Ballade von der weißen Kuh

Kinoplakat Ballade von der weißen Kuh

Die "Ballade von der weißen Kuh" erzählt vom harten Schicksal einer Witwe im Iran, die um ihr Recht kämpft.

Mina muss die Herausforderung bewältigen, dass ihr Mann zum Tode verurteilt worden ist. Den Grund kennt sie, der Zuschauer wird ihn erst später erfahren. Zuvor wird ihm mitgeteilt, dass Minas Mann zu Unrecht verurteilt worden ist und die Witwe um Wiedergutmachung und Vergeltung kämpft. Als alleinerziehende Mutter steht sie vor besonderen Herausforderungen. Sie muss nicht nur ihre taube Tochter Bita erziehen, sondern auch arbeiten und mit den Strukturen des Iran leben. So kündigt ihr der Vermieter, weil sie einen fremden Mann in ihrer Wohnung empfangen hat. Der Fremde, der behauptet, ein ehemaliger Freund ihres Mannes zu sein, ist der einzige Lichtblick, der Mina widerfährt. Während Mina Gefühle für den Mann entwickelt und Tochter Bita ihn als Onkel akzeptiert, kämpft der mit seinen Schuldgefühlen. Was Mina nicht weiß: Er ist der Richter, der das Todesurteil ihres Mannes unterzeichnet hat. Es war sein erstes Todesurteil und er droht an der Schuld zu ersticken.

Kritik

Das Drama "Ballade von der weißen Kuh" erzählt die bittere Geschichte von einem Justizirrtum und wie die zwei in erster Linie davon Betroffenen damit umgehen. Das Thema ist konzentriert und eng gehalten wie eine Nadelspitze. Das gibt dem Film einerseits eine Dichte und gleichzeitig macht ihn die fehlende Bandbreite langatmig. 105 Minuten thematisch ähnliche Szenen fordern Durchhaltevermögen. Vielleicht gingen Details in der gesehenen untertitelten Originalfassung verloren.

Verglichen mit deutschen oder amerikanischen Filmen erfährt der Zuschauer nicht viel über die Menschen. Mina leidet die meiste Zeit und der spannende Moment, in dem sie erfährt, wer Reza in Wahrheit ist, lässt sie versteinern und der Film setzt keinen dramaturgischen Höhepunkt. Nochmals schwächend ist das uneindeutige Ende.

Der Zuschauer kann versuchen zwischen den Zeilen zu lesen. Das ist nicht immer einfach, denn die Kultur ist eine gänzlich andere als in Deutschland. Die Stellung von Mann und Frau ist aus deutscher Sicht unverständlich. Die Bildsprache ist nicht immer klar. Einmal legt Mina Lippenstift auf und nimmt das Kopftuch ab. Heißt das, dass sie intim ist mit Reza? Es erstaunt, wie oft Gott als Begründung herangezogen wird und die Menschen sich zum Opfer erklären.

Die Dramaturgie legt den Fokus auf die Hauptdarstellerin und nur in zweiter Linie auf dem männlichen Hauptdarsteller. Der Handlungsstrang des Vater-Sohn-Konflikts bleibt nebulös. Auf beide Hauptrollen trifft zu, dass sie (auch wieder an deutschen Sehgewohnheiten gemessen) eindimensional spielen und wenig Bandbreite zeigen. Besser als das Schauspiel gefällt die präzise Kameraführung.

Fazit
Die "Ballade von der weißen Kuh " setzt Interesse an einem spezifischen Thema voraus – das mit Respekt eingeschätzt – weit entfernt ist von deutschem Alltag und der deutschen Kultur. Wenn das Interesse am Inhalt gegeben ist, dann ist es ein für deutsche Sehgewohnheiten forderndes, langatmiges Drama mit eindimensionalen Charakteren. Der Fokus ist eng wie ein Nadelstich und zeigt auf ohne Lösungsmöglichkeiten anzubieten. Die präzise Kamera fällt positiv auf, die restlichen handwerklichen Aspekte weniger.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Ghasideyeh gave sefid
Land: FrankreichIran
Jahr: 2020
Laufzeit ca.: 105
Genre: Drama
Verleih: Weltkino
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 03.02.2022
Heimkino: 10.06.2022

Regie: Maryam Moghadam • Behtash Sanaeeha
Drehbuch: Mehrdad Kouroshniya • Maryam Moghadam • Behtash Sanaeeha

Schauspieler: Maryam Moghaddam • Alireza Sanifar • Pourya Rahimisam • Avin Purraoufi und Farid Ghobadi

Produktion: Gholamreza Moosavi • Etienne de Ricaud
Szenenbild: Atoosa Ghalamfarsaie
Kostümbild: Atoosa Ghalamfarsaie
Maskenbild: Kamran Khalaj
Kamera: Amin Jafari
Ton: Hossein Ghourchian • Abdolreza Heydari
Schnitt: Ata Mehrad • Behtash Sanaeeha


Bild: Weltkino

1 customer review

Befriedigend
03.02.22
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