Downton Abbey

Kinoplakat Downton Abbey

Der Film setzt die gleichnamige Fernsehserie fort, die auf einem britischen Landsitz während des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts spielt. Im Mittelpunkt stehen die Bewohner des Landsitzes; die Adelsfamilie wie auch ihre Angestellten. Zusätzlich bezog das Drehbuch geschichtliche Ereignisse mit ein. Nach 52 Episoden wurde die Serie abgeschlossen.

Im Kinofilm herrscht auf dem Anwesen Downton Abbey helle Aufregung. Der angekündigte Besuch der Royals sorgt unter den Dienern zunächst für freudige Erwartung und später für großen Unmut, weil die Herrschaften ihr eigenes Personal mitbringen und dadurch das eingespielte Team arbeitslos machen wollen. Niemand ist gewillt, sich einfach kaltstellen zu lassen, denn auch die guten Geister haben ihren Stolz und einen Ruf zu verlieren. Also hecken sie einen Plan aus. Derweil sehen die Hochwohlgeborenen dem Besuch ebenfalls mit gemischten Gefühlen entgegen, weil unverarbeitete Konflikte und Animositäten ans Tageslicht kommen.

Kritik

Der Film "Downton Abbey" kann und will nicht verleugnen Ableger einer Serie zu sein. Er folgt deren Schema und die Dramaturgie präsentiert ihre Handlung wie die überlange Folge einer Serie. Das kommt den Fans der Serie entgegen, die in erster Linie angesprochen werden. Aber auch Fans von Ausstattungskino kommen auf ihre Kosten. Das Szenenbild versetzt zurück in der Zeit und wir schreiben das Jahr 1927. Die Innenausstattung ist ein Augenschmaus, die vielen (grauen) Perücken und die Kostüme sind sehenswert. Auffällig viele Establishing Shots zeigen das Anwesen von außen, vergegenwärtigen wiederholt, wo wir uns befinden.

Nach der kurzen Einführung ist das Tempo der Erzählung hoch. Es beginnt mit der Zustellung eines Briefs, der zum Herrenhaus überleitet. Ab hier flechtet der Plot einzelne Handlungsstränge ineinander, die zwischen der Oberschicht und den Dienern wechseln. Manche Reiberei wird ausgetragen, die Königstreue auf den Prüfstand gestellt oder neue Verbindungen eingegangen. Der Zeitenwandel macht auch vor Downton Abbey nicht Halt und die Herrschaften müssen mit Veränderungen leben. Was nicht eine überlange Reihe von glücklichen Enden verhindert; am Ende sind fast alle glücklich – nur das gleichgeschlechtliche Paar muss sich noch in Geduld üben. So schließt der Kinofilm die Serie ab und lässt eine Hintertür für eine Fortsetzung offen.

Insgesamt ist der zwischenmenschliche Faktor erstaunlich hoch, einige Hierarchien sind flach. Wer zu wem gehört oder wie wer zu wem steht, erklärt die Handlung im Lauf der Erzählung. Auch Nicht-Serien-Gucker durchschauen das Geflecht. Unterm Strich ist die ungewöhnliche Austarierung, die viele kleine Episoden aneinanderreiht, gelungen. Nur der Einschub mit dem versuchten Anschlag gefällt weniger gut. Alles in allem steht nicht das Einzelne im Vordergrund, sondern vielmehr der Gesamteindruck.

Das Schauspiel rückt in den Hintergrund, wenngleich markante Gesichter auftreten. Wie in Serien üblich sind die Figuren feststehend und die Regie widmet dem Einzelnen weniger Aufmerksamkeit als in anderen Kinofilmen. Damit kommen die Schauspieler unterschiedlich gut zurecht. Einige überzeugen in der Rolle, während die Majestäten beispielsweise zu wenig distanziert auftreten. Der gespielte Witz am Ende des Films gefällt: Die Dienerschaft verlässt das Haus durch die Vordertür.

Fazit
Der Film setzt die in der Zeit von 2010 bis 2015 gedrehte Fernsehserie fort und kann nur mit diesem Maßstab gemessen werden. Für Royalisten vielleicht die Krönung des Bisherigen. Auf ihre Kosten kommen Fans von Ausstattung ebenso wie die von Adelsromanzen und spitzen Dialogen.

Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: Großbritannien
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 122
Genre: Drama
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 19.09.2019
Heimkino: -

Regie: Michael Engler
Drehbuch: Julian Fellowes

Schauspieler: Matthew Goode (Henry Talbot) • Tuppence Middleton (Lucy) • Michelle Dockery (Lady Mary Crawley) • Maggie Smith (Violet Crawley) • Elizabeth McGovern (Cora Crawley) • Laura Carmichael (Lady Edith Crawley) • Allen Leech (Tom Branson) • Joanne Froggatt (Anna Bates) • Robert James-Collier (Thomas Barrow) • Lesley Nicol (Mrs. Patmore) • Sophie McShera (Daisy Mason) • Imelda Staunton (Lady Bagshaw)

Produktion: Julian Fellowes • Gareth Neame • Liz Trubridge
Szenenbild: Donal Woods
Kostümbild: Anna Mary Scott Robbins
Maskenbild: Anne Oldham
Kamera: Ben Smithard
Musik: John Lunn
Schnitt: Mark Day


Bild: Universal Pictures International

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