechtsanwältin, die für Frauenrechte kämpft, nur in Nebensätzen vor. Die Handlung bleibt schwammig und es ist nicht übertrieben zu sagen, es wäre es möglich, die Erzählung unter einem anderen Vornamen einer anderen Frau zuzuordnen. So unspezifisch wie die Schilderung ist, kann ich den Film nicht als biografisch empfinden.

Handwerklich überzeugt mich der Film nur bedingt. Die farbverfälschten Bilder sind stilsicher in herbstlichen Tönen gehalten. Der übermäßige Einsatz einer stellenweise heftig schwankenden Handkamera unterstreicht den wilden Charakter der Protagonistin und strengt beim Sehen an. Die Darsteller zeigen in ihrem Spiel wenige Variationen. Alba August als Astrid ist mir sympathisch und ihr Spiel ist dennoch eintönig. Die an der Zahl wenigen Nebenrollen bieten leider auch nur eine Handvoll Ausdrücke.

Fazit
Dem Film "Astrid" gelingt es in vielen Aspekten widersprüchlich zu sein. Die künstlerische Entscheidung ist mutig, nur die Jahre herauszugreifen, die die Drehbuchautoren als prägend erachten. Und sie stellt die Frage in den Raum, ob es über Astrid Lindgren nicht etwas Interessanteres zu sagen gibt, als das Gezeigte?

Die warmen Farben passen zu einem Wohlfühl-Film, dem das Gewackel der Handkamera schlecht ansteht. Astrid Lindgren als eine Frau zu zeigen, die heutzutage das Prädikat emanzipiert trüge gefällt, das Unterschlagen der spannenden Aspekte und Momente wiederum nicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Unga Astrid
Land: DänemarkDeutschlandSchweden
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 123
Genre: BiografieDrama
Verleih: DCM Film Distribution
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 06.12.2018
Heimkino: -

Regie: Pernille Fischer Christensen
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson • Pernille Fischer Christensen

Schauspieler: Alba August (Astrid) • Trine Dyrholm (Marie) • Björn Gustafsson (Sture) • Maria Bonnevie (Hanna) • Magnus Krepper (Samuel) • Eric Ericson (Doctor (as Eric Ericsson)) • Henrik Rafaelsen (Blomberg) • Maria Fahl-Vikander (1987 Astrid) • Ola Normelli (Train conductor) • Sofia Karemyr (Madicken) • Lars Väringer (Kak direktor) • Maria Alm Norell (Olivia)

Produktion: Maria Dahlin • Anna Anthony • Lars G. Lindström
Szenenbild: Linda Janson
Kostümbild: Cecilia Rörby • Cilla Rörby
Maskenbild: Christina Vestergaard
Kamera: Erik Molberg Hansen
Musik: Nicklas Schmidt
Schnitt: Åsa Mossberg • Kasper Leick


Bild: DCM Film Distribution

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