Dem Horizont so nah

Kinoplakat Dem Horizont so nah

Die Verfilmung der Danny-Trilogie von Jessica Koch ist pures Publikums-Kino. Sie deutet Tiefgang und Problematiken an, die zugunsten des leichten Zugangs ausgeblendet werden. Übrig bleibt eine solide Teenager-Romanze.

Für Jessica ist es die große Liebe, als sie auf dem Rummelplatz den attraktiven Danny trifft. Der ist zuvorkommend, fährt sie nach Hause und lehnt ein weiteres Treffen freiheraus ab. Es ist Jessicas Hartnäckigkeit zu verdanken, dass es zu dem kommt, was sie eine echte Verabredung nennt. In der Folgezeit bleibt Danny ein verschlossener junger Mann, zu dessen Welt Jessica nur zögerlich Zugang erhält. Er verdient viel Geld als Dressman, mit dem er nicht zu blenden versucht und lebt in einer Wohngemeinschaft mit Tina. Die tritt Jessica anfangs feindselig gegenüber, obwohl sie nicht Dannys Freundin ist. Erst allmählich gelingt es Jessica Dannys Vertrauen zu gewinnen und sie beginnt zu begreifen, warum er so eigenartig ist.

Kritik

Endlich achtzehn! Das Abenteuer Führerschein ist bestanden und Jessica verspricht dem Zuschauer ein noch größeres Abenteuer. Doch zunächst heißt es Abschied nehmen von der besten Freundin, die umzieht. Dann tritt Danny in Jessicas Leben – was ein großes Abenteuer sein kann. Es ist der Auftakt zu teils unglaublichen Offenbarungen. Danny ist HIV-positiv. Er trägt das HI-Virus in sich und fürchtet den Ausbruch der Krankheit. Er ist kein AIDS-Kranker, was in den 1990-er Jahren, in denen die Handlung spielt, nicht allgemein bekannt ist. Der Film erhebt HIV jedoch nicht zum Gegentand, weil die Produktion laut eigener Aussage "keine große Schnulze" machen will. Das ist zu begrüßen und es ist der Versuch ins Wasser zu springen, ohne nass zu werden, weil ein schwieriger Themenkomplex im Raum steht und wenig Beachtung findet. Die Tragik der zeitlich begrenzten Liebe steht ebenfalls nicht im Mittelpunkt. Vielmehr bleibt der Fokus unscharf auf Themen des Heranwachsens wie der Abnabelung vom Elternhaus und unterschiedliche Lebenswege.

Die Gewichtung von Haupt- und Nebenrollen gefällt nicht. Das Verhältnis von Danny und seiner Mitbewohnerin Tina ist interessant, doch Tinas Geschichte spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Annäherung zwischen Tina und Jessica ist zwingend und der Weg dahin nicht dargestellt.
Von Jessicas Eltern hätte ich gerne mehr gesehen, weil sie natürlich spielen. Zudem könnten sie die Handlung in einen größeren Zusammenhang stellen, indem sie aufzeigen, wie Jessicas Umfeld auf die Beziehung reagiert.
Denis Moschitto spielt Dannys ehemaligen Betreuer. Über das Verhältnis sagt Danny, dass es gut gewesen sei. In der Gegenwart ist es nicht von Belang. Frederick Lau spielt als Dannys Trainer überzeugend. Beide Rollen könnten wegfallen, so wenig tragen sie zur Handlung bei.

Viel Gewicht liegt auf den jungen Darstellern. Luna Wedler spielt die Rolle der Jessica gut, tritt ungezwungen auf. Jannik Schümann hat leider keinen Zugang zu seiner Rolle gefunden. Wenn er von seiner tragischen Vergangenheit spricht, dann klingt das nicht erinnert sondern aufgesagt. Das Zusammenspiel der Rollen ist insgesamt gut. Den Dialogen fehlt es leider an Geschmeidigkeit. Die Handkamera bringt Unruhe in den Film.

Fazit
Die entsprechende Buchreihe habe ich nicht gelesen. Es ist denkbar, dass die literarische Vorlage eine ungewöhnliche Beziehung schildert. Der Film bleibt gewöhnlich, weil er das ausklammert, was ihn von der Masse abheben könnte. Es ist ein Drama über eine tragische Liebe, bei dem die Tragik gestrichen wurde, ohne einen Ersatz dafür zu bieten. Schade, dass so viele interessante Momente entfallen. Das anfangs versprochene große Abenteuer bleibt aus.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: Deutschland
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 109
Genre: DramaRomantik
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.10.2019
Heimkino: -

Regie: Tim Trachte
Drehbuch: Ariane Schröder
Literaturvorlage: Jessica Koch

Schauspieler: Jannik Schümann (Danny) • Luna Wedler (Jessica) • Luise Befort (Tina) • Jamie Bick (Wiebke) • Henry Horn (Jakob) • Judith Paus (Yasemine) • Nicola Gründel (Dr. Kirch) • Kristin Hunold (Vanessa) • Axel Röhrle (Dr. Breuer) • Lena Vogt (Karla) • Emil Schwarz (Till) • Victoria Mayer (Johanna) • Stephan Kampwirth (Rufus) • Denis Moschitto (Jörg) • Frederick Lau (Dogan)

Produktion: Kristina Löbbert • Dan Maag • Isabel Hund • Kalle Friz • Verena Schilling • Dr. Stefan Gärtner
Szenenbild: Christiane Krumwiede
Kostümbild: Genoveva Kylburg
Maskenbild: Diana Koeberlin
Kamera: Fabian Rösler
Ton: Max Thomas Meindl
Musik: Michael Kamm


Bild: Studiocanal

1 customer review

befriedigend
04.10.19
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vorgeschlagen

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