Das Leben der Anderen

Kinoplakat Das Leben der Anderen

DDR 1984. Stasi Hauptmann Gerd Wiesler ist ein kleiner, grauer, akkurater Mann, der ein kleines, graues, akkurates Leben führt. Seine Überwachungen und Verhöre sind gnadenlos und ungeheuer effizient, und werden von ihm auf der Stasi-Hochschule als Lehrbeispiele vorgeführt. Als ihn eines Tages sein früherer Studienfreund Oberstleutnant Anton Grubitz auf den erfolgreichen Dramatiker Georg Dreyman ansetzt, stürzt sich Wiesler wie immer voller Inbrunst auf den Fall.

Der Film "Das Leben der Anderen" beginnt im November 1984 in der DDR, fünf Jahre vor dem Mauerfall. Der DDR-Staat versucht immer noch durch ein lückenloses und gnadenloses System von Überwachungen und Bespitzelungen seinen Machtanspruch zu sichern. Justizvollzugsanstalt Hohenschönhausen: Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (einfach fantastisch: Ulrich Mühe), ein kleiner, introvertierter Mann, akkurat gekleidet, mit einem völlig beherrschten Gesichtsausdruck, der nie seine Emotionen verrät – so er sie denn überhaupt hat – verhört einen Häftling. Der junge Mann ist angeklagt, Beihilfe zur Republikflucht geleistet zu haben. Der Häftling leugnet stur, Wiesler steigert den Druck auf den Häftling so lange, bis der, geschwächt durch Schlafentzug und andere, bösartige Verhörtechniken, schließlich gesteht.

Gerd Wiesler zeichnet seine Verhöre immer auf Tonband auf, um sie anschließend als Lehrmaterial an der Stasi-Hochschule vorzuführen. Oberstleutnant Anton Grubitz (wie immer ausgezeichnet: Ulrich Tukur), ein früherer Studienfreund von Wiesler, ist bei der Staatssicherheit Leiter der Abteilung Kultur. Grubitz ist das völlige Gegenteil von Wiesler. Grubitz ist ein Lebemann, gibt sich immer jovial, lacht gerne, macht gerne Scherze – auch über die DDR – ist aber ein Charakterschwein und führt die Leute damit aufs Glatteis, um sie dann hinterher gnadenlos in die Pfanne zu hauen. Er nimmt Wiesler mit zur Premiere des neuen Theaterstücks des linientreuen Dramatikers Georg Dreyman (wie immer eindrucksvoll: Sebastian Koch). Ebenfalls anwesend ist Minister Bruno Hempf (überzeugend: Thomas Thieme), der aber nur Augen für die attraktive Hauptdarstellerin Christa-Maria Sieland (wunderbar: Martina Gedeck) hat, die Freundin von Dreyman. Listig äußert Hempf Grubitz gegenüber bei der anschließenden Premierenfeier, ob der erfolgreiche Stückeschreiber wirklich so linientreu ist, wie er sich immer gibt, und dass wohl nur eine gezielte Überwachung Klarheit darüber geben könnte. Grubitz ist zwar davon überzeugt, dass das Ganze nur ein Vorwand ist, weil der Hempf scharf auf die Sieland ist. Aber trotzdem beauftragt er natürlich seinen Überwachungs-Star Wiesler mit dem "operativen Vorgang". Schließlich kann sich das nur positiv auf seine Karriere auswirken.

Wiesler stürzt sich mit Feuereifer auf den Einsatz, da auch er nicht an die angebliche Linientreue des Dramatikers glaubt. Ein guter Freund von Dreyman ist der Theaterregisseur Albert Jerska (resigniert: Volkmar Kleinert), der in Ungnade gefallen ist und Berufsverbot hat. Jerska hat früher immer geniale Inszenierungen von Dreymans Stücken auf die Bühne gebracht. Deshalb bittet Dreyman den Minister Hempf, das Berufsverbot für seinen Freund doch nun endlich wieder aufzuheben. Hempf bestreitet natürlich, dass es ein solches überhaupt gibt in der DDR.

