Belfast

Kinoplakat Belfast

Viele Menschen empfinden für den Ort ihrer Kindheit eine schwer erklärbare Sehnsucht. Der Künstler Kenneth Branagh setzt mit dem Drama "Belfast" ein filmisches Denkmal für die nordirische Stadt. Wie so oft liegen Verklärung und Sehnsucht nach einer heilen Welt nahe beieinander.

Die Zeit der Kindheit und Jugend ist für viele eine Zeit, auf die nicht gerne zurückgeschaut wird, weil die Zeit schwierig gewesen ist. Für Filmschaffende ist es ein Lebensabschnitt, der mit Vorliebe behandelt wird, oft auch verklärt wie im Drama "Belfast", in dem Kenneth Brannagh einen begrenzten Zeitraum seiner Kindheit stilisiert Revue passieren lässt. Sein junger Held heißt Buddy und wächst in einer Idylle heran, die bereits nach wenigen Film-Minuten in eine Art Kriegsschauplatz verwandelt wird. Der Bürgerkrieg zwischen Protestanten und Katholiken bricht aus und zieht auch Buddys Familie mit in den Strudel. Die Familie, zu der auch die Großeltern zählen, muss entscheiden, wie gehandelt werden soll: bleiben oder wegziehen? Buddy und insbesondere seine Mutter geraten unter Druck.

Kritik

Der Zuschauer verfolgt das Geschehen in schwarz-weißen Bildern und aus Kameraperspektiven wie verfilmtes Theater. Diese Guckkasten-Optik verstärkt die Konzentration auf wenige Kulissen (und schonte das Budget). Was auch auf die sparsame Besetzung mit Schauspielerinnen und Schauspielern zutrifft. Die Rolle des Buddy ist etwas unglücklich besetzt und es ist nicht immer ein Genuss dem Jungen beim Spielen zuzusehen. Die zweite Hauptrolle spielt Caitriona Balfe als Mutter, die perfekt in Szene gesetzt ist. Sie bekommt – wie in Theaterstücken üblich – auch einen privaten Moment und darf einen großen Monolog halten. Die restlichen Rollen bleiben Nebenrollen, bei denen es nur eine untergeordnete Rolle spielt, dass sie gut spielen. Schade ist, dass die Rolle des Vaters nebulös angelegt ist.
In der gesehenen Originalfassung sprechen alle Darsteller einen schweren Dialekt, der eine hohe Konzentration beim Hören erfordert. Das verleiht dem Geschehen Authentizität und ist gleichzeitig eine unnötige Hürde. Die Dramaturgie legt wenig Wert auf Feingeistigkeit und nutzt eine kräftige, bisweilen klischeehafte Bildsprache. Auch der Schnitt fällt grob aus. Ein weiteres Stilmittel ist die Wiederholung; Kameraperspektiven und Schauplätze und Szenen fallen darunter. Was auf die Dauer ermüdet, wenn Menschen im Übermaß gehen oder streiten.
Inhaltlich ist die Erzählung in erster Linie eine verklärte Erinnerung, die Dinge als gegeben voraussetzt. Beispielsweise ist Belfast eine anziehende Stadt – was die knappe Einführung kaum vermittelt.

Fazit
Was Kenneth Branagh der Welt mitteilen möchte, bleibt dem Kritiker teilweise unklar. Zweifelsohne ist der Film mit künstlerischem Anspruch entstanden. Die Aussage des Ganzen kann daran nicht gemessen werden.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2021
Laufzeit ca.: 99
Genre: Drama
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 24.02.2022
Heimkino: 12.05.2022

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Kenneth Branagh

Schauspieler: Jude Hill (Buddy) • Lewis McAskie (Will) • Caitriona Balfe (Ma) • Jamie Dornan (Pa) • Judi Dench (Granny) • Ciarán Hinds (Pop) • Josie Walker (Tante Violet) • Freya Yates (Cousine Frances) • Nessa Eriksson (Cousine Vanessa) • Charlie Barnard (Cousin Charlie) • Frankie Hastings (Tante Mary) • Máiréad Tyers (Tante Eileen)

Produktion: Laura Berwick • Kenneth Branagh • Becca Kovacik • Tamar Thomas
Szenenbild: Jim Clay
Kostümbild: Charlotte Walter
Maskenbild: Emily Dodge • Sian Wilson • Wakana Yoshihara
Kamera: Haris Zambarloukos
Musik: Van Morrison
Schnitt: Úna Ní Dhonghaíle


Bild: Universal Pictures International

1 customer review

Befriedigend
23.02.22
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