House of Gucci

Kinoplakat House of Gucci

Darf man das? Den Erben eines Mode-Imperiums einfach erschießen lassen? Dazu muss frau gute Gründe haben. Außerdem stehen auf dem Plan: Die Enteignung eines Mode-Imperiums, Seitensprünge und Intrigen. Aus der sicheren Ausgangslage ist trotzdem nichts Besonderes geworden. Schade.

Auf einer Feier lernt Patrizia Reggiani einen Mann kennen, den sie für einen Barkeeper hält. Als der ihr seinen Namen nennt, geht in Patrizia eine Veränderung vor: Sie ist entschlossen, Maurizio Gucci kennenzulernen und in die Familie einzuheiraten. Der Plan geht auf, Patrizia verdreht Maurizio den Kopf und der ist nicht einmal dann von seinen Heiratsplänen abzubringen, als dessen Vater droht ihn zu enterben, denn die Tochter eines Fuhrunternehmers ist in den Augen des Patriarchen eine schlechte Partie.
Das sieht der Bruder anders. Aldo Gucci ist von Patrizia angetan und die stellt rasch ihren Geschäftssinn unter Beweis. Patrizia weiß, was sie will und um ihre Ziele zu erreichen, taktiert, lügt und betrügt sie. Unter ihrer Mitwirkung kommt das Mode-Imperium wieder ans Laufen. Doch eines Tages trifft Maurizio eine alte Freundin wieder und verliert das Interesse an Patrizia. Die ist nicht zur Trennung bereit und geht bis zum Äußersten.

Kritik

1995 sorgte der Mordanschlag auf Maurizio Gucci für Schlagzeilen. Dafür verantwortlich gemacht wurde seine Ex-Frau Patrizia. Den Film interessiert der Mord nicht. Er erzählt wie ein Prequel die Vorgeschichte und spart die Aufklärung des Mordes aus. Viel Zeit verbringt der Zuschauer zu Hause bei Patrizia und Maurizio, schaut ihr beim Intrigenspiel zu und wundert sich, warum Maurizio ein so schlechter Geschäftsmann ist. Hinzu kommen Probleme der unterschiedlichen Brüder Rodolfo und Aldo Gucci. Rodolfo hat sich ins Privatleben und ins Leiden zurückgezogen, während Aldo immer noch aktiv das Imperium anführt. Er sieht einen Gewinn in Patrizia, Rodolfo verabscheut sie. Gewinnbringend einsetzen kann der Film diesen und weitere Konflikte nicht. Zum einen wegen der Länge und andererseits, weil er zu seicht bleibt.

Aufgezogen ist die Zurschaustellung wie eine Seifenoper. Feststehende Charaktere liefern viel Text, einige Darstellende sind darin besser und andere wenig überzeugend. Jeremy Irons als Rodolfo Gucci schmiert sich arg ins Leiden. Lady Gaga soll so etwas wie italienische Heißblütigkeit spielen, ist jedoch ein Geschoss. Jared Leto spielt den tuntigen Paolo Gucci mit Bravour; jedoch strengt die überzogene Darstellung durch das Auskosten an. Ebenfalls anstrengend ist Salma Hayek in ihrer verhältnismäßig kleinen Rolle als Hellseherin. Adam Driver spielt den gehemmten, steifen Maurizio Gucci sehenswert. Aber der Figur fehlt, wie allen Figuren des Films, die Bandbreite und eine Entwicklung. Für den Zuschauer ist es ermüdend, dem Spiel mehr als zweieinhalb Stunden zu folgen, denn obwohl alle Mitwirkenden ihre Rollen befriedigend bis gut spielen, hat Regisseur Ridley Scott den Kreativen zu wenig entlockt. Den Kritiker nehmen die Personen auf der Leinwand nicht mit. Weder leidet er mit der ausmanövrierten Patrizia, noch berührt ihn der Mord an Maurizio.

Die Dramaturgie lockert das Geschehen nicht auf, denn sie ist gleichförmig und ohne Höhepunkt. Je länger der Film andauert, desto stärker zerfasert die Erzählung. Selbst Ungeheures wie Aldos Enteignung geschieht es zu beiläufig. Das Geschehen handelt zwar von Gucci und Mode, aber ist dabei so unspezifisch, dass die Firma auch Meier & Söhne heißen könnte. Wirklich ärgerlich sind viele Dialoge, die ebenfalls aus einer Seifenoper stammen könnten. Die Filmmusik überrascht. Einmal, weil Hits aus der Zeit zu hören sind von Blondie, Tracy Chapman und den Eurythmics. Dann verwundert wie wenig diese Stücke wiederholt zur Szene passen.

Fazit
"House of Gucci" ist ein solider Film, den sein unspezifischer Ausdruck schwächt. Die Lauflänge von 158 Minuten macht den Film nicht episch, sondern verwässert ihn und degradiert ihn im Zusammenspiel mit weiteren Schwächen zur Seifenoper.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2021
Laufzeit ca.: 158
Genre: Drama
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 02.12.2021

Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Becky Johnston • Roberto Bentivegna
Literaturvorlage: Sara Gay Forden

Schauspieler: Lady Gaga (Patrizia Reggiani) • Adam Driver (Maurizio Gucci) • Al Pacino (Aldo Gucci) • Jeremy Irons (Rodolfo Gucci) • Jared Leto (Paolo Gucci) • Jack Huston (Domenico De Sole) • Salma Hayek (Pina Auriemma) • Alexia Murray (Silvana Reggiani) • Vincent Riotta (Fernando Reggiani) • Gaetano Bruno (Franco) • Camille Cottin (Paola Franchi) • Youssef Kerkour (Nemir Kirdar)

Produktion: Ridley Scott • Giannina Scott • Kevin J. Walsh • Mark Huffam
Szenenbild: Arthur Max
Kostümbild: Janty Yates
Maskenbild: Frederic Aspiras • Jana Carboni • Alexis Continente • Roberta D'Alessio • Aurora Gambelli • Andrea Iacoacci • Daniel Lawson Johnston • Giuliano Mariano • Federico Martellacci • Lidia Minì • Stefania Pellegrini • Valentina Spuntarelli : • Sarah Tanno
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Harry-Gregson Williams
Schnitt: Claire Simpson


Bild: Universal Pictures International

1 customer review

Befriedigend
01.12.21
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