Inzwischen wird Dreymans Wohnung systematisch verwanzt. Eine Nachbarin, die zufällig den Vorgang beobachtet, wird durch massive Drohungen so eingeschüchtert, dass sie den Mund hält. Die Abhörzentrale wird auf dem Dachboden des Mietshauses eingerichtet. Das Abhören teilen sich Wiesler und ein etwas unbedarfter Kollege. Wiesler ist gerade dran, als Dreyman seinen 40. Geburtstag mit vielen Künstlern und seiner Freundin feiert. Dabei fällt der bekannte Autor und Dissident Paul Hauser (mutig: Hans-Uwe Bauer) aus der Rolle und beschimpft Dreyman als "jämmerlichen Idealisten", der endlich Farbe bekennen solle. Auch Albert Jerska ist gekommen, und schenkt Dreyman die Partitur "Sonate vom guten Menschen". Nachdem die Gäste gegen Morgen gegangen sind, packen Dreyman und seine Freundin Christa-Maria die Geschenke aus. "Danach vermutlich Geschlechtsverkehr", notiert Wiesler akkurat. Durch seine Überwachung entdeckt Wiesler auch, das Minister Hempf offensichtlich bereits seit längerer Zeit ein Verhältnis mit Dreymans Freundin Christa-Maria Sieland hat. Er sieht sie in Hempfs Wagen vorfahren und entschließt sich spontan, bei Dreyman zu klingeln, um ihm die Gelegenheit zu geben, seine untreue Freundin in flagranti zu erwischen. Dreyman sieht sie zwar aussteigen, sagt aber nichts. Er weiß nicht, was er davon halten soll.

Inzwischen ist Wiesler zunehmend fasziniert von Dreymans Leben. Wie langweilig und freudlos sein eigenes Leben ist, wird ihm mit jedem Tag mehr und mehr bewusst. Auch eine vollbusige Hure, die er sich kommen lässt, kann das nicht wirklich ändern. Heimlich dringt Wiesler bei Dreyman ein und "leiht" sich ein Buch aus. So liest Wiesler zum vermutlich ersten Mal in seinem Leben Bert Brecht. Während Dreyman noch an der offensichtlichen Untreue seiner Freundin zu kauen hat, kommt die nächste Hiobsbotschaft: sein Freund Albert Jerska hat Selbstmord begangen. Dreyman gehen allmählich die Augen auf. Er trifft sich heimlich mit Hauser und erzählt ihm, dass er einen Artikel über die erschreckend hohe Selbstmordrate in der DDR, die von den Machthabern totgeschwiegen wird, schreiben will. Und zwar für eine westliche Zeitschrift. Sofort stellt Hauser den Kontakt mit dem Spiegel-Korrespondenten Gregor Hessenstein (überzeugend wie immer: Herbert Knaup) her. Dreyman hält alles streng geheim, nicht einmal Christa-Maria erfährt etwas davon. Um sicher zu sein, dass Dreyman Wohnung nicht abgehört wird, täuschen Hauser und Dreyman per Telefongespräch vor, dass Hauser, unter der Rückbank eines Westautos versteckt, Republikflucht begehen will. Wiesler, der inzwischen fast allein die Überwachung übernommen hat, will diesen Vorgang sofort melden. Doch dann zögert er, und hängt wieder ein. Das Auto passiert unbehelligt die Zonengrenze, und Hauser und Dreyman sind davon überzeugt, nicht verwanzt zu sein. Jetzt laden sie bedenkenlos Hessenstein in Dreymans Wohnung ein. Unter einer Torte versteckt bringt der Spiegel-Redakteur eine neue kleine Schreibmaschine für Dreyman mit. Jeder weiß, dass die Stasi Schriftbilder der Schreibmaschinen von allen einigermaßen "interessanten" Leuten hat, also auch von Dreyman. Der versteckt die Maschine in einem Hohlraum unter einer losen Bodendiele. Christa-Maria beobachtet ihn dabei, und natürlich Wiesler. Aber beide sagen nichts, Wiesler fälscht sogar das Protokoll dieses Tages. Er identifiziert sich inzwischen so mit "dem Leben der Anderen", dass er es nicht fertig bringt, sie zu verraten. Im Gegenteil, er animiert sogar seinen unbedarften Kollegen, gewisse Verdachtsmomente zu ignorieren und ebenfalls aus dem Protokoll zu streichen. Dreyman kann also unbehelligt seinen Artikel schreiben und veröffentlichen, natürlich unter Pseudonym, und löst damit natürlich große Unruhe aus. Für Grubitz und Hempf steht fest, dass Dreyman den Artikel geschrieben hat, aber Wiesler bestreitet, bei der Überwachung Entsprechendes gehört oder gesehen zu haben. Grubitz ordnet eine Durchsuchung von Dreymans Wohnung an, findet aber nichts.

Christa-Maria versucht inzwischen aus der Beziehung zu Hempf herauszukommen, Dreyman hat ihr inzwischen gestanden, dass er davon weiß und sie gebeten, die Sache zu beenden. Was aber Hempf doch Dreyman nicht weiß ist, dass Christa-Maria Tablettensüchtig ist. Hempf lässt sie verhaften und durch Wiesler verhören. Sie gesteht schließlich, dass Dreyman den Artikel geschrieben hat, und dass die Schreibmaschine unter der Bodendiele versteckt ist. Grubitz fährt sofort zu Dreymans Wohnung - doch die Maschine ist weg. Jemand anderer war schneller.

