Auf einmal

Kinoplakat Auf einmal

Kunstdrama über eine Schuldzuweisung. Von einer Minute auf die andere ist im Leben von Karsten (Sebastian Hülk) vieles anders. Auf seiner Party ist eine junge Frau gestorben. Trägt er daran die Schuld? Schon bald stößt er im Freundeskreis auf Ablehnung und Verurteilung und sogar seine Eltern haben ein Problem, denn sie sind um den guten Ruf der Familie besorgt. Am Ende wendet sich sogar seine Freundin von ihm ab.

Kritik

"Auf einmal" ist ein ambitioniertes Projekt, das trotz naturalistischem Anstrich wie verfilmtes Theater anmutet. Es ist eine Versuchsanordnung, deren Plot zunächst ein Spießrutenlaufen aufzeigt und in den letzten Minuten in ein Rache-Drama umschlägt.
Die Dramaturgie legt den Schwerpunkt auf die Abbildung einer künstlichen Welt, die sich nur schwer vom Papier, auf dem sie entstand, löst. Die Figuren sind nicht frei, sondern die Ergebnisse der kopflastigen Regie.

Die Zuspitzungen erkenne ich, ohne sie gutzuheißen. So wird die Vita des Opfers in Bruchstücken aufgedeckt. Zunächst ist sie eine Unbekannte. Dann kommen immer mehr Puzzlestücke ans Licht, bis die These am Ende ungefähr so lautet: Eine Spätaussiedlerin aus Russland ist in ihrer Ehe unglücklich und wird von ihrem Ehemann misshandelt. Sie schleicht sich auf eine Party ein und möchte vielleicht Sex mit dem Gastgeber. Das ist Spekulation. Fakt ist: Sie trinkt derart viel Alkohol, dass sie an der Mischung aus zuvor eingenommenen Medikamenten und Alkohol stirbt. Beginn sie Selbstmord?

In welchem Zusammenhang ihre Abstammung und die Probleme in der Ehe mit dem Fall stehen, bleibt schleierhaft, denn streng genommen bereichern sie den Film nicht. Unverständlich bleibt auch, weshalb die Mutter der Toten mit russischem Akzent spricht, der Ehemann hingegen nicht.

Künstlich bleiben auch die Konstellationen. So muss sich der Hauptdarsteller wiederholt Vorverurteilungen stellen. Zunächst greift ihn eine Freundin auf einer Party an. Später waschen Karsten und seine Eltern schmutzige Wäsche. Die Szenen haben alle eine Gemeinsamkeit: Verletzungen brechen auf, ohne dass der Zuschauer die Hintergründe erfährt. Statt Geschichten zu erzählen, tauschen die Figuren Allgemeinplätze aus.

Manche Schauspieler kommen mit der Regie und dem sperrigen Drehbuch klar; wie etwa Hanns Zischler. Er spielt den Patriarchen mit Leichtigkeit. Dann gibt es die, die sich schwertun wie Julia Jentsch und diejenigen, die schlecht damit klarkommen wie Hauptdarsteller Sebastian Hülk. Was seine Rolle mit einem durchgängig bockigen Gesicht transportieren soll erschließt sich mir nicht. Auf Füllszenen wie den Ausflug in die Wildnis kann ich verzichten, weil sie zu ausgedacht sind.

Fazit
Auf den Film "auf einmal" muss man sich einlassen. Er bleibt seinem Stil durchgängig treu und ist im Programmkino denkbar.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: DeutschlandFrankreichNiederlande
Jahr: 2016
Laufzeit ca.: 112
Genre: Drama
Verleih: MFA
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 06.10.2016
Heimkino: 13.04.2017

Regie: Asli Özge
Drehbuch: Aslι Özge

Schauspieler: Sebastian Hülk (Karsten) • Julia Jentsch (Laura) • Hanns Zischler (Klaus) • Sascha Alexander Geršak (Andrej) • Luise Heyer (Judith) • Lea Draeger (Caro) • Natalia Belitski (Anna) • Christoph Gawenda (Stephan) • Atef Vogel (Anwalt)

Produktion: Fabian Massah • Asli Özge
Szenenbild: Birgit Kilian
Maskenbild: Lena Brendle • Ljiljana Müller
Kamera: Emre Erkmen
Schnitt: Muriel Breton • Aslι Özge


Bild: MFA

1 customer review

befriedigend
06.10.16
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