Spieltrieb

Kinoplakat Spieltrieb

Zwei Schüler kommen auf die Idee, einen ihrer Lehrer zu manipulieren und somit zu seinem Glück zu zwingen. Der Plan funktioniert solange, bis klar wird, dass die Manipulanten einander ebenfalls nicht trauen können.

Es gibt im Leben eines Heranwachsenden viele Phasen der Unsicherheit. Eine durchleben wir gegen Ende der Pubertät an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Wie wir mit dieser Unsicherheit umgehen, ist unterschiedlich. Eine Möglichkeit besteht darin, sich einen Anker zu suchen. Der kann aus einem Freundeskreis bestehen, Glauben oder Philosophie. Für die Philosophie hat sich Ada (Michelle Barthel) entschieden, die ein Leben als Außenseiterin lebt. Als Hochbegabte hat sie mehrere Klassen übersprungen und kann jetzt mit der Oberflächlichkeit ihrer Mitschülerinnen nichts anfangen. Da erscheint ihr der neue Mitschüler Alev (Jannik Schümann) wie ein Seelenverwandter. Als Kind reisefreudiger Eltern fehlt es ihm an Verwurzelung. Und Alev ist (zumindest nach außen hin) über alle Maße selbstbewusst.

Als er beobachtet, wie Sportlehrer Smutek auf Ada reagiert, reift in ihm eine Idee. Er will Ada und Smutek für seine persönliche Rache nutzen. Dazu manipuliert er die Zwei und spannt sie in ein Spiel aus lügen und betrügen sowie Macht und Ohnmacht ein. Doch wer gewinnt am Ende?

Kritik

Der Film "Spieltrieb" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Juli Zeh, den ich nicht gelesen habe. Es ergibt sich nach Sehen des Films jedoch die Vermutung, dass der Stoff als Roman besser funktioniert als die Filmfassung. Deren größte Schwächen bestehen für mich darin, dass ich mich nicht für die Figuren interessiere. Dazu ist mir die Geschichte zu theoretisch abgespult und bleibt ohne Leben. Die Personen agieren ohne Hintergrund und Ausleuchtung, die Dialoge sind gestelzt und die Handlung ohne Überraschung, da ich von Anfang an nichts anderes erwartet habe als das, was passiert; die einzige Ausnahme davon bildet die Gerichtsverhandlung gegen Filmende.

Zu sagen, dass es dem Film nicht gelingt mein Interesse zu wecken ist ein hartes Urteil. Deshalb möchte ich es ausführen. Die Figuren treten in naturalistischer Umgebung auf, agieren jedoch wie Kunstfiguren und sprechen auch so. Hier fehlt mir die Entscheidung, ob der Film Naturalismus oder Kunst sein will. Zudem bleiben die Hintergründe und Beweggründe der Handelnden verborgen. Folglich muss ich deuten, dass Ada nicht länger eine Außenseiterin sein möchte. Ihr Zuhause ist eine Katastrophe, denn die Mutter trinkt und die Ehe ihrer Eltern ist zerrüttet. Zudem ist ihr Vater, der nie im Film auftaucht, nicht ihr leiblicher Vater. Was Probleme erklären könnte - allerdings nicht als Handlungsstrang ausgebaut wird. Später entwickelt Ada Gefühle für den Mann, den sie eigentlich manipulieren will.
Alev ist verletzt und hat Angst vor echten Gefühlen. Für ihn ist Ada, die Frau, die er liebt. Doch er verletzt er sie, weil er mit seinen Gefühlen nicht klarkommt. Außerdem will er Rache dafür, dass die USA das Heimatland seiner Mutter ungestraft angreifen. Dieses Motiv wird in Nebensätzen angedeutet. Also nutzt er die Chance, Ada zu verletzen und dabei für seine persönliche Rache zu missbrauchen.
Die restlichen Personen laborieren ebenfalls an unspezifischen Problemen. Lehrer Smuteks Ehe ist unglücklich - weil seine Frau (psychische) Probleme hat. Lehrer Höfi kann den Tod seiner Frau nicht verwinden, was zu einem rücksichtslosen Selbstmord führt.
Wie gesagt, sind dies meine Deutungen der nebulösen Persönlichkeiten des Films. Ich kann damit den Absichten der Drehbuchautoren nahe kommen oder falsch liegen. Fakt ist, dass die Figuren Papier bleiben. Insbesondere die Jugendlichen entsprechen mit ihren gestelzten Dialogen zu sehr Autorenfilmen und transportieren den Eindruck, dass in freier Wildbahn niemand so spricht. Ärgerlich daran ist außerdem, dass ihre verkopften Thesen nicht stimmen.

Zu den Darstellern gibt es wenig zu sagen. Michelle Barthel überzeugt in ihrer Rolle - soweit das aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten möglich ist. Jannik Schümann nehme ich den großen, mit allen Wassern gewaschenen Manipulierer nicht ab. Dazu bleibt er mir viel zu blass. Zu den altgedienten Darstellern habe ich wenig zu sagen.

Fazit
Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Juli Zeh durch Gregor Schnitzler kann mit einer starken Hauptdarstellerin punkten. Der Rest ist ein netter Versuch.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2012
Laufzeit ca.: 101
Genre: DramaKrimi
Verleih: Concorde Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.10.2013
Heimkino: 30.04.2014

Regie: Gregor Schnitzler
Drehbuch: Kathrin Richter • Jürgen Schlagenhof
Literaturvorlage: Juli Zeh

Schauspieler: Michelle Barthel (Ada Fischer) • Jannik Schümann (Alev El Quamar) • Maximilian Brückner (Szymon Smutek) • Ulrike Folkerts (Patrizia Fischer) • Richy Müller (Höfi) • Sophie von Kessel (Magdalena Smutek) • Helmut Berger (Dr. Teuter) • Isolde Barth (Richterin) • Elisa Schlott (Odetta) • David Schütter (Grüttel) • Robert Alexander Baer (Toni) • Muriel Wimmer (Prinzessin Joe) • Walter Schuster (Verteidiger) • Daniela Schürger (Barfrau)

Produktion: Markus Zimmer
Szenenbild: Angelica Boehm
Kostümbild: Caroline Sattler
Maskenbild: Heiner Niehues • Constanze Madlindl
Kamera: Andreas Berger
Musik: Gerd Baumann
Schnitt: Georg Söring


Bild: Concorde Filmverleih

1 customer review

ausreichend
10.10.13
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vorgeschlagen

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