Kritik

Für mich ist der Film "Das Leben der Anderen" der beste deutsche Film der letzten Jahre überhaupt. Ein fantastisches Drehbuch, fantastische Schauspieler, eine fantastische Regie, eine fantastische Kameraführung, Musik, Drehorte, Ausstattung – da gibt es nichts, was nicht stimmt. Ulriche Mühe spielt den Wiesler mit einer geradezu beängstigenden Intensität. Sebastian Koch stellt die Wandlung des etwas naiv-linientreuen Dreyman zum Abweichler mehr als überzeugend dar. Ulrich Tukur nimmt man das charmante Charakterschwein Grubitz voll ab. Martina Gedeck beeindruckt als Sieland, für die der Beruf wichtiger ist, als alles andere auf der Welt, wichtiger sogar als ihr Geliebter. Dabei ist es ein Debüt für Drehbuchautor und Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der bislang nur mit preisgekrönten Kurzfilmen wie "Dobermann" und "Der Templer" auf sich aufmerksam machte. Mit dem Film "Das Leben der Anderen" ist ihm allerdings ein mehr als fulminanter Einstieg in die Produktion von abendfüllenden Spielfilmen gelungen. Nicht umsonst wurde am 13. Januar 2006 der Film mit vier Bayerischen Filmpreisen ausgezeichnet: Ulrich Mühe als Bester Darsteller, Florian Henckel von Donnersmarck für Bestes Drehbuch und Beste Nachwuchsregie, und Quirin Berg & Max Wiedemann als Beste Nachwuchsproduzenten.

Fast vier Jahre hat der Regisseur und Drehbuchautor für diesen Film recherchiert, was man aber auch bei jedem noch so kleinsten Detail merkt. Gedreht wurde, in 38 Drehtagen, an Originalschauplätzen: im ehemaligen Stasi-Hauptquartier in der Normannen-Straße entstand das Büro von Grubitz; in der Wedekindstraße fanden die Außenaufnahmen vor Dreymans Haus statt; in der Hufelandstraße am Prenzlauer Berg entstanden die Innenaufnahmen von Dreymans Wohnung und Wieslers Dachboden; das Team bekam sogar die Genehmigung, im Original-Karteikartenarchiv der ehemaligen Stasi-Hauptzentrale in der Normannenstraße zu drehen. In dem riesigen maschinellen Aufbewahrungssystem entstanden Bilder mit einmaligem Zeitzeugencharakter, denn die Aktenlagerstätte ist in der im Film gezeigten Form inzwischen nicht mehr existent.

Die bemerkenswerte Filmmusik stammt übrigens vom Oscar-Preisträger und Golden-Globe-Gewinner Gabriel Yared, der sonst für Filme mit Budgets in Millionenhöhe schreibt, wie z. B. "Der talentierte Mr. Ripley". Dem Komponisten, der in London und Paris lebt, gefiel das Drehbuch aber so gut, dass er voll davon überzeugt wurde und mitmachte.

Fazit
Der Film "Das Leben der Anderen" ist etwas ganz Besonderes im deutschen Filmgeschehen. Ein großartiger Film, den man eigentlich jedem zwischen 18 und 80 empfehlen kann. Den einen, um wirklich authentisch kennenzulernen, wie es "drüben" war, und den anderen, um sich daran zu erinnern. Selten hat mich in den letzten Jahren ein deutscher Film so begeistert.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 100 %


Alternativtitel: The Live of Others
Land: Deutschland
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 137
Genre: DramaMysteryThriller
Verleih: Buena Vista
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 23.03.2006
Heimkino: 16.11.2006

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck
Drehbuch: Florian Henckel von Donnersmarck

Schauspieler: Martina Gedeck (Christa-Maria Sieland) •  (Hauptmann Gerd Wiesler) • Sebastian Koch (Georg Dreyman) • Ulrich Tukur (Oberstleutnant Anton Grubitz) • Thomas Thieme (Minister Bruno Hempf) • Hans-Uwe Bauer (Paul Hauser) • Volkmar Kleinert (Albert Jerska) • Matthias Brenner (Karl Wallner) • Charly Hübner (Udo) • Herbert Knaup (Gregor Hessenstein) • Bastian Trost (Häftling 227) • Marie Gruber (Frau Meineke) • Volker Michalowski (Schriftexperte) • Werner Daehn (Einsatzleiter in Uniform) • Martin Brambach (Einsatzleiter Meyer) • Hubertus Hartmann (Egon Schwalber)

Produktion: Quirin Berg • Max Wiedemann
Szenenbild: Silke Buhr
Kostümbild: Gabriele Binder
Maskenbild: Annett Schulze • Sabine Schumann
Kamera: Hagen Bogdanski
Musik: Stéphane Moucha • Gabriel Yared
Schnitt: Patricia Rommel


Bild: Buena Vista

1 customer review

sehr gut
23.03.06
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