Der Teufelsgeiger

Kinoplakat Teufelsgeiger

Der Spielfilm über den Künstler Niccolò Paganini (1782 bis 1840) will nicht eine möglichst genaue Filmbiografie sein, sondern die moderne Interpretation eines frühen Popstars. Dazu wurde das Bild des Virtuosen stark reduziert. Im Mittelpunkt der Handlung stehen die Leidenschaften des Maestros: Frauen, Musik und Drogen. Ausgeschmückt wird das Geschehen mit Problemen wie Geldnöten und einer unerfüllten Liebe.

Die Handlung beginnt kurz vor den Konzerten im London des Jahres 1831. Paganini (David Garrett) ist chronisch pleite und ein gewisser Urbani (Jared Harris) verspricht ihm zu dienen und ihn reich zu machen. Sein Auftreten erinnert ein wenig an einen Teufel. Dass Paganini wirklich einen Pakt mit dem Leibhaftigen eingeht will der Film dann doch nicht behaupten. Unter Urbanis Führung kommt die Karriere jedenfalls in Schwung und der Film führt den zweiten Handlungsort ein: London. Hier versucht John Watson (Christian McKay) alles, um Paganini nach London zu holen. Von dessen Auftritt erhofft er sich den großen Geldsegen. Zunächst jedoch stürzt er sich in Schulden und muss sogar die Dienerschaft entlassen.

Als Paganini dann endlich nach London kommt und wegen widriger Umstände bei den Watsons einzieht, findet er ein fast leeres Haus vor. Die Watsons begründen dies mit einem kürzlichen Einzug und Tochter Charlotte (Andrea Deck) schlüpft in die Rolle des Dienstmädchens. Sehr zur Freude von Paganini, der schnell Gefallen an der jungen Frau findet. Wobei Charlottes selbstbewusstes Auftreten nebst ihrer Singstimme den Geiger alsbald verzaubern. Doch Urbani fürchtet Paganini an Charlotte zu verlieren und treibt einen Keil zwischen die Verliebten.

Kritik

Solange das Ergebnis stimmig ist, habe ich nichts dagegen ein Thema stilisiert zu zeigen. Was ich über den "Teufelsgeiger" nicht sagen kann. In diesem Fall empfinde ich die moderne Handschrift als verunglückt. Es beginnt mit dem Eindruck, dass die Lust den Film zu drehen fehlt. Die Mehrzahl der Hauptdarsteller hat wenig Freude in Kostüme zu schlüpfen und zu spielen; ihr Auftreten ist lustlos, die Dialoge sind blutleer. Leider interessieren die Beziehungen der Menschen untereinander den Film wenig. Beispielsweise leben Schwiegermutter und Schwiegertochter unter einem Dach. Es wäre möglich die Frage nach Rivalität aufzuwerfen. Oder zu untersuchen, ob die Jüngere dieselbe Karriere wie die Ältere anstrebt? Doch so leben die Frauen nebeneinander her. Und auch die restlichen Figuren des Films bleiben oberflächlich. An ihrem Seelenleben zeigt das Drehbuch wenig Interesse. Das ist schade, denn es sind Figuren ohne Belang. Außerdem frage ich mich, wie jemand Meisterschaft auf einem Instrument erlangt, ohne je zu üben?

Den schwächsten Eindruck, das muss ich leider sagen, macht David Garrett als Paganini. Was ich ihm nicht vorwerfen kann, denn er ist kein ausgebildeter Schauspieler. Weiterhin wundere ich mich darüber, dass der Film einen Geiger auftreten lässt und ihm so selten die Chance zum Geigenspiel einräumt; ihn also nicht machen lässt, was er kann. Zudem ist der gezeigte Naturalismus eigenwillig. Menschen in alten Kostümen spielen vor alten Kulissen. Treten jedoch wie Menschen der Jetztzeit auf.

Fazit
Wäre es ein Konzertfilm kämen mir Worte wie lahm und zahm in den Sinn.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: DeutschlandItalienÖsterreich
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 123
Genre: BiografieDramaMusik
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 31.10.2013
Heimkino: 11.04.2014

Regie: Bernard Rose
Drehbuch: Bernard Rose

Schauspieler: David Garrett (Niccolò Paganini) • Jared Harris (Urbani) • Andrea Deck (Charlotte Watson) • Christian McKay (John Watson) • Joely Richardson (Ethel Langham) • Veronica Ferres (Elisabeth Wells) • Olivia d'Abo (Primrose Blackstone) • Helmut Berger (Lord Burghersh) • Kristian Portz (Kämpfer) • Thomas Anton (dicker Mann) • Peter R. Bishop (Journalist) • Peter Bosch (Officer) • Ben Cura (Charlottes Mann) • Jennifer Davison (Antonia Bianchi) • David Godden (Ticket Tout)

Produktion: Rosilyn Heller • Gabriela Bacher • Danny Krausz • Christian Angermayer
Szenenbild: Christoph Kanter
Kostümbild: Birgit Hutter
Maskenbild: Oliver Ziem-Schwerdt • Lena Lazzarotto
Kamera: Bernard Rose
Musik: David Garrett • Franck van der Heijden
Schnitt: Britta Nahler


Bild: Universum Film

1 customer review

ausreichend
31.10.13
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