Der Moment der Wahrheit

Kinoplakat Moment der Wahrheit

Das Drama aus dem Jahr 2015 beleuchtet den Tiefpunkt der Nachrichtensendung "60 Minutes", die vom amerikanischen Sender CBS ausgestrahlt wird. Eine kritische Reportage schlägt zunächst hohe Wellen und kostet dann einen Teil der Redaktion die Karriere. Die Besetzung mit Cate Blanchett und Robert Redford ist vielversprechend.

2004 ist in den USA ein Wahlkampfjahr. Der amtierende Präsident George W. Bush tritt gegen den Herausforderer John Kerry an. Als der Nachrichtensendung "60 Minutes" das Gerücht zugetragen wird, dass Bush seinen Militärdienst nicht korrekt abgeleistet hat, sind die Journalisten elektrisiert. Man prüft die Lage oberflächlich und beginnt in der Angelegenheit zu recherchieren. Die Hinweise auf Unregelmäßigkeiten verdichten sich und es tauchen Fotokopien von Memos auf, die Brisantes enthüllen. Das Team prüft Fakten und Beweise und bringt die Nachrichten, die wie eine Bombe einschlagen. Die Achillesferse: Es gibt keinen stichhaltigen Beweis für die Echtheit der Memos. Kurz nach der Nachrichtensendung beginnt es zu gären. Blogger stellen die Angelegenheit infrage und der Fall beginnt Kreise zu ziehen. Die Frage nach dem Militärdienst von George W. Bush rückt in den Hintergrund und andere Themen rücken in den Vordergrund.

Kritik

Der Film fußt auf dem Buch "Truth and Duty: The Press, the President and the Privilege of Power", das Mary Mapes später über die Vorfälle schrieb. Der Fall macht den Eindruck, dass es möglich ist ihn als Enthüllungs-Thriller oder als Drama aufzuarbeiten. James Vanderbilt (Drehbuch und Regie) legt die Story als Drama an. Dazu teilt er die Handlung in zwei Akte ein. Im ersten führt er die Besetzung der Nachrichtenredaktion ein, stellt die Arbeitsweisen vor und zeigt, welches Jagdfieber der neue Fall in den Journalisten weckt.
Im zweiten Teil schlägt die Stimmung in eine Hexenjagd um, in deren Mittelpunkt die Produzentin der Sendung steht; im Film spielt Cate Blanchett die Rolle der Mary Mapes. Für beide Teile gilt, dass es an Tiefgang fehlt. Das machen anfangs die schnellen Schnitte und die Inszenierung relativ gut wett. Auch wenn die Darstellung des Arbeitsalltags den Beigeschmack der Inszenierung trägt. Wahrscheinlich geht es in keiner Nachrichtenredaktion der Welt so zu wie im Film. Und es ist etwas schade, dass die Motivationen der Figuren im Dunkel bleiben.

In der zweiten Filmhälfte, die die menschliche Seite des Dramas beleuchtet, fällt der mangelnde Ausbau der Charaktere stärker ins Gewicht. Jetzt ist es abträglich, dass Motivationen nicht ausgebaut sind und die Rollen von Robert Redford, Dennis Quaid, Topher Grace und Weiteren Randfiguren bleiben. Leider bleibt selbst die Hauptrolle, die Cate Blanchett überzeugend spielt, eine Schablone. Das führt dazu, dass ich mit den Figuren nur bedingt mitfühlen kann, denn sie sind mir zu sehr Rollen. Weiterhin enttäuscht es, dass Vanderbilt den Fall von der menschlichen Seite her beleuchtet und ausgerechnet bei der Darstellung und Inszenierung dessen patzt. Die Dramaturgie versucht das abzumildern, indem sie Szenen in kitschiger Filmmusik ertrinken lässt.

Neben dem menschlichen Faktor kommen weitere Aspekte zu kurz. So wird die mit dem Fall verknüpfte Brisanz nicht ausgeschöpft, denn es geht in diesem Fall nicht nur um die Frage nach gutem oder schlechtem Journalismus, sondern auch um die Frage nach Motiven. Und die bestehen in Macht und Geld.

Fazit
Die Frage, ob der mittlerweile 12 Jahre alte Fall in Deutschland noch jemanden interessiert, muss sich jeder Kinogänger selbst beantworten. Die Chance ein zeitloses Drama zu schaffen ist leider vertan.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Truth
Land: USA
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 125
Genre: BiografieDrama
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 02.06.2016
Heimkino: 07.10.2016

Regie: James Vanderbilt
Drehbuch: James Vanderbilt
Literaturvorlage: Mary Mapes

Schauspieler: Cate Blanchett (Mary Mapes) • Robert Redford (Dan Rather) • Topher Grace (Mike Smith) • Dennis Quaid (Roger Charles) • Elisabeth Moss (Lucy Scott) • Bruce Greenwood (Andrew Heyward) • Stacy Keach (Bill Burkett) • John Benjamin Hickey (Mark Wrolstad) • David Lyons (Josh Howard) • Dermot Mulroney (Lawrence Lanpher) • Rachael Blake (Betsy West) • Andrew McFarlane (Dick Hibey) • Natalie Saleeba (Mary Murphy) • Noni Hazlehurst (Nicki Burkett) • Connor Burke (Robert Mapes)

Produktion: Bradley J. Fischer • William Sherak • James VanderbiltBrett Ratner • Doug Mankoff • Andrew Spaulding
Szenenbild: Fiona Crombie
Kostümbild: Amanda Neale
Maskenbild: Marc Boyle • Fiona Connon • Heather Gerchberg • Erin Kennedy Lunsford
Kamera: Mandy Walker
Musik: Brian Tyler
Schnitt: Richard Francis-Bruce


Bilder: Universum Film

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