Das Wochenende

Kinoplakat Wochenende

Die Aufarbeitung des eigenen Lebens geht wohl niemand gerne an. Und je mehr wir verdrängen, desto unangenehmer trifft es uns, wenn wir unausweichlich mit der Vergangenheit konfrontiert werden. Auf diesen interessanten Kern setzt der Film "Das Wochenende" die Frage nach Schuld und Sühne.

Und geht damit ein großes Thema an: Ehemalige Terroristen der RAF müssen sich nach 18 Jahren der Vergangenheit stellen. Damit keiner kneifen kann, schneidet der Film seinen Figuren zunächst die Fluchtwege ab und pfercht die ehemaligen Kampfgenossen auf dem relativ engen Raum eines alten Gutshauses zusammen. Das alte Haus steht für die Wende, die die meisten in ihrem Leben vollzogen haben. Die einstigen Ideale sind vergessen oder verraten worden und man genießt die Vorzüge des Kapitalismus. Doch die Wände des Hauses sind dünn genug, dass Gespräche ins Nebenzimmer dringen. Es gibt kein Entrinnen vor dem, was niemand mehr anschauen geschweige denn aussprechen mag. Außerdem sind die Möglichkeiten des Ausbruchs beschränkt. Ein Spaziergang im Wald oder eine Einkaufsfahrt bieten nur kleine Fluchten vor unbeantworteten Fragen. Und die schweben das gesamte Wochenende wie ein Damoklesschwert über der kleinen Runde: Wer hat damals Verrat begangen?

Kritik

Die über allem liegende Schwere passt gut zur Inszenierung als Kammerspiel. Hier wirken selbst die Aufnahmen in freier Natur bedrohlich. Und auch die Stimmung unter den Menschen ähnelt einem brodelnden Vulkan. Jetzt bloß nichts Falsches sagen, lautet die Devise. Das ist eine Zeit lang dramaturgisch zu begründen - doch auf Dauer enttäuscht die Handlung damit, dass bis zum Ende, um den heißen Brei herumgeredet wird und die Gespräche als Worthülsen enden. Das Wochenende geht zu Ende und es klärt die Frage des Verrats. Doch viel mehr erfährt der Zuschauer nicht. Statt sich selbst zu hinterfragen, schiebt jeder die Schuld dem anderen in die Schuhe und das Treffen endet ohne Fazit.

Zugegeben: "Das Wochenende" ist nicht der erste Film, der eine Bestandsaufnahme präsentiert, die ohne Lösungsvorschläge bleibt. In der Folge geht der Zuschauer leer aus, der mehr erwartet als nur ein Aufzeigen. Befriedigt werden nur die, die das Gefühl vermittelt bekommen möchten, dass es anderen auch nicht anders ergeht, als ihnen selbst. So gesehen mag der Film Ansprüche befriedigen - mir scheint es ungeschickt ein so heißes Eisen wie Terrorismus anzufassen, wenn man zu dem Thema so wenig aussagen möchte.

Zu den Unstimmigkeiten des Großen kommen die Ungereimtheiten der Details: So weiß
nur die Schwester des Inhaftierten von dessen Entlassung. Eine zugesagte Verabredung kann mehrfach verschoben werden; ohne dass man die Freunde davon in Kenntnis setzen muss. Und ein nächtlicher Ausflug mit Pistole gerät zur Luftnummer. An der Belanglosigkeit des Ganzen können die überwiegend fähigen Darsteller wenig ändern. Sie schlagen sich den Umständen entsprechend tapfer.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2012
Laufzeit ca.: 98
Genre: Drama
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 11.04.2013
Heimkino: 08.11.2013

Regie: Nina Grosse
Drehbuch: Nina Grosse
Literaturvorlage: Bernhard Schlink

Schauspieler: Katja Riemann (Inga Lansky) • Sebastian Koch (Jens Kessler) • Tobias Moretti (Ulrich Lansky) • Sylvester Groth (Henner Borchard) • Barbara Auer (Tina Kessler) • Robert Gwisdek (Gregor Lansky) • Elisa Schlott (Doro Lansky) • David Bredin (Fischer) • Holger Doellmann (Gefängnisbeamter)

Produktion: Nina Maag • Nico Hofmann • Thomas Peter Friedl
Szenenbild: Knut Loewe
Kostümbild: Ulla Gothe
Maskenbild: Jeanette Latzelsberger • Kerstin Stattmann
Kamera: Benedict Neuenfels
Ton: Paul Oberle • Andreas Mücke Niesytka • Andreas Ruft
Musik: Stefan Will
Schnitt: Mona Bräuer


Bilder: Universum Film

1 customer review

ausreichend
11.04.13
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