Die Frau in Gold

Kinoplakat Die Frau in Gold

Film über einen mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Kunstraub, der in der Gegenwart einen sechs Jahre andauernden Rechtsstreit auslöst. Der Zankapfel sind fünf Gemälde des Malers August Klimt, die von den Nazis geraubt wurden und mittlerweile in österreichischen Staatsbesitz übergegangen sind. Zu Recht oder zu Unrecht?

Das Porträt der Adele Bloch-Bauer ist in der Gegenwart zu einem Kunstschatz geworden. Doch sein Ursprung reicht weit zurück - und an den kann sich Maria Altmann (jung: Tatiana Maslany) noch gut erinnern. Es wurde von ihrer Familie in Auftrag gegeben und hing in der Wohnung in Wien. Nach dem Einmarsch der Nazis wurde es geraubt und zur Beutekunst. Aufgrund eines umstrittenen Testaments behauptet der österreichische Staat Anfang des 21. Jahrhunderts der rechtmäßige Eigentümer zu sein. Dagegen klagt die mittlerweile in Amerika lebende Maria Altmann (alt: Helen Mirren) mithilfe ihres Anwalts Randy Schoenberg (Ryan Reynolds).
Es entbrennt ein langer, mürbender Rechtsstreit, an dessen Ende fünf Bilder zurückgegeben werden. Das bekannteste ist das Porträt der Adele Bloch Bauer, das auch unter den Namen "Die Frau in Gold" oder "Woman in Gold" bekannt ist.

Kritik

"Die Frau in Gold" ist eine solide Fernsehfilm-Produktion, für die das Kino etwas hoch gegriffen scheint. Das hat zwei Gründe: Der Film bereichert das bisher Dagewesene inhaltlich nicht. Sein Verdienst liegt darin, einem Fall ein Gesicht zu verleihen. Was ihm durchschnittlich gut gelingt.

In der Jetztzeit dominiert Helen Mirren die Handlung, weil sie als Darstellerin sehr präsent auftritt. So sehr, dass ich mich zu Filmbeginn frage, weshalb diese entschlossene, leicht verschrobene Frau überhaupt einen Anwalt braucht? Später bekommt dieser Aspekt eine Rechtfertigung.
Neben ihr fallen die restlichen Rollen merklich ab. Einige bekommen zu wenig Ausbau, andere sind ausdrucksarm gespielt. An Mirrens Seite tritt Ryan Reynolds als zweite Hauptrolle auf. Seine Figur hat eine eigene Geschichte. Die des jungen Anwalts, der zunächst aus Geldgier handelt und dann, weil auch seiner Familie Unrecht geschah. Reynolds' Spiel macht wenig Eindruck. Noch weniger Aufsehen erregen andere Rollen. So ist beispielsweise Daniel Brühls Rolle als investigativer Journalist schwach. Und das trotz der Brisanz, dass ein Österreicher nicht mitschwimmt, sondern gegen sein eigens Land schreibt. Alles in allem ist das Schauspiel als solide zu bezeichnen.

Bleibt noch das Inhaltliche, das sich ebenfalls auf dem Niveau einer Fernsehproduktion bewegt. Es wäre möglich gewesen, den Fall als Gerichts-Thriller aufzuziehen. Doch "Die Frau in Gold" legt den Schwerpunkt auf das Menschliche. So zeigt der Film in pathetischer Verklärung das schöne Leben der jüdischen Familie in Wien vor dem "Anschluss Österreichs 1938". Selbst vor regelrechtem Kitsch macht der Film nicht halt. Darin wandelt Helen Mirren in der Jetztzeit durch die ehemalige elterliche Wohnung und ist gleichzeitig Teil der guten alten Zeit.

Dem Film anzurechnen ist es, dass die Schauspieler in der englischen Originalfassung in der Vergangenheit Deutsch reden. Allerdings keines mit österreichischem oder jiddischem Akzent sondern ein Deutsch, dessen Aussprache ich nicht näher beschreiben kann. Seltsam auch, dass Helen Mirren eine Frau spielt, die in den USA ausgewandert ist und trotzdem britisches Englisch spricht anstatt amerikanischem Englisch.

Die Vorkommnisse in der Jetztzeit bleiben mir kaum in Erinnerung, weil sie Naheliegendes erzählen und Dinge so inszenieren, wie man sie erwartet. Dieser Stil ist nicht falsch, sondern handwerklich sauber und ohne Überraschungen. Ausgenommen davon ist der Moment, in dem Maria Altmann innehält und sich wundert, dass sie zwar Recht bekommen hat, aber dies die alten Wunden nicht heilt. Das eine innere Verwundung nicht im Äußeren geheilt werden kann erkennt der Film nicht und kehrt zum gewohnten Modus zurück.

Fazit
Mit Blick auf das bekannte Gemälde wirkt "Die Frau in Gold" spektakulär. Doch der menschelnde Film bietet das, was man erwartet. Eine solide, fast schon belanglose Handlung.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Woman in Gold
Land: USA
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 109
Genre: HistorieSpielfilm
Verleih: SquareOne
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 04.06.2015

Regie: Simon Curtis
Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Schauspieler: Helen Mirren (Maria Altmann) • Ryan Reynolds (Randy Schoenberg) • Daniel Brühl (Hubertus Czernin) • Katie Holmes (Pam Schoenberg) • Tatiana Maslany (junge Maria Altmann) • Max Irons (Fritz Altmann) • Charles Dance (Sherman) • Antje Traue (Adele Bloch-Bauer) • Elizabeth McGovern (Florence Cooper) • Jonathan Pryce (Rehnquist) • Frances Fisher (Barbara Schoenberg) • Moritz Bleibtreu (Gustav Klimt) • Tom Schilling (Heinrich) • Allan Corduner (Gustav Bloch-Bauer) • Henry Goodman (Ferdinand Bloch-Bauer) • Ludger Pistor (Rudolph Wran)

Produktion: David M. Thompson • Kris Thykier
Szenenbild: Jim Clay
Kostümbild: Beatrix Pasztor
Maskenbild: Naomi Donne
Kamera: Ross Emery
Musik: Martin Phipps • Hans Zimmer
Schnitt: Peter Lambert


Bilder: SquareOne

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