Der Räuber Hotzenplotz

Kinoplakat Der Räuber Hotzenplotz

Viele Gesichtspunkte sprechen für die angenehm altmodische Verfilmung der Kinderbücher von Otfried Preußler. Wie das sorgfältige Szenenbild. Auch die verschrobene Geschichte macht Spaß. Einige Punkte hätte anders ausfallen können und aus der guten Produktion einen richtig tollen Film machen können.

Das Leben im Dorf ist beschaulich und die Freunde Kasperl und Seppel sind gerade mit einem Experiment beschäftigt, da erreicht sie der Hilferuf der Großmutter. Der wurde vom Räuber Hotzenplotz die Kaffeemühle gestohlen. Ausgerechnet die Kaffeemühle, die Kasperl und Seppel für die Großmutter gebaut haben und die eine Melodie spielt. Der Tunichtgut Räuber Hotzenplotz versucht die Kaffeemühle dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann zu verkaufen. Aber der hat kein Interesse daran und der Räuber entführt die Freunde und verkauft den Kasperl, den er für Seppel hält an den Zauberer. Den Seppel, von er meint, er sei der Kasperl behält er. Beide Jungen müssen nun für einen Bösewicht arbeiten. Die Großmutter ist in Sorge und alarmiert den Polizisten Dimpfelmoser. Dem gelingt es einmal mehr nicht, den Räuber Hotzenplotz zu fangen. Die Großmutter ist ratlos und die Freunde benötigen dringend Hilfe.

Kritik

Der Familienfilm ist mit Sorgfalt entstanden und die Schauspieler hatten sichtlich Freude beim Dreh. Das überträgt sich aufs Publikum und insbesondere jüngere Kinder können sich an einer ansehnlichen Ausstattung und einem angenehm altmodischen Film erfreuen. Darin sind die Rollen klar verteilt. Die Großmutter ist eine verstaubte Dame, der Polizist gesetzestreu und die Kinder sind beste Freunde. Smartphones und Internet sind noch nicht erfunden. Am Traumgerät der Freunde gibt es Milchkannen zu sehen. Ob die Kinder von heute noch erkennen? Der Humor setzt auf szenische Komik, Sprachwitze wie Wortspiele und leider den Furzwitz. Das Szenenbild ist anfangs idyllisch und später getragen. Wirklich bedrohlich wird die Gefangenschaft der Jungs jedoch nicht. Die Tricks sind bedauerlicherweise nur von Fernseh-Qualität und stets als Trick zu erkennen. Zudem ist der Film für Kinder lang geraten mit einer Lauflänge von mehr als einhundert Minuten.

Eigenartig mutet an, dass die Hauptrollen in dem Kinderfilm nicht die Kinder spielen, sondern die Erwachsenen. Am meisten Gewicht und Ausbau bekommt der Räuber Hotzenplotz, der trotzdem er böse ist, sympathisch auftritt. Er leidet unter einem Vaterkomplex, den die Großmutter schnell durchschaut. Die rüstige Dame spricht mit norddeutscher Sprachfärbung und sagt trotzdem nicht Pilzsuppe, sondern Schwammerlsuppe. Die restlichen Figuren sind freundlich dargestellt. Der Polizist ist aufrecht und hat an Strafverfolgung wenig Interesse. Kasperl und Seppel bekommen etwas zu wenig Zeichnung. So könnte Kasperl gewitzter auftreten. Der gutmütige Seppel begreift für seine Begriffsstutzigkeit erstaunlich schnell. Als störend empfindet der Kritiker die Wiederholungen. Der Zauberer Petrosilius Zwackelmann wiederholt seine Monologe. Der dunkle Keller wird zweimal durchschritten. Die Kekse der Wahrsagerin sind in zwei Szenen steinhart. Um nur Beispiele zu nennen. Insgesamt ziehen die Wiederholungen die Handlung unnötig in die Länge und der Gesamteindruck leidet am mangelnden Tempo.

Fazit
"Der Räuber Hotzenplotz" ist ein im positiven Sinne altmodischer Kinderfilm, dessen Detailverliebtheit gefällt; der Hang zu Wiederholungen und die Temposchwäche weniger. Für den überschaubaren Inhalt ist der Film zu lang. Für einen Kinderfilm eigenartig: Die Erwachsenen bekommen mehr Raum als die Kinder, teilweise dienen die Szenen mehr der Darstellung der Darsteller als dem Gesamteindruck. Eine kürzere Fassung mit weniger Selbstverliebtheit und mehr Tempo wäre wohl die bessere Entscheidung gewesen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: Deutschland
Jahr: 2022
Laufzeit ca.: 106
Genre: AbenteuerFamilieKomödie
Verleih: Studiocanal
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 08.12.2022

Regie: Michael Krummenacher
Drehbuch: Matthias Pacht
Literaturvorlage: Otfried Preußler

Schauspieler: Nicholas Ofczarek (Räuber Hotzenplotz) • Hans Marquardt (Kasperl) • Benedikt Jenke (Seppel) • August Diehl (Zauberer Petrosilius Zwackelmann) • Hedi Kriegeskotte (Großmutter) • Christiane Paul (Frau Schlotterbeck) • Olli Dittrich (Polizist Dimpfelmoser) • Luna Wedler (Fee Amaryllis) • Maximilian Gehrlinger (Sauerbier) • Katja Preuß (Evelyn Moosbacher)

Produktion: Uli Putz • Jakob Claussen
Szenenbild: Tilman Lasch
Kostümbild: Rudolf Jost • Heiner Wiedemann
Maskenbild: Judith Kröher Falch • Grit Hildenbrand • Miriam Hübner • Marie Öttl • Stephanie Hanf
Kamera: Marc Achenbach • Alex Förderer • Alina Albrecht • Alex Förderer
Ton: Marco Teufen
Musik: Niki Reiser
Schnitt: Max Fey


Bild: Studiocanal

1 customer review

Befriedigend
07.12.22
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