Best Exotic Marigold Hotel

Kinoplakat Best Exotic Marigold Hotel

Die dramatische Komödie schaut sechs Menschen, die in einem Hotel leben, über die Schulter. Dazu kommen eine exotische Kulisse und Multikulti.

Ein halbes Dutzend Engländer verlässt Großbritannien, um in Indien dem Leben eine Wendung zu verleihen. Da gibt es Evelyn, die eine emotionale Verletzung kurieren möchte. Graham (Tom Wilkinson) will eine offene Rechnung begleichen. Douglas und Jean suchen nach einer Möglichkeit auch ohne das nötige Kleingeld ihren Lebensabend in Würde und mit Stil zu genießen. Muriel (Maggie Smith) hat gesundheitliche Probleme und soll in Indien früher behandelt werden als in Großbritannien. Norman ist der Meinung, dass das Leben doch noch etwas Spaß hergeben könnte. Madge (Celia Imrie) will nicht länger von ihrer Tochter als billige Babysitterin missbraucht werden. Die unterschiedlichen Charaktere treffen am Flughafen zum ersten Mal aufeinander. Ihr Ziel ist das Best Exotic Marigold Hotel in Indien. Laut der Werbung eine Seniorenresidenz wie sie im Bilderbuch steht.

Für den Zuschauer wenig überraschend ist besagtes Hotel freundlich gesprochen eine Baustelle. Aus der Bruchbude könnte vielleicht eine schöne Unterkunft werden - doch dazu brauchte es mehr als bloßen guten Willen. Woran es dem jungen Hotelbesitzer Sonny Kapoor (Dev Patel) leider mangelt. So sehr er sich müht und macht und tut: er hat ein goldenes Herz und zwei linke Hände. Doch das spielt nur am Rande eine Rolle, denn im Vordergrund stehen die Schicksale der Briten.

Kritik

Ein Hotel ist für Filme ein beliebter Ausgangspunkt, denn hier treffen Menschen zusammen, gehen ein und aus. Wenn dann das Hotel nicht in Kleinkleckersdorf sondern in Indien liegt, dann klingt das spannend. Und wenn die Hauptrollen mit gestandenen Schauspielern besetzt werden, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Dass die Hauptdarsteller des Filmes alle im Rentenalter sind tut ihm keinen Abbruch. Was den guten Eindruck trübt sind handwerkliche Schwächen. So fehlt dem Ganzen die Klarheit. Das beginnt bei der Entscheidung, kein eindeutiges Genre zu bedienen. Hauptsächlich schwankt die Handlung zwischen Drama und Komödie. Ein erzählter Film ist es im Ergebnis auch nicht, denn streckenweise kommentiert Evelyn aus dem Off die Handlung, später übernimmt Muriel die Rolle. Während Evelyn für ein Quäntchen Philosophie sorgt, ist Muriel für die Analyse zuständig.

Das unklare Genre ist zu verschmerzen und wiegt weniger schwer als der Umstand, dass das Drehbuch auch nicht in allen Fällen weiß, welche Geschichte es erzählen möchte. Da gibt es die Touristin, die sich mit dem fremden Land nicht anfreunden kann. Penelope Wilton spielt die Rolle glaubwürdig. Bill Nighy in der Rolle ihres Ehemannes wirkt hingegen verloren. Er gibt den Diplomaten und besucht ein paar Sehenswürdigkeiten. Ansonsten könnte man seine Rolle komplett streichen ohne dem Film etwas zu nehmen. Dasselbe trifft leider auch auf Celia Imrie zu. Auch sie füllt ihre Gastauftritte gut aus und auch ihre Rolle könnte bedenkenlos gestrichen werden.

Nicht viel besser ergeht es allerdings auch den tragenden Rollen. Ich möchte das an der Rolle des Graham Dashwood erläutern. Tom Wilkinson ist nach Indien gekommen, um eine alte Liebe aufzuarbeiten. Er hat als Jugendlicher in Indien gelebt und sich damals in einen anderen Mann verliebt. Als der Tabubruch bekannt wurde, verließ seine Familie das Land. Als Rentner kommt er noch einmal nach Indien, um den Geliebten von damals aufzusuchen und die Beziehung zu klären. Vielmehr erfahre ich als Zuschauer nicht, denn in dem Moment, in dem es spannend wird, stirbt der Mann an einem Herzleiden. Den restlichen Charakteren ergeht es nicht viel besser. Alles wird angerissen und gestreift, nichts vertieft und ausgebaut.
Das ist von den durchweg guten, erfahrenen Darstellern glaubwürdig gespielt. Auch wenn die Charaktere gekünstelte Dialoge vortragen und durch unglaubwürdige Wendungen gehen; die nicht nur aus heiterem Himmel kommen, sondern auch vorhersehbar sind. So ist von Anfang an klar, dass Maggie Smith die Wandlung vom Saulus zum Paulus erlebt. Der Film will dadurch menschlich sein - ist es jedoch auf ungeschickte Art und Weise. Bedauerlich daran ist weiterhin so viel schauspielerisches Talent so verschwendet zu sehen.

Fazit
Als Hauptrollen in einer episodischen Handlung bleiben die sechs Briten zu alltäglich. Da hilft es wenig, dass der Film viel will. Er thematisiert Tabus wie Sex im Alter und Homosexualität oder den Kontakt mit einer Unberührbaren. Doch wie in der Politik bleibt es bei Absichten. Dabei stimme ich der Kernaussage gerne zu: Es ist nie zu spät, um im Leben etwas zu ändern. Allerdings fügt die Handlung dem zu wenig hinzu.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Best Exotic Marigold Hotel
Land: GroßbritannienUSA
Jahr: 2011
Laufzeit ca.: 123
Genre: DramaKomödie
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 15.03.2012
Heimkino: 13.07.2012

Regie: John Madden
Drehbuch: Ol Parker
Literaturvorlage: Deborah Moggach

Schauspieler: Judi Dench (Evelyn Greenslade) • Tom Wilkinson (Graham Dashwood) • Bill Nighy (Douglas Ainslie) • Penelope Wilton (Jean Ainslie) • Maggie Smith (Muriel Donnelly) • Celia Imrie (Madge Hardcastle) • Liza Tarbuck (Pflegerin) • Paul Bhattacharjee (Dr. Ghujarapartidar) • Lucy Robinson (Judith) • Ronald Pickup (Norman Cousin) • Simon Wilson (Madges Schwiegersohn) • Patrick Pearson (Grahams Kollege) • Hugh Dickson (Richter) • James Rawlings (Makler)

Produktion: Graham Broadbent • Pete Czernin
Szenenbild: Alan Macdonald
Kostümbild: Louise Stjernsward
Maskenbild: Beverley Binda
Kamera: Ben Davis
Musik: Thomas Newman
Schnitt: Chris Gill


Bild: 20th Century Fox

1 customer review

befriedigend
15.03.12
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