Can You Ever Forgive Me?

Kinoplakat Can You Ever Forgive Me

Das Drama erzählt von der Karriere der amerikanischen Schriftstellerin Lee Israel, die zunächst Biografien bekannter Persönlichkeiten verfasste. Als ihre Werke nicht mehr nachgefragt wurden, begann sie damit Briefe von Stars zu fälschen und als Memorabilia zu verkaufen. Nach anfänglichen Erfolgen geriet Israel in den Verdacht eine Fälscherin zu sein und wurde verurteilt.

Kritik

In Zeiten der elektronischen Korrespondenz macht es einen verstaubten Eindruck, dass Menschen vor wenigen Jahrzehnten noch Briefe auf Schreibmaschinen verfassten und diese heute für Sammler einen Wert darstellen, vorausgesetzt die Briefe stammen von bekannten Persönlichkeiten. Dem angestaubten Inhalt des Films ist das Szenenbild angepasst. Auffällig oft spielt es in dämmerigen Räumen wie etwa kleinen Buchläden. Stellenweise meint man, dass der Staub in der Nase kitzelt. Alles in allem ist die Bildgestaltung konsequent und etwas eintönig. Ihre Stärke besteht darin ohne Stilbrüche auszukommen. Auffällig sind die Wiederholungen. So wird sehr oft Alkohol getrunken und Lee sitzt mehrfach an ihrer Schreibmaschine, besucht wiederholt dieselben Buchläden. Die Musik nimmt eine tragende Rolle ein und neigt dazu hereinzubrechen.

Melissa McCarthy spielt die Hauptrolle der Lee Israel unverkennbar, zeigt nur bedingt eine andere Facette als in ihren bisherigen Filmen. Da ihre Rolle keine Entwicklung durchläuft, bleibt es bei einer eindimensionalen Darstellung. Eine kleine, mürrische, übergewichtige Frau, die dazu neigt, die Menschen ihrer Umgebung wegzubeißen. Sie ist kein liebenswertes Ekelpaket, das eine charmante Seite hat, sondern eine schwerzugängliche Person, mit mehr als einem Problem. So lässt sie ihre Wohnung derart verdrecken, dass es zu einer Fliegenplage kommt und sie trinkt zu viel.
Aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz schließt sie Freundschaft mit dem seelenverwandten Jack (Richard E. Grant). Eine Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide verschlossene Menschen sind und meinen, es hätte in ihrem Leben mehr geben müssen, als das, was sie erreicht haben. In ihrer eigenartigen Konversation ist das Wort Miststück ein Kompliment.

Die Darstellung und Erforschung der Hauptrolle hat eine enggezogene Grenze. Das ist schade, denn es wäre interessant gewesen mehr einzutauchen in die innere Welt der Hauptrolle. Reue zeigt sie beispielsweise nicht. Die Annäherungsversuche einer jüngeren Buchhändlerin lehnt sie ab. Das Warum erfahren wir nicht. Damit bleibt die Chance ungenutzt aufzuzeigen, was die Hauptrolle fühlt, weil sie die Frau betrogen hat, die sie zumindest mag (vielleicht auch liebt). Was Lee Israel geprägt hat und was in ihr vorgeht, kann der Zuschauer nur raten. Unterm Strich bietet die Handlung keine Erforschung einer Persönlichkeit und zu wenig, um eine Biografie zu sein. Es ist eine herausgegriffene kurze Spanne eines Lebens.

Fazit
Der Film "Can you ever forgive me?" ist stimmig und macht es dem Zuschauer nicht leicht. Er ist ähnlich schwer zu genießen wie seine Hauptperson. Wer fordernde Stoffe schätzt, ist hier richtig.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 106
Genre: BiografieDramaKrimiLGBT
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 21.02.2019
Heimkino: 11.07.2019

Regie: Marielle Heller
Drehbuch: Nicole Holofcener • Jeff Whitty
Literaturvorlage: Lee Israel

Schauspieler: Melissa McCarthy (Lee Israel) • Richard E. Grant (Jack Hock) • Dolly Wells (Anna) • Ben Falcone (Alan Schmidt) • Gregory Korostishevsky (Andre) • Jane Curtin (Marjorie) • Stephen Spinella (Paul) • Christian Navarro (Kurt) • Pun Bandhu (Agent Doyle) • Erik LaRay Harvey (Agent Solonas) • Brandon Scott Jones (Glen) • Shae D'lyn (Nell) • Rosal Colon (Rachel) • Anna Deavere Smith (Elaine) • Marc Evan Jackson (Lloyd) • Tina Benko (Karen)

Produktion: Anne Carey • Amy Nauiokas • David Yarnell
Szenenbild: Stephen Carter
Kostümbild: Arjun Bhasin
Maskenbild: Ma Kalaadevi Ananda
Kamera: Brandon Trost
Musik: Nate Heller
Schnitt: Anne McCabe


Bild: 20th Century Fox

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