Rush - Alles für den Sieg

Kinoplakat Rush Alles für den Sieg

Sie kommen von unten und wollen an die Spitze: Der Brite James Hunt und der Österreicher Niki Lauda. Der eine geht den soliden Weg, der andere kostet das Leben aus. Am Ende werden sie beide Weltmeister in der Formel 1. Hunt im Jahr 1976; Lauda erringt in der Zeit von 1971 bis 1984 dreimal den Titel. Da scheint es vorgezeichnet, dass die Männer einander nicht leiden können. Oder etwa doch nicht?

Die Wahrheit ist weder schwarz noch weiß: Es gibt zwischen den Kontrahenten so etwas wie gegenseitigen Respekt. Den zu thematisieren hebt der Film sich bis kurz vor Schluss auf, denn bis dahin lebt ein Gutteil der Dramatik von den Kampfhähnen Lauda und Hunt. Und da der Film so wenig wie möglich spekulieren will, und möglichst nahe an der Realität bleiben, und also nicht auf böse Hintermänner oder illegale Straßenrennen setzen kann, setzt er eben auf die Streitereien.

Zusätzlich gönnt er dem Zuschauer einen Einblick in das Privatleben von James Hunt gespielt von Chris Hemsworth. Ein lebenshungriger, teils draufgängerischer Mann. Er ist das ziemliche Gegenteil des soliden Niki Lauda (Daniel Brühl), den der Film nur verhalten charakterisiert. Am auffälligsten ist der Umstand, dass Lauda im Film bei Interviews und Besprechungen als ziemlicher Kotzbrocken auftritt. Ansonsten arbeitet man noch einige Fakten aus Laudas Vita ab, wagt allerdings keine tiefer gehenden Blicke hinter die Kulissen.

Somit legt die Handlung mehr Gewicht auf die Geschichte des James Hunt. Was darin begründet liegen könnte, dass Hunt 1993 starb und auf die Darstellung seiner Person nicht mehr reagieren kann. Wie dem auch sei. Enttäuschend ist der Umstand, dass der Film eine Frage völlig offen lässt: Was treibt die Männer an? Bei Hunt kann die Antwort Lebensgier lauten. Bei Lauda ist es mir völlig unklar. Schade, dass der Film die Antwort nicht gibt.

Ärgerlich finde ich den Umstand, dass Handlungsfäden angerissen werden und trotz 120 Minuten Lauflänge nicht beendet. Was aus dem angespannten Vater-Sohn-Verhältnis von Lauda und seinem Vater wird, erfährt der Zuschauer nicht. Auch die Angelegenheit mit dem Reporter bleibt offen. Der beleidigt Lauda während einer Pressekonferenz und bekommt dafür von Hunt Prügel. Derart zeigt der Film auf, dass Hunt Lauda respektiert. Später heißt es sinngemäß: Man braucht einen Rivalen, an dem man sich reiben kann. Der einen antreibt, weil man ihn ausstechen will. Damit bleibt das Verhältnis der Männer zueinander deutungsfähig.

Ansonsten tummelt sich die Kamera gerne auf der Piste. Aus der Froschperspektive gibt es spektakuläre Aufnahmen zu sehen - die allerdings auf Dauer abnutzen, trotz der handwerklichen Solidität. Ähnliches gibt es zu den (immer gleichen) Reportergesichtern zu sagen, die atemlos die Rennen kommentieren.

Fazit
"Rush" versucht möglichst nahe an den Personen und ihrer Geschichte zu bleiben; das ist Segen und Fluch zugleich. Wer, so wie ich, das Interesse an der Formel 1 nicht mit ins Kino bringt, den lässt der Film vielleicht kalt. So gesehen bin ich der Falsche für die Kritik. Andererseits auch der Richtige, eben weil ich kein Formel-1-Fan bin.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Rush
Land: DeutschlandGroßbritannienUSA
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 123
Genre: BiografieDramaSport
Verleih: Universum Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 03.10.2013
Heimkino: 28.03.2014

Regie: Ron Howard
Drehbuch: Peter Morgan

Schauspieler: Chris Hemsworth (James Hunt) • Daniel Brühl (Niki Lauda) • Olivia Wilde (Suzy Miller) • Alexandra Maria Lara (Marlene Lauda) • Pierfrancesco Favino (Clay Regazzoni) • David Calder (Louis Stanley) • Natalie Dormer (Nurse Gemma) • Stephen Mangan (Alastair Caldwell) • Christian McKay (Lord Hesketh) • Alistair Petrie (Stirling Moss) • Julian Rhind-Tutt (Anthony Horsley) • Colin Stinton (Teddy Mayer)

Produktion: Andrew Eaton • Eric Fellner • Brian Grazer • Ron Howard • Peter Morgan
Szenenbild: Mark Digby
Kostümbild: Julian Day
Maskenbild: Mark Coulier
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: Hans Zimmer
Schnitt: Dan Hanley • Mike Hill


Bilder: Universum Film